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Aktionärszahlen Die Deutschen kaufen mehr Aktien

Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland ist so hoch wie seit 2007 nicht mehr. 10,3 Millionen Bundesbürger haben aktuell Geld in Aktien oder Aktienfonds investiert, sagt eine neue Studie.
Update: 06.03.2019 - 17:15 Uhr 2 Kommentare
Noch immer investiert nur eine Minderheit der Deutschen in Aktien. Quelle: dpa
Deutsche Börse

Noch immer investiert nur eine Minderheit der Deutschen in Aktien.

(Foto: dpa)

Frankfurt So langsam entdecken die Deutschen die Aktienanlage wieder. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Aktionäre auf 10,3 Millionen gestiegen. Ende vergangenen Jahres gab es damit rund 250.000 Aktienbesitzer mehr als noch im Vorjahr und sogar fast 1,9 Millionen mehr als 2014. Das hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) anhand einer repräsentativen Umfrage ausgemacht.

„Rund jeder sechste Bundesbürger über 14 Jahre war 2018 in der ein oder anderen Form in Aktien investiert. Wir freuen uns, dass sich das Interesse an der Aktien- und Aktienfondsanlage spürbar verfestigt hat“, sagt Christine Bortenlänger, Vorständin des DAI, der Interessenvereinigung der börsennotierten deutschen Unternehmen.

Doch ob die neue Liebe zu Aktien anhält, ist ungewiss. Denn historische Untersuchungen haben zwei Dinge gezeigt. Erstens hingen prinzipiell in der Vergangenheit die Zuflüsse in Aktien vor allem von der Kursentwicklung ab. Zweitens waren Privatanleger dabei oft spät dran. Wiederholt sich damit die Geschichte, dass Privatanleger vor allem dann kaufen, wenn die Aktienbörsen schon extrem hoch bewertet sind und kurz darauf einbrechen?

Warnzeichen in dieser Richtung sind nicht zu übersehen. Die Zahl der Aktionäre war im vergangenen Jahr so hoch wie zuletzt 2007 – also dem Jahr, in dem sich die weltweite Finanzkrise ankündigte. Anschließend kollabierten die Aktienmärkte. Allein der Dax brach von Ende 2007 bis Ende 2008 um rund 40 Prozent ein – und die Deutschen wandten sich wieder einmal von Aktien ab.

Einen deutlicheren und vor allem nachhaltigeren Anstieg der Aktionäre gibt es erst wieder seit dem Jahr 2015 (siehe Grafik). Seither legte der Dax bis Ende 2018 unter dem Strich nur noch rund acht Prozent zu. Den Aufschwung in den Jahren davor haben viele Anleger verpasst. Zwischen 2009 und 2014 hatte sich der Dax fast verdoppelt.

„Am Aktienmarkt sind die Deutschen, anders als beim Shopping, keine Schnäppchenjäger“, sagt dazu Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management. Im Gegenteil: Oft würden die Privatanleger kaufen, wenn die Kurse ohnehin steigen, und verkaufen, wenn die Kurse fallen.

Auch beim DAI lässt sich diesbezüglich eine gewisse Skepsis heraushören. Wie sich der Kursrutsch gerade am Jahresende auf das künftige Verhalten der Anleger auswirke, lasse sich aus den Aktionärsstatistiken noch nicht ablesen, heißt es in der Studie der Aktienlobby.

Der Dax hat im vierten Quartal des vergangenen Jahres mehr als 14 Prozent verloren, angefacht durch einen Ausverkauf an der Wall Street. Unter dem Strich gab der Dax so im vergangenen Jahr über 18 Prozent nach. Seit Januar hat er wieder rund zehn Prozent zugelegt, doch ob dies neue Privatanleger lockt, ist fraglich.

Wenig Direktinvestments

Denn trotz der gestiegenen Aktionärszahlen zeigt sich, dass die Deutschen in der Geldanlage nach wie vor vorsichtig sind. Dass die Aktionärszahlen im vergangenen Jahr gestiegen sind, liegt allein daran, dass die Deutschen mehr in Aktienfonds und Mischfonds investierten (siehe Grafik). Mischfonds teilen ihr Vermögen je nach Marktlage in Aktien und Anleihen auf.

Die Zahl der Bundesbürger, die direkt in Aktien anlegten, ging dagegen zurück. „Ob die Anleger lediglich von der Direktanlage auf Fonds umgestiegen sind oder dies der Anfang vom Ende des positiven Trends der vergangenen Jahre ist, muss sich erst zeigen“, räumt Bortenlänger vom DAI ein.

Doch warum tun sich die Deutschen so schwer mit der Aktienanlage? Dazu hat das Aktieninstitut schon im Januar gemeinsam mit der Börse Stuttgart eine Untersuchung veröffentlicht. Demnach gibt es bei vielen Nicht-Aktienbesitzern erhebliche Vorbehalte und Missverständnisse mit Blick auf die Aktienanlage. Demnach ist zum Beispiel nur 19 Prozent der Nicht-Aktionäre klar, dass eine Aktienanlage auch bei kleineren Anlagebeträgen sinnvoll ist. 61 Prozent halten eine Anlage in Aktien für unsicher und riskant.

Dabei ist dies gar nicht so, meint auch Hochschullehrer Stotz. Sparer sollten ihr Geld am Aktienmarkt breit streuen und kontinuierlich anlegen. Die einfachste Variante sei es, bei der Streuung in einen weltweit anlegenden aktiv gemanagten oder auch passiv gemanagten börsengehandelten Indexfonds (ETF) zu investieren. Wer dabei regelmäßig eine feste Summe am Aktienmarkt anlege, profitiere langfristig, da er bei steigenden Kursen weniger und bei fallenden Kursen mehr Anteile bekomme.

Einfache Grundregeln

Seinen Studenten bringt Stotz diesen sogenannten Cost-Average-Effekt anhand eines einfachen Rechenbeispiels näher: Ein Fonds kostet zum Einstandspreis 100 Euro, nach einem Jahr steigt der Preis auf 200 Euro, nach einem weiteren fällt er auf 50 Euro und steigt im dritten Jahr wieder auf 100 Euro. Wer zu Beginn 900 Euro in diesen Fonds anlegt, besitzt neun Fondsanteile und hat nach drei Jahren weder Gewinn noch Verlust gemacht.

Wer jedoch zunächst 300 Euro anlegt, bekommt dafür zu Beginn drei Fondsanteile für 100 Euro. Nach einem Jahr kauft er angesichts des höheren Kurses für 300 Euro nur 1,5 Fondsanteile. Nach einem weiteren Jahr gibt es für die 300 Euro sechs Fondsanteile.

Das bedeutet, dass der Anleger, der kontinuierlich anlegt, am Ende 10,5 Fondsanteile besitzt. Wenn der Fondspreis wieder auf das Einstandsniveau von 100 Euro steigt, verfügt dieser Anleger über 1050 Euro und hat so einen Gewinn von 150 Euro gemacht.

Doch dies den Anlegern nahezubringen ist schwer. Noch immer leiden sie offensichtlich unter den Nachwehen des Platzens der New-Economy-Blase. 2001 und damit inmitten des Börsencrashs gab es in Deutschland 12,9 Millionen Aktionäre, die sich bis heute nicht vom Schock erholt haben – obwohl die Börsen seither massiv gestiegen sind.

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2 Kommentare zu "Aktionärszahlen: Die Deutschen kaufen mehr Aktien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn den Interessierten solch ein Tipp hilfreich wäre, dann sollten sie erst einmal lernen bevor sie kaufen.

  • Gut, dass mehr Menschen in Deutschland in Aktien investieren:
    Schön wäre es, wenn viele auch direkt in einzelnen Aktien investieren würden und auch gelegentlich Verantwortung durch den Besuch einer Hauptversammlung übernehmen würden.
    Gerne gönnen ich allen Neu- und Alt- Aktionären die schönen Dividenden, die in den nächsten Wochen ausgeschüttet werden.
    Allen Aktionären sollte bewusst sein, dass ihnen ein Teil des Unternehmens gehört, also auch Patente, Gebäude, Maschinen und auch irgendwie die meist hochqualifizierten Mitarbeiter.
    Aktien sind eine Sachanlage wie Immobilien oder auch Gold oder Kunst.
    Der Vorteil der Aktie: Die Transaktionskosten sind gering, schnell handelbar, Informationen sind gut vorhanden, die Aufbewahrung ist leicht und sicher - und es gibt eine schöne Dividende - manchmal gibt es zusätzlich Kursgewinne.
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