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Mohamed El-Erian

Der Chefberater der Allianz hält mögliche politische Fehler und Unfälle an den Märkten für die größten Risiken auf den Märkten im kommenden Jahr.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Allianz-Chefberater im Interview El-Erian: „Die größten Risiken sind mögliche politische Fehler und Unfälle an den Märkten“

Der Allianz-Chefberater macht im Interview wenig Hoffnung auf einen breiten Kursanstieg. Anleger brauchen laut dem US-Ökonomen auch 2019 starke Nerven.
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New York Mohamed El-Erian twittert meist über ernste Themen: die Stimmung an den Märkten, Geldpolitik, Staatsverschuldung. Aber der Chefberater der Allianz macht zwei Ausnahmen: Er kommentiert Football, vor allem die Spiele der New York Jets, seines Lieblingsteams. Und seinen Konsum von Stroopwafels, der immer steigt, wenn die Jets verlieren. Im Gespräch mit dem Handelsblatt konzentriert er sich auf mögliche Verluste für Anleger.

Herr El-Erian, die Märkte haben in den vergangenen Wochen ungewöhnlich stark geschwankt. Woher kommt das?
Wir sehen hier gerade eine Reihe von Faktoren, die sich gleichzeitig auf die Märkte auswirken. Erstens haben wir eine Veränderung beim Wachstum. Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der die Industriestaaten synchron wachsen. Für Europa und China ist der Ausblick deutlich unsicherer geworden. Zweitens ändert sich die Geldpolitik der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) folgt seit Jahresanfang der Federal Reserve (Fed) in den USA und kauft netto keine Anleihen mehr zu.

Welche Rolle spielt die Politik?
Das ist der dritte Faktor: Es gibt Unsicherheiten bei der Handelspolitik. Wir befinden uns in einem 90-tägigen Zeitfenster, in dem China den USA Zugeständnisse anbieten soll. Und das alles kommt, nachdem die Notenbanken lange Zeit Kursschwankungen unterdrückt und die Anleger stellenweise die Risiken hochgefahren haben.

Aber rechtfertigt das die wilden Preisschwankungen der vergangenen Wochen? Am Mittwoch nach Weihnachten stieg der Dow Jones um über 1 000 Punkte, ohne dass das von einer bestimmten Nachricht ausgelöst wurde.
Wir sehen kraftvolle Verstärker im Markt, die technischer Natur sind: die Verbreitung des automatisierten Handels, passiver Investments und börsengehandelter Indexfonds (ETFs). Schwankungen nach oben und unten werden so schneller verbreitet. Bestimmte ETFs auf Hochzinsanleihen oder Unternehmensanleihen aus Entwicklungsländern haben Investoren praktisch zu viel Liquidität versprochen.

Wenn plötzlich Liquidität fehlt, Papiere also schwer zu verkaufen sind, macht das die Anleger nervös. Werden sich die hohen Kursschwankungen denn im Jahr 2019 noch fortsetzen?
Ja, im Schnitt wird die Volatilität so hoch sein wie in diesem Jahr. Wir befinden uns schließlich in einem ungewisseren wirtschaftlichen und finanziellen Umfeld. Auch haben wir in den vergangenen Wochen gesehen, dass Investoren nicht mehr wie bislang Aktien kaufen, wenn die Märkte leicht einknicken. Sie neigen eher dazu, an guten Tagen Aktien zu verkaufen. Das werden wir wahrscheinlich noch öfter erleben.

Aber Sie dürfen nicht vergessen: 2017 gab es praktisch keine Volatilität. Das war ein Traumjahr für Anleger, mit hohen Renditen, ruhigen Märkten und einer günstigen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen – beide sind gleichzeitig gestiegen. Aber 2017 war der große Ausnahmefall.

Wo sehen Sie die größten Risiken für Investoren?
Anleger neigen dazu, sich in unruhigen Märkten falsch zu verhalten. Ich rate Investoren immer dazu, sich Folgendes zu fragen: Können sie ein noch höheres Maß an Volatilität aushalten, oder könnten sie gezwungen sein, zur falschen Zeit zu verkaufen? Und: Haben sie genügend Cash, sowohl um Abschwünge zu überstehen, als auch um zuzuschlagen, wenn der Markt überreagiert? Denn es wird zwangsläufig gute Unternehmen geben, deren Aktien günstig zu haben sind.

Dann braucht man nur noch den Mut zu kaufen.
Ja, aber dabei hilft es, wenn man nicht schon auf großen Verlusten sitzt.

Sind ETFs angesichts höherer Volatilität immer noch eine gute Wahl?
Nein. 2019 werden die Stockpicker ihr Comeback haben. Wenn der Geldpegel steigt, schwimmen alle obenauf. Aber jetzt, wo er sinkt, kommt es darauf an, spezielle Chancen zu nutzen. Die passiv anlegenden Fonds werden weitere Abflüsse erleben und müssen dann querbeet gute und schlechte Aktien verkaufen. Investoren werden aber viele Unternehmen finden, die immer noch starke Bilanzen und Finanzüberschüsse und gute Geschäftsmodelle haben. Wer die herauspickt, kann besser als der breite Markt abschneiden.

Was könnte die Märkte im kommenden Jahr am meisten gefährden?
Die zwei großen Risiken, die ich auf dem Radar habe, sind mögliche politische Fehler sowie Unfälle an den Märkten.

Das müssen Sie erklären.
Bei Unfällen an den Märkten geht es meist um ein Liquiditätsproblem: Investoren wollen verkaufen, finden aber keinen Käufer. Also verkaufen sie, was immer sie können, ähnlich wie bei dem Taper Tantrum 2013 …

... als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke ankündigte, die Anleihekäufe der Notenbank zu reduzieren, und damit eine Schockwelle an den Finanzmärkten auslöste.
Genau. Ein politischer Fehler wäre es, wenn Europa und China es nicht schaffen, wachstumsfördernde Maßnahmen zu verabschieden. Beide Volkswirtschaften wachsen langsamer, aber es gibt noch keine umfassende Antwort der Politik darauf. Wenn die auch weiterhin fehlt, wird es den Notenbanken deutlich schwerer fallen, ihre Geldpolitik zu normalisieren.

Was ist mit den USA?
Hier besteht das Risiko, dass die Politik die Wirtschaft ansteckt. Ich denke an den Teil-Stillstand der Regierungsgeschäfte, die Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed und die Handelspolitik, die zunehmend auch aus der Perspektive der nationalen Sicherheit betrachtet wird. Die Staatsschulden und das wachsende Budgetdefizit sind im Moment zwar noch kein Problem, aber Anleger müssen auf lange Sicht in dem Punkt ebenfalls vorsichtig sein.

Wie groß ist das Risiko, dass die volatilen Märkte dem Wirtschaftswachstum schaden?
Große Schwankungen können die wirtschaftliche Stimmung beeinflussen, vor allem, wenn sie Haushalte und Unternehmen verunsichern. Und sie können die Frage aufwerfen, ob die Märkte ordnungsgemäß funktionieren. Man darf nicht vergessen, dass Preise und Risiken lange Zeit von den nur langsam wachsenden Fundamentaldaten abgekoppelt waren.

Die Notenbanken haben die Märkte schließlich mit reichlich Liquidität versorgt und sind so die besten Freunde der Märkte geworden. Jetzt erleben wir die Umkehr dieses langjährigen Trends. Bewertungen und Fundamentaldaten nähern sich an. Und es bleibt abzuwarten, ob dabei die Fundamentaldaten weiter steigen – oder ob die Bewertungen sinken.

Erwarten Sie in den USA eine Rezession im neuen Jahr?
Die kommt wahrscheinlich nicht. Hier sind die wichtigsten Wachstumstreiber noch gut positioniert: Der Haushaltskonsum wird durch solides Wachstum an den Arbeitsmärkten gestützt, auch die Löhne steigen leicht. Die Bilanzen der Unternehmen sind grundsätzlich stark. Die Firmen investieren und haben relativ komfortable Barreserven. Und die Staatsausgaben sind gestiegen, nachdem der Kongress im Frühjahr den lockeren finanzpolitischen Kurs der Trump-Regierung beschlossen hat.

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