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Alternative Anlagen35 Prozent Überrendite in Krisenzeiten – Wie Anleger bei Private Equity einsteigen können

Aktien und Anleihen unterliegen derzeit hohen Kursschwankungen. Eine Alternative kann Private Equity sein. Allerdings hat die Anlageklasse ihre Fallstricke.Peter Köhler 05.05.2022 - 04:10 Uhr Artikel anhören
Foto: Getty Images (M)

Frankfurt. Die extremen Kursschwankungen an den Aktienbörsen und die angespannte Situation an den Anleihemärkten sorgen für einen anhaltenden Mittelzufluss in einen anderen Bereich: Private Equity. Der Oberbegriff steht für Übernahmen oder auch Minderheitsbeteiligungen an Konzernen und Mittelständlern.

Den Grund für die wachsende Beliebtheit der Anlageklasse zeigt eine neue Analyse: Private Equity liefert Investoren eine erhebliche Überrendite gegenüber den Aktienmärkten – sogenanntes Alpha. „Nach unserer Analyse des Zeitraums zwischen 2000 und 2021 kann man sagen, dass Private Equity auch über einen langen Zyklus Überrenditen liefert“, sagt Professor Oliver Gottschalg von der HEC School of Management Paris. Das durchschnittliche Alpha gegenüber vergleichbaren Aktieninvestments liegt bei 9,9 Prozent. Grundlage für die Analyse sind 4300 Private-Equity-Transaktionen.

In Zeiten deutlicher Kurskorrekturen ist die Überrendite sogar noch größer, erklärt Jakob Schramm, Partner bei Golding Capital Partners. Der Asset-Manager für „Alternative Anlagen“ war an der Studie beteiligt. „Private Equity kann seinen Renditevorteil vor allem in Krisenzeiten ausspielen. In einem Abschwung an den Aktienbörsen liegt die Überrendite von Private Equity im Mittel bei 35 Prozent per annum“, sagt Schramm.

Besonders gut abgeschnitten hätten die Fonds, die vor der Finanzkrise 2008 investierten, so Schramm weiter: „Das spricht dafür, dass die Beteiligungsmanager auch mit schwierigen Rahmenbedingungen – wie jetzt der Coronapandemie und dem Ukrainekrieg – gut umgehen können.“

Auch die Unternehmensberatung McKinsey weist in einer aktuellen Studie auf die überlegenen Renditen von Private Equity hin. Das oberste Viertel der Fonds, die zwischen 2008 bis 2018 aufgelegt wurden, erzielte demnach bis Ende September 2021 im Schnitt eine Rendite von gut 30 Prozent. Das schlechteste Viertel erzielte immer noch eine Nettoverzinsung des eingesetzten Kapitals von 10,5 Prozent. In den ersten drei Quartalen 2021 lag die Rendite im Mittel trotz der Coronarestriktionen bei 27,1 Prozent.

Private Equity ist eine vergleichsweise junge Anlageklasse, die aber rasant wächst. Insgesamt sammelten die Fonds – inklusive der Venture Fonds für Start-ups – laut McKinsey 2021 rund 680 Milliarden Dollar an frischen Geldern ein. Das Phänomen entstand in den 1980er-Jahren in den USA, ein Meilenstein war dabei die Übernahme des Mischkonzerns RJR Nabisco durch das Private-Equity-Haus KKR für 25 Milliarden Dollar.

Das Konzept ist relativ einfach: Finanzinvestoren wie KKR kaufen Unternehmen oder Konzernteile, restrukturieren sie über mehrere Jahre und verkaufen sie dann zu einem in der Regel höheren Preis weiter oder bringen ihre Beteiligungen an die Börse.

Für Privatanleger ist es allerdings kompliziert, ihr Geld in Private Equity anzulegen. Direkte Investments in große Fonds wie die von KKR, Carlyle, Blackstone, EQT oder Thoma Bravo können nur institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen tätigen. Die Mindestinvestments betragen mehrere Millionen Dollar oder Euro.

Wie Privatanleger in Private Equity investieren

Privatanleger können deshalb über Dachfonds investieren, die wiederum in andere Fonds investieren. Solche Dachfonds für erfahrene Anleger bieten beispielsweise RWB, Astorius oder Pictet und auch Golding an. Eine Alternative ist das Fintech Moonfare.

Relativ neu ist das Instrument der European Long Term Investment Funds (Eltifs), mit denen die EU-Kommission die langfristigen Investments unter anderem in Private Equity fördern will. Zu den Anbietern gehören die schweizerische Partners Group, Blackrock oder Neuberger Berman. Wegen der vergleichsweise hohen Gebühren fallen die Renditen für Dachfonds und Eltifs in der Regel deutlich geringer aus als bei den Direktinvestments der Profis, allerdings sollten hohe einstellige oder niedrige zweistellige Renditen nach allen Kosten erzielbar sein.

Eine weitere Alternative für Privatanleger sind die Aktien der großen Beteiligungskonzerne wie KKR, Blackstone, Carlyle, EQT, Bridgepoint oder die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Gegenüber den 52-Wochen-Höchstständen gab es deutliche Kurskorrekturen, allerdings kauft man bei den angelsächsischen Unternehmen kein reines Private-Equity-Exposure, sondern oftmals alle „Alternativen Anlagen“ – also auch private Kreditfonds, Infrastrukturfonds und Hedgefonds-Strategien.

Private Equity ist eine spannende Anlageklasse, aber man darf sich von den Renditen auch nicht blenden lassen.
Oliver Gottschalg, Professor an der HEC School of Management Paris

Allerdings ist die Anlageklasse kompliziert. Private und semiprofessionelle Anleger könnten nach Ansicht von Professor Gottschalg kaum analysieren, welche Fondsmanager am erfolgreichsten sind. Dazu fehlten ihnen die Daten. „Private Equity ist eine spannende Anlageklasse, aber man darf sich von den Renditen auch nicht blenden lassen, denn natürlich gibt es auch schlechte Fonds, mit denen man Geld verlieren kann. Deshalb empfehlen sich hier beispielsweise Dachfonds als Investments für private Anleger, dabei werden die Risiken über viele Einzelfonds gestreut“, sagt der Experte.

Was Anleger außerdem beachten sollten: Private Equity ist eine Langfriststrategie, üblicherweise ist das Geld für zehn Jahre gebunden. Die Überrendite wird also auch dafür gezahlt, dass man das Investment nicht so schnell verkaufen kann wie etwa eine Aktie.

Private-Equity-Manager sind entscheidend

Das Potenzial der Anlageklasse erscheint aktuell aber groß, denn der Ukrainekrieg sorgt im Private-Equity-Markt für neue Rahmenbedingungen. „Aktuell sehen wir sinkende Einstiegspreise für die Private-Equity-Fonds bei den Unternehmen, gleichzeitig wird die Fremdfinanzierung teurer“, sagt Jeremy Golding, Gründer und Geschäftsführer von Golding Capital Partners. „Außerdem haben viele Beteiligungsmanager noch keine hohe Inflation erlebt. Niemand weiß, wie sich diese Faktoren am Ende niederschlagen.“ Es sei aber historisch gesehen sehr wahrscheinlich, dass Private-Equity-Manager neue Situationen besser meisterten als die Aktienfondsmanager.

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Die Private-Equity-Manager sind laut der Untersuchung der entscheidende Faktor. Die Überrendite der jeweiligen Fonds hängt demnach von der Leistung der einzelnen Private-Equity-Manager beziehungsweise der Teams ab.

Wichtig ist laut den Golding-Experten die „attribution analysis“, also die Untersuchung, welchen Deal wer gemacht hat. Ist der Manager noch beim Private-Equity-Haus? Wird er in den nächsten zehn Jahren noch dabei sein? Solche Fragen seien wichtig. Die „Marke“ und der Bekanntheitsgrad der Fonds spielten dagegen keine große Rolle für die Performance.

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