Alternative Anlagen Die Lust am Risiko wächst wieder – Hedgefonds schlagen Dax und S&P

Über Jahre hinweg hinkte die Hedgefonds-Performance der Wertentwicklung der Märkte hinterher. Mit Aktien fuhren Anleger besser. Das hat sich geändert.
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Hedgefonds sind wieder die Rockstars der Finanzcommunity. Sie erzielen wieder eine bessere Performance als die großen Börsenindizes. Quelle: Bloomberg
Wall-Street-Zeichen

Hedgefonds sind wieder die Rockstars der Finanzcommunity. Sie erzielen wieder eine bessere Performance als die großen Börsenindizes.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt. Michael Platt hat gut lachen. Der Kapitalmarktprofi hat es in der Liste der reichsten Hedgefonds-Manager in der Londoner City an die Spitze geschafft. Drei Milliarden Pfund ist der 49-Jährige schwer, wie die Sunday Times ausgerechnet hat. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat er seinen Reichtum um 600 Millionen Pfund erhöht.

Der Mitgründer von Blue Crest Capital Management hatte 2015 sieben Milliarden Dollar an seine Kunden zurückgezahlt. Er wollte nur noch Geld im eigenen und im Namen seiner Partner anlegen. Seitdem geht es bergauf. Sein Vermögen ist vergangenes Jahr um 57 Prozent gestiegen..

Ganz so gut läuft es für andere Hedgefonds nicht. Diese unregulierten Investmentfonds, die durch das Eingehen hoher Risiken überdurchschnittliche Renditen erzielen wollen, schlagen in diesem Jahr aber Aktienindizes wie den Standard & Poor’s 500 und den Deutschen Aktienindex.

Das US-Börsenbarometer lag bis Ende April dieses Jahres knapp ein Prozent, der Dax sogar mit fast 2,4 Prozent im Minus. Die Hedgefonds stehen im gleichen Zeitraum laut dem breit umfassenden Index „HFRI Fund Weighted Composite Index“ mit 0,39 Prozent im Plus.

Hedgefonds gehen hohe Risiken ein

Diese unregulierten Fonds wetten auf steigende und fallende Aktien- und Anleihekurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus und versuchen, aus wirtschaftlichen Entwicklungen, aber auch aus Fusionen Gewinn zu ziehen. Dabei kassieren sie zwei Prozent an Managementprovision und zusätzlich noch einen Anteil von 20 Prozent am Gewinn.

Die Kombination niedrigerer Erträge und hoher Gebühren hat Großinvestoren eine Zeit lang verärgert. „In der zweiten Hälfte von 2015 und 2016 kam es deshalb zu einem Abzug von 118 Milliarden Dollar an Geldern“, beobachtete Amy Bensted, die den Bereich Hedgefonds-Produkte beim Preqin leitet. Große Pensionsfonds wie Calpers, Nycers, Orange County und der Versicherer AIG, die viel Geld in Hedgefonds angelegt hatten, kündigten in den vergangenen Jahren den Abbau ihrer Engagements an.

Heute gelten Hedgefonds wieder als die Rockstars der Finanzcommunity. Nach den Berechnungen des Finanzdatenanbieters Preqin verwalten sie 3,55 Billionen Dollar. Das ist ein Rekord. Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen sind heutzutage auf gute Hedgefonds angewiesen, wenn sie nicht nur auf Aktien setzen wollen.

Bei den früher favorisierten Anleihen lässt sich durch die Minizinspolitik der Notenbanken kaum mehr etwas verdienen, auch wenn die US-Zentralbank Fed umsteuert und im März den Leitzins auf 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht hat. Mit einem solchen Kurswechsel lässt sich die Europäische Zentralbank dagegen noch Zeit.

Im Fokus: Fusionen und Übernahmen

In der vergangenen Woche kehrte nach Ansicht von Jean-Baptiste Berthon von Lyxor Asset Management „die Risikobereitschaft zurück“. Die in den USA veröffentlichten Zahlen zu Lohnwachstum und Inflation seien einerseits gut genug gewesen, um auf ein anhaltendes Wachstum schließen zu lassen. „Sie waren aber andererseits schwach genug, um die Ängste vor einer aggressiveren Normalisierung der Geldpolitik zu zerstreuen“, urteilt Berthon.

Darauf stellten sich die Hedgefonds offensichtlich gut ein. Sehr gut sei es für die Fonds gelaufen, die mit Hilfe computergesteuertern Programmen (CTA) die Bereiche Energie und Anleihen besonders stark gewichtet hatten. Überzeugen konnten auch außerbörsliche Fonds mit dem Fokus auf Fusionen und Übernahmen.

Nach einem starken Schluss im vierten Quartal 2017 mit einem Ertragsplus von über drei Prozent, wie Preqin errechnet hat, gingen Hedgefonds-Manager und Investoren mit viel Zuversicht ins neue Jahr 2018. Es folgte der Monat Januar mit einem Plus von knapp zwei Prozent. Dagegen kam es im Februar und März zu leichten Verlusten, weil der Markt von starken Kursschwankungen und großer politischer Unsicherheiten geprägt war.

Für Amy Bensted von Preqin ist klar, dass die starken Schwankungen bei den Erträgen einige Investoren abschrecken werden. „Die Manager müssen versuchen eine konsistente positive Performance wieder zu schaffen, die das Bild im vergangenen Jahr geprägt hat“, urteilt die Hedgefonds-Expertin. Aber ein Trost bleibt den außerbörslichen Fonds: Trotz allem reicht es, Dax & Co zu schlagen.

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