Alternative Anlagen Rendite aus Straßen, Dämmen und Flughäfen

Investieren in Infrastruktur: Das Thema ist wegen der Nullzinspolitik schwer in Mode gekommen. Privatanleger können über ETF-Produkte einsteigen, aber die Anlageklasse hat auch ihre Tücken.
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Flexjet-Maschine im Anflug auf den London City Airport: Viel Geld steht für relativ wenige Assets bereit, die auf den Markt kommen. Quelle: AP
Die Betreiber von Flughäfen sind bei den Investoren besonders beliebt

Flexjet-Maschine im Anflug auf den London City Airport: Viel Geld steht für relativ wenige Assets bereit, die auf den Markt kommen.

(Foto: AP)

FrankfurtWegen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank stehen sogenannte Real Assets – also handfeste Anlageprodukte – hoch im Kurs bei den institutionellen Investoren. Laut der Unternehmensberatung McKinsey werden weltweit jedes Jahr 2,5 Billionen Dollar in die Bereiche Transport, Energieerzeugung, Wasserversorgung und Telekommunikation investiert – aber der Bedarf bis zum Jahr 2030 liege bei geschätzten 3,3 Billionen per annum.

Von entsprechenden Investments erwarten sich die Profi-Anleger langfristig stabile, inflationsgeschützte, laufende Erträge. Allerdings stehen dafür vor allem Vehikel aus dem Private Equity-Markt oder geschlossene Infrastrukturfonds zur Verfügung. Diese sind komplex und oftmals sind die „Eintrittspreise“ für Direktinvestments in solche speziellen Fonds sehr hoch. „Insbesondere Kleinanleger scheuen daher bislang vor Anlagen in Infrastrukturunternehmungen zurück“, sagt Heike Fürpaß-Peter vom Anlagespezialisten Lyxor ETF.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Investments in Infrastrukturindizes mittels Indexprodukten – abgekürzt ETFs – könnten ihrer Meinung nach hier eine Alternative sein. Wobei Lyxor als ETF-Anbieter natürlich auch ein Eigeninteresse hat. Die Vorteile lägen in kleinen Anlagesummen, einer erhöhten Diversifikation des Portfolios bis hin zur täglichen Handelbarkeit. Aber der Ansturm der institutionellen Investoren, auf alles, was niet- und nagelfest ist, hat auch die Preise für börsennotierte Infrastrukturkonzerne – die in den jeweiligen Indizes abgebildet werden – in die Höhe getrieben. Schnäppchen sind Mangelware geworden.

„Es fließt viel Geld in den Sektor, das auf relativ wenige Investmentmöglichkeiten trifft“, sagt Andreas Huber, Infrastrukturspezialist beim Finanzinvestor EQT. Die Folge davon sind steigende Preise. Beim Kauf des Londoner City Airports wurden beispielsweise stattliche Bewertungen aufgerufen. Wegen der Geldschwemme rechnen Experten heute nur noch mit Renditen, die für die Profis im Durchschnitt bei fünf bis zehn Prozent liegen dürften. Spitzenhäuser können aber nach wie vor auch 15 bis 20 Prozent erzielen.

Aber das ist für den privaten Anleger kaum erreichbar, er kann sich jedoch beispielsweise auf ETFs konzentrieren und damit einen Großteil der börsennotierten Gesellschaften mit einem Bezug zur Infrastruktur abdecken. Blackrock bietet beispielsweise zwei ETF-Produkte an, die unter anderem die Unternehmen Airports of Thailand und China Gas Holdings in den Schwellenländern umfassen oder Union Pacific und die Canadian National Railway im globalen Infrastruktur-ETF. Die Deutsche Asset Management investiert über den Index S&P Global Infrastructure etwa in Iberdrola, Vonovia oder Vestas Wind Systems.

„Gegenwärtig steht Anlegern in Europa noch eine überschaubare Anzahl an Infrastruktur ETFs zu Verfügung“, so Lyxor-Expertin Fürpaß-Peter. Die meisten orientieren sich dabei an global ausgerichteten Indizes. Die Renditechancen für die Lyxor-Produkte reichen nach eigenen Angaben von bis zu 2,95 Prozent beim US Infrastrukturfonds und von bis zu vier Prozent beim europäischen Pendant. Die Gesamtkostenquote liegt in beiden Fällen bei 0,5 Prozent.

Vor allem für langfristig orientierte Anleger sind Infrastrukturthemen interessant als Beimischung im Depot. Aber man muss schon genau hinschauen, welche Gesellschaften im ETF stecken. Die Betreiber von Wind- und Solarparks hängen beispielsweise stark von energiepolitischen Entscheidungen ab, während die Betreiber von Alten- und Pflegeheimen von der demographischen Entwicklung profitieren.

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