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Salvator Mundi

Das Gemälde von Leonardo da Vinci ist das teuerste Kunstwerk aller Zeiten.

(Foto: dpa)

Alternative Geldanlage Was beim Investment in Gemälde, Weine und Oldtimer zu beachten ist

Mit Spitzengemälden, Oldtimern oder seltenen Weinen lässt sich Geld verdienen. Aber die Freude am Schönen ist mit Risiken verbunden.
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FrankfurtDmitri Rybolowlew kann sich die Hände reiben. Der Milliardär schlug sein Christus-Porträt von Leonardo da Vinci beim Auktionshaus Christie’s für unglaubliche 450 Millionen Euro los – das teuerste Kunstwerk aller Zeiten. Vier Jahre vorher hatte der russische Oligarch das Ölgemälde auf Walnussholz zu einem Viertel des Preises erstanden. So wurde der Sammler zum erfolgreichen Renditejäger.

Bei Kunstauktionen ist oft viel Glamour im Spiel. Millionenbeträge für Topobjekte garantieren Aufmerksamkeit. Dabei treibt die Sammler eine Leidenschaft und die Lust am Schönen. „Ästhetische Dividende“ nennt das Kim Oosterlinck, Finanzprofessor an der Universität Brüssel und Kunstkenner.

Wer viel Geld hat, der entwickelt oft eine Schwäche für Kunst. Gemälde oder Skulpturen sind nur eine Variante von Sammelleidenschaft. Historische Autos, Weine, Violinen sind andere Beispiele. Schätzungen zufolge haben wohlhabende Privatleute etwa sechs Prozent ihres Gesamtvermögens in solche Hobbys gesteckt.

Doch abgesehen von der emotionalen Bindung an die Objekte der Begierde: Was kommt aus reiner Investmentsicht dabei herum? Ein Professorentrio der London Business School ging der Frage nach.

Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton starteten mit einem investierten US-Dollar im Jahr 1900. Sie errechneten den heutigen realen Wert verschiedener Sammleranlagen, verglichen die Ergebnisse außerdem mit denen börsennotierter Wertpapiere. „Die langfristigen Erträge, Inflation eingerechnet, sind zumindest höher als die von Anleihen“, sagt Dimson.

In der Rechnung schneiden von den Sammelobjekten historische Autos am besten ab. Aus einem investierten Dollar wurden 242 Dollar. Wein, Schmuck, Briefmarken und Violinen liegen deutlich dahinter. US-Anleihen als Messlatte für Zinsanlagen waren lediglich besser als Kunst und seltene Bücher.

Top sind zwar die Aktien. Sie schlagen beim Ertrag alle Anlagealternativen. Solche Vergleiche sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wertpapiere sind standardisiert. „Bei Sammelobjekten reden wir dagegen über heterogene Märkte“, erklärt Dimson. Eine Daimler-Aktie ist genauso viel wert wie eine andere Daimler-Aktie. Eine Violine dagegen ist ein Einzelstück und wird auch als Einzelstück bewertet. Oft sind nur die Spitzenobjekte gefragt. Meist erzielen nur sie Toppreise bei Auktionen und können auf eine beständige Nachfrage hoffen. Bei den Geigen beispielsweise ist eine Stradivari das Maß aller Dinge.

Der reinrassige Investor muss sich bei Sammelobjekten auf Herausforderungen einstellen, die er von Wertpapieren nicht kennt. „Die größten Nachteile sind fehlende Transparenz, geringe Liquidität, hohe Transaktionskosten und die Gefahr von Fälschungen“, fasst Oosterlinck die Nachteile der meisten Kunstobjekte zusammen. Die Aufzählung gilt auch für andere Sammelgebiete. Preisindikationen gibt es nur auf Anfrage. Käufe und Verkäufe finden selten statt.

Häufig wechseln die Objekte über Auktionen den Eigentümer. Die wichtigsten Adressen sind Christie’s und Sotheby’s. „Sie nehmen Gebühren von Verkäufern und Käufern, die in der Summe leicht mehr als ein Viertel des Objektwerts erreichen“, beziffert Mike Staunton die Kosten. Dazu kommen Ausgaben für Lagerung und Versicherung. Schon deshalb müssen Sammler auf lange Sicht denken. Sie sind so gesehen das Kontrastprogramm zum Day Trader an den Finanzmärkten.

Herausgefordert sind die Sammler auch durch Veränderungen in Geschmack und Mode – mit Folgen für die Preise. „Wenn die Vorlieben wechseln, ist die zukünftige Nachfrage schwer vorauszusagen“, erklärt Paul Marsh. Manchmal betrifft es ganze Kunstgebiete. So waren Ende des 19. Jahrhunderts Silberobjekte sehr teuer, zu Beginn des folgenden Jahrhunderts Wandteppiche.

Kleine Werke kommen groß heraus

Oosterlinck variiert das Thema in der historischen Rückschau auf Gemälde: „Manchmal werden Künstler wiederentdeckt, wie bei El Greco oder Vermeer, andere sind nach einer Modewelle gar nicht mehr gefragt.“ Das sorgt für Preisschübe oder -abstürze – je nachdem. Auch Verschiebungen in der Vermögensverteilung treiben Trends. So beflügelten die aufstrebenden Länder während der vergangenen zwei Jahrzehnte dank wachsenden Wohlstands auch die eigenen Märkte für Luxusobjekte wie Kunst.

Wie die Märkte in besonderen Krisen reagieren können, belegt Oosterlinck für die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und Frankreich. In sechs Jahren hätten sich die Preise für manche Kunstobjekte unter Einrechnung der Inflation verzehnfacht. Es seien damals nur kleine Kunstwerke geeignet gewesen, etwa Gemälde oder Briefmarken. „Damit konnte man der Geldentwertung entrinnen, Gewinne verstecken oder auch aus dem Land fliehen, das wäre mit großen Objekten unmöglich gewesen“, sagt der Professor.

Das Thema Briefmarke zieht auch heute noch, aber nur bei raren Spitzenobjekten. Deshalb gehen Experten davon aus, dass Bill Gross bei seiner geplanten Auktion im Oktober rund 42 Millionen Dollar erlösen kann. Der Mitgründer des US-Anleiheverwalters Pimco besitzt eine große private Sammlung. Doch in der Breite ist das Thema aus dem Blickfeld geraten, als Sammelgebiet für praktisch jedermann sind Briefmarken heute aus der Mode gekommen.

Auch der 74-jährige Gross legte den Grundstein für seine Kollektion bereits als Jugendlicher. „Briefmarken sind eher auf dem Rückzug, das ist teilweise eine Generationenfrage“, glaubt Rainer Juretzek, Leiter der Beratungsgesellschaft Analytica Finanz Research.

Der Papst treibt den Preis

Eine Sammelleidenschaft hält oft ein ganzes Leben. Das kann Mark Lieb nachfühlen. Der Amerikaner hat erfolgreich Spectrum Asset Management aufgebaut, einen großen Vermögensverwalter für Nachranganleihen. Er besitzt mehr als ein Dutzend US-Automobile aus den 60er- und 70er-Jahren. „Das war immer ein Hobby, und die meisten Reparaturen mache ich selbst“, sagt er. Sein Herz für die Straßenkreuzer entdeckte er während der Highschoolzeit: „Damals kaufte und verkaufte ich die Autos, um Geld zu verdienen.“ 

Für einen Preisschub gut ist immer auch ein bekannter Name. In diesem Monat brachte Christie’s die Kunstsammlung der Enkel des Ölmagnaten John D. Rockefeller für 833 Millionen Dollar unter den Hammer. Nur wenige Tage vorher hatte Sotheby’s einen Lamborghini für überraschend hohe 715.000 Euro einem neuen Eigentümer zugeführt. Der vorige Besitzer überstrahlt den Namen Rockefeller noch: Papst Franziskus. Der ist freilich kein Autonarr, sondern bekam den Wagen vom Hersteller als PR-Gag geschenkt und spendet den Erlös.

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