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Ein Stück vom Kuchen

Auch Privatanleger können in Hedgefonds investieren – und so im besten Fall ihre Rendite steigern.

(Foto: Stone/Getty Images)

Alternative zu Aktie und Anleihe Wie Privatanleger in Hedgefonds investieren können

Lange waren Hedgefonds nur etwas für Großanleger, inzwischen können auch Privatleute einsteigen. Die speziellen Fonds bergen mehr Chancen, aber auch größere Risiken.
2 Kommentare

FrankfurtDas Geldvermögen der Deutschen wächst und wächst. Im dritten Quartal vergangenen Jahres stieg es um 9.612 Euro je Sekunde, wie das Finanzportal Tagesgeldvergleich.net errechnete. Viel davon landet auf langweiligen Sparbüchern. Dabei gibt es, auch über Aktien und Zinspapiere hinaus, sehr interessante Formen der Anlage.

Sogar der Einstieg bei Hedgefonds ist möglich. Diese alternativen Anlagen, die nicht wie Aktien oder Anleihen an der Börse gehandelt werden, sind in Europa in der Form von speziellen Fonds, den Ucits (siehe Kasten), auch für Privatanleger erreichbar. Anleger müssen indes berücksichtigen, dass es bis zu sechs Monate dauern kann, bis sie nach einem Verkauf ihr Geld bekommen.

Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Aktienkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus oder versuchen, aus Fusionen einen Gewinn zu ziehen. Über Jahrzehnte galten sie als die Rockstars der Finanzcommunity. In den vergangenen Jahren verblasste ihr Ruf allerdings zusehends.

Zu hohe Gebühren, zu wenig leistungsorientiert, lauteten die Vorwürfe der Großanleger. Doch inzwischen hat sich die Branche wieder aufgerappelt. Nach den Zahlen des Datendienstleisters HFR belief sich das weltweit verwaltete Vermögen auf 3,1 Billionen Dollar.

Risiken begrenzen

„Hedgefonds sollten maximal einen Anteil von einem Drittel an risikoarmen Anlagen wie Anleihen und Cash umfassen“, rät Reinhard Panse, Geschäftsführer von HQ Trust, dem Vermögensverwalter der Familie Harald Quandt. „Privatanleger sollten immer in Hedgefonds-Portfolios mit unterschiedlichen Strategien investieren“, fügt er hinzu. Dabei sei eine Auswahl von bis zu 20 verschiedenen Fonds sinnvoll, „um die Risiken zu verteilen und Stabilität ins Portfolio zu bekommen“.

Vergangenes Jahr erreichte die Durchschnittsrendite, gemessen an der Benchmark des Finanzdatenanbieters Preqin für alle Hedgefonds-Strategien, nur minus 3,42 Prozent. Allerdings büßte der Deutsche Aktienindex (Dax) über 18 Prozent ein.

Grafik

Die Kunden forderten zurzeit defensive Anlagestrategien, sagt Guillaume Lasserre, Chefanleger bei Lyxor Asset Management. Lyxor sichert daher die Investments gegen Risiken ab. Ein Problem für Investoren ist, dass sich Aktien und Anleihen oft nicht mehr gegenläufig bewegen und sich deswegen vom Risiko her nicht mehr ausgleichen.

Profis suchen daher Schutz in Form von Derivaten, vor allem Optionen. Mit einer Verkaufsoption etwa lässt sich ein bestimmter Verkaufspreis, unabhängig von den Marktkursen, sichern. „Der Preis der Absicherung ist recht günstig“, betont Lasserre. Er spiegelt seiner Meinung nach nicht die Ängste an den Märkten wider.

Strategien, die auch in Krisen funktionieren

Lyxor hat unter anderem einen institutionellen Aktienfonds aufgelegt, bei dem der Schutz vor fallenden Kursen nach einem Rückgang der Notierungen um 15 Prozent greift. Markus Sievers, Geschäftsführer von Apano, empfiehlt in dem zurzeit unsicheren Umfeld „Trendfolger“: Sogenannte Momentum-Modelle stützen sich auf mathematische Algorithmen, um die Richtung von Kursen zu erfassen. Steigen etwa die Preise, nutzt die Strategie Derivate, um auf steigende Kurse mit einem Hebel zu setzen: Sie profitiert also überproportional vom jeweiligen Trend.

Genauso sind aber Wetten auf fallende Kurse möglich – daher sollen diese Strategien auch in Krisen funktionieren. Im Oktober 2008 ging die Strategie auf. „Im Jahr der Finanzkrise haben Trendfolger beispielsweise einen Gewinn von 4,9 Prozent erzielt, während der Weltaktienindex MSCI World um 15,8 Prozent einbrach“, erklärt Sievers.

Zu den in unsicheren Zeiten vielversprechenden „Allwetter-Anlageformen“ gehört für Lyxor-Chefanleger Lasserre die Strategie der „Merger Arbitrage“, die sich auf Kurschancen in Übernahmephasen konzentriert. In den USA finden sich hierfür eine Menge Gelegenheiten, wie unter anderem die Ankündigung des Pharmaziekonzerns Bristol-Myers Squibb zur Übernahme von Celgene für 71 Milliarden Dollar Anfang des Jahres verdeutlicht hat. Es werde voraussichtlich auch mehr Deals im Energiesektor geben, sagt Lasserre.

Die Konsolidierung im Gesundheitswesen und in der Medizintechnik ist seiner Meinung nach noch lange nicht vorbei, und in der Medienbranche dürfte sich ebenfalls etwas tun. Der Experte sieht hier gute Chancen, das Portfolio zu diversifizieren.

Ähnlich schätzt Lyxor sogenannte Long/Short-Kreditstrategien ein. Dabei kaufen die Manager einzelne Wertpapiere (sie gehen „long“) und setzen bei anderen auf einen sinkenden Kurs, zum Beispiel, indem sie geliehene Papiere verkaufen und auf einen niedrigen Preis bei der Rückgabe hoffen.

Wegen Liquiditätsbedenken hätten sich einige Investoren zwar von diesem Markt verabschiedet, sagt Lasserre. Dennoch sieht er auch hier Chancen. Der Markt sei nicht einfach: Die Verschuldung der US-Konzerne befinde sich seit 2015 auf einem so hohen Niveau wie im Vorfeld der Finanzkrise. Die von den Ratingagenturen in zwölf Monaten erwarteten Ausfallquoten für Hochzinsanleihen in den USA und Europa seien jedoch harmlos und sollten unter 2,5 Prozent bleiben. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lagen sie bei 3,4 beziehungsweise 2,7 Prozent. Long/Short-Manager positionieren sich seiner Aussage nach zurzeit überwiegend „short“.

Fünf Schlüsselfaktoren

Gefragt sind nach den Worten von Achim Gilbert, Deutschlandchef beim Vermögensverwalter Candriam, auch Strategien, die auf die Anpassung von Indizes setzen. „Hier geht es um Transaktionen mit Auf- und Absteigern in verschiedenen Marktbarometern“, erklärt er. Den Dax verließ zuletzt die Commerzbank, während der Zahlungsdienstleister Wirecard hinzukam. Die Hedgefonds versuchen, von den daraus folgenden Kursbewegungen zu profitieren.

Letztlich entscheidend ist aber auch bei den meisten Hedgefonds, ob ihre Manager die wirtschaftliche Entwicklung richtig einschätzen. Seit der letzten großen Aktienkrise 2008 schien es nicht nötig, Portfolios abzusichern, sagt Sievers. Eine aggressiv-expansive Geldpolitik habe den globalen Aufschwung getragen. In der Liste der zehn schlechtesten Aktienmonate tauchten die Jahre 2009 bis 2017 daher nicht auf. „Das hat sich jedoch 2018 geändert“, betont Sievers.

Angesichts von Risiken wie Handelsstreit und Brexit ist es für ihn keine Frage, „ob der nächste Crash kommt, sondern nur, wann und wo und wie stark er wird“. Die Angst in diesen Marktphasen führt nach seiner Analyse zeitgleich auf vielen Märkten zu starken Trends: „Aktien fallen meist rund um den Globus, Sicherheit wird in Edelmetallen, starken Währungen und Anleihen erstklassiger Bonität gesucht.“

Fünf Schlüsselfaktoren sind nach Ansicht von Lasserre für die Entwicklung der Weltwirtschaft entscheidend. Im Handelskonflikt zwischen den USA und China rechnet er mit einem Abflauen der Streitereien, auch wenn eine umfassende Lösung nicht in Sicht sei. Die US-Notenbank (Fed) beobachte zudem die Wirtschaft sehr genau und sei bereit, bei Bedarf einzugreifen, wenn es zu großen Marktturbulenzen komme. In Europa geht Lasserre von einen „weichen“ Austritt der Briten aus der Europäischen Union aus.

Außerdem stehe die Regierung in China bereit, die Konjunktur im eigenen Land, falls nötig, zu stützen. Und bei den Ölpreisen sieht er nur leicht steigende Notierungen. Alles in allem kommen offenbar auch Hedgefonds, die eigentlich bei jeder Kursentwicklung Geld verdienen sollen, nicht ohne einen guten Schuss Optimismus aus.

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2 Kommentare zu "Alternative zu Aktie und Anleihe: Wie Privatanleger in Hedgefonds investieren können "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Andre Peter: Zustimmung zu 100 Prozent! Sie bringen es auf den Punkt!

  • "Zu hohe Gebühren, zu wenig leistungsorientiert"
    Ich halte den Vorwurf für gerechtfertigt. Zudem vergleicht Ihr, liebe Autoren, um das Argument zu entkräften, Hedgefonds, die weltweit investieren, mit dem lokalen DAX. Insgesamt also ein NICHT ZULÄSSIGER VERGLEICH! Übrigens: Jahre vorher war die DAX Performance besser! Sie suchen sich ein Jahr heraus, wo ihr Argument gerade mal stimmt. Und: Wenn eine Deutscher Sparbuchsparer im Jahre 2018 sein Geld auf dem Sparbuch hatte, verdiente er besser als mit Hedgefonds - und deutlich sicherer!

    Hedgefonds verlangen häufig neben einer hohen Gewinnbeteiligung auch fixe Provisionen:
    Bei 3% Verlust und nur 2% fixe Provision reduziert sich das Vermögen um 5%.
    Bei 10% Gewinn und 25% Gewinnbeteiligung und nur 2% fixe Provision erhöht sich das Vermögen um 5,5%.
    Wenn man schöne Aktien kauft, dann erhält man eine schöne Dividende über Jahre, zahlt keine Provisionen und ist direkter Anteilseigner. Es gehören dem Aktionäre ein Anteil an der Patenten, Anlagen und man kann auf der Hauptversammlung auch sich über die Strategie des Unternehmens äußern, also auch auf die Geschicke des Unternehmens einwirken.
    Hedgefonds sind aus meiner Sicht reine Spekulanten, manchmal gewinnen sie, manchmal verlieren sie, aber deren Provisionen sind sicher.