Alternde US-Bevölkerung Gross rät Anlegern zu Schwellenländern

Niedrige Zinsen, hohe Sozialausgaben und immer weniger Arbeitsfähige: Die US-Investorenlegende Bill Gross rät Anlegern, sich langfristig aus überalterten Industrieländern zurückzuziehen – abgesehen vom Gesundheitssektor.
Der Mitgründer der US-Investmentgesellschaft Pimco, Bill Gross, gilt als Investment-Guru. Inzwischen hat er den Konzern verlassen und arbeitet für Janus Capital. Quelle: Reuters
Investorenlegende

Der Mitgründer der US-Investmentgesellschaft Pimco, Bill Gross, gilt als Investment-Guru. Inzwischen hat er den Konzern verlassen und arbeitet für Janus Capital.

(Foto: Reuters)

Los AngelesBill Gross prognostiziert für die USA wegen der alternden Generation der Baby Boomer ein gebremstes Wachstum. Anleger sollten künftig in Schwellenländer sowie in den Gesundheitssektor investieren. Als Verlierer erachtet der Manager von Janus Capital Group Inc. Versicherer und Anleihen von Städten mit angespannter Finanzlage.

„Demographie ist nicht alles, aber sie dürfte die Märkte und die Renditen in den nächsten Jahrzehnten bestimmen, bis das Phänomen der Baby Boomer das Zeitliche gesegnet hat“, schrieb Gross in seinem monatlichen Ausblick. „Wir sind fertig und wissen es noch nicht einmal.“ Rund 75 Millionen Amerikaner haben zwischen 1946 und 1964 das Licht der Welt erblickt. Das Älterwerden der Baby Boomer senkt nun den Anteil der arbeitenden Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung. So steigt die Zahl der Leistungsempfänger und die Last für die Berufstätigen. Staatliche Programme wie die Sozialversicherung und Medicare haben Verpflichtungen von 66 Billionen Dollar errechnet und damit mehr als das Dreifache des derzeitigen Bruttoinlandsproduktes der USA, wie der 71 Jahre alte Gross schreibt. Die Senioren dürften ihren Ruhestand durch die Auflösung ihrer Ersparnisse finanzieren, was alle Anleger und Sparer belaste. Das gelte umso mehr angesichts der niedrigen Zinsen.

Gross rechnet mit langfristig steigender Inflation, da die Gehälter der Berufstätigen im Gesundheitssektor steigen dürften. Er rät daher zum Kauf zehnjähriger inflationsgeschützter US- Staatsanleihen. Von Papieren unterfinanzierter Städte und Bundesstaaten hält der Anleihepapst dagegen nichts. So hat Chicago im vergangenen Mai die Güteklasse Investmentgrade beim Rating eingebüßt. Moody’s Investors Service hatte damit auf eine Finanzierungslücke von 20 Milliarden Dollar bei den Pensionen reagiert.

Schwellenländer werden nach Ansicht von Gross wieder interessant, da ihre Bevölkerung jünger ist. „Industrieländer können und sollen einen wachsenden Anteile ihrer Anlagen in den Schwellenländern investieren, um so die demographischen Belastungen daheim zu bewältigen. Langfristig sollte man im Gegensatz zur aktuellen Situation über eine erhöhte Gewichtung der aufstrebenden Nationen nachdenken.“

Das wurde 2015 aus 100.000 Euro
Platz 25: Ukrainische Aktien
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Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 24: Brasilianische Aktien
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Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 23: Brentöl
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Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 22: Aktien Griechenland
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Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 21: Magere Schweine
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Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 20: Kaffee
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Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche
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Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

  • Bloomberg
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