Analysten Award 2018 Diese Analysten gaben die einträglichsten Aktientipps

Die Analysten der Bank M.M. Warburg gaben 2017 die besten Empfehlungen für deutsche Aktien ab – und gewinnen den Starmine Analysten Award 2018.
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Expertenrat ist bei Anlegern gefragt. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Expertenrat ist bei Anlegern gefragt.

(Foto: dpa)

FrankfurtGuter Rat kann sich auszahlen. Wer den Empfehlungen der besten Aktienanalysten gefolgt ist, hat im vergangenen Börsenjahr gut verdient und Verluste verhindert. So war der Tipp zum Kauf der Reederei-Aktie Hapag Lloyd einen dicken Kursgewinn von rund 47 Prozent wert. Er kam von Christian Cohrs bei Warburg Research, einer Einheit der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Der Rat von Analyst Ulrich Rathe vom britischen Broker Jeffries International, die Internetfirma United Internet zu kaufen, hätte ein Plus von 57 Prozent eingebracht. Mit der Empfehlung von Warburg-Analyst Jochen Reichert, die Papiere des Zahlungsabwicklers Wirecard zu erwerben, hätten Anleger ihr Kapital sogar um 128 Prozent vermehren können. Und die Mahnung der Warburg-Experten, Südzucker zu verkaufen, hätte einen Verlust im Depot von 20 Prozent verhindert.

Mit ihren Empfehlungen gehören diese Analysten zu den besten Aktienspezialisten bei den „Thomson Reuters Starmine Awards 2018“ für deutsche Aktien, die der Namensgeber der Awards in jedem Jahr vergibt. Der Anbieter mit den meisten Trophäen ist bester Broker.

In diesem Jahr steht Warburg mit zwölf Auszeichnungen oben auf dem Treppchen. Den zweiten Rang mit je sieben Preisen teilen sich vier Anbieter: Baader Helvea, Bankhaus Lampe, die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die Warburg-Analysten haben sich damit ihre Spitzenposition aus dem Jahr 2016 zurückerobert. Im vergangenen Jahr waren sie auf Platz fünf abgerutscht. Auch die Commerzbank hat ein paar Plätze gutgemacht gegenüber 2017, wo sie auf Rang sechs stand. Die LBBW fiel auf Rang zwei zurück, Baader und Lampe verteidigten ihre Positionen.

Dieses Wechselspiel auf den vorderen Plätzen ist für David Austin, der weltweit die Analystenarbeit bei Thomson Reuters verantwortet, Ausdruck „harter Konkurrenz“ unter den Anbietern. Ein Quäntchen Glück könne zudem über die konkrete Platzierung entscheiden, meint er.

Als Qualitätsbeweis gilt es, regelmäßig in der Spitzengruppe aufzutauchen. Starmine, die Tochter des Informationsdienstes Thomson Reuters, beurteilt die Qualität von Analysten, indem sie die Güte von Aktienempfehlungen und die Genauigkeit von Gewinnschätzungen misst. Für den Analysten Award 2018 wurden 1304 Analysten aus 157 Wertpapierhäusern unter die Lupe genommen, die insgesamt 624 deutsche Aktien beobachten.

Solche Ranglisten dienen als Orientierung. „Anleger können solche Rankings als Hilfsmittel nutzen bei der Suche nach verlässlichen Aktienanalysten“, erklärt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings sollten sie sich auch nicht blind danach richten, sondern sich ihr Depot nach eigener Risikoneigung zusammenstellen, mahnt er.

Mut zahlt sich aus

Im Börsenjahr 2017, in dem der deutsche Leitindex Dax trotz Turbulenzen gut zwölf Prozent zulegte, war es wichtig, „Mut zum Optimismus“ zu haben, sagt Austin. Aktienresearchchef Michael Heider von Warburg erklärt: „Trotz der starken Unsicherheiten aus der Politik etwa durch die Frankreichwahlen und Trumps Agieren zwischen möglichem Handelskrieg und Steuerreform war es wichtig, positiv zu bleiben, sich auf die guten Frühindikatoren und das gute Gewinnwachstum vieler Firmen zu konzentrieren.“

Lokale Wertpapierhäuser haben das einmal mehr besser hinbekommen als internationale Broker. Das Ranking für deutsche Aktien dominieren seit Jahren die nationalen Anbieter. Diese Analysten decken Aktien aller Größenklassen ab. Sie seien besonders stark vernetzt, lobt Austin zudem.

Die Konkurrenz unter den Experten dürfte künftig noch härter werden. Neue EU-Regeln verlangen seit Jahresanfang, dass Investoren Researchleistungen separat bezahlen. Das macht die Anleger wählerisch. Sie prüfen jetzt genau, welche Qualität an Research und an Firmenkontakten sie fürs Geld bekommen.

Schätzungen zufolge sinken die Budgets für Researchausgaben in diesem Jahr weltweit um rund ein Drittel. Das setzt die Analystensparte weiter unter Druck, die seit der Jahrtausendwende bereits um gut ein Drittel geschrumpft ist. Der deutschen Analystenvereinigung DVFA zufolge gab es im vergangenen Jahr rund 260 Aktienanalysten am deutschen Markt.

Unter den Bedingungen dürfte es für viele Anbieter schwieriger werden, eine breite Abdeckung aufrechtzuerhalten. Große internationale Broker konzentrierten sich auf Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung ab einer Milliarde Euro aufwärts, erklärt Heider von Warburg. Bei lokalen Anbietern wie Warburg liegt der Schwerpunkt dagegen auf mittelgroßen Firmen unter 200 Millionen Euro.

Die Commerzbank etwa will 2018 ihre Analyse kleiner und mittlerer Aktiengesellschaften ausbauen. „Gute lokale Broker sollten von diesem Trend profitieren“, hofft Heider. Dazu passt, dass internationale Broker mit ihren Aktientipps für deutsche Aktien „insgesamt unentschlossener wirken“, wie Austin von Starmine moniert. Knapp die Hälfte ihrer Voten waren ein „Halten“, gegenüber 38 Prozent im Durchschnitt aller Analysten.

Analysten verbessern sich insgesamt

Für Aktien kleinerer Firmen könnte das Research weiter ausdünnen – was bereits 2017 zu erkennen war. Seit Anfang des Jahres habe die Abdeckung dieser Werte erneut leicht abgenommen, sagt Austin von Starmine. Die Folge: Für kleinere Firmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 100 Millionen Euro dürfte Research zunehmen, das sie selbst in Auftrag geben, meint Heider.

Diese Nachfrage sei bereits stark. Da solche Mandate in der Regel nur vergeben werden, wenn ein passables Urteil gefällt werden kann, dürften kritische Berichte in dem Segment seltener werden.

Insgesamt hat sich die Qualität der Analystenarbeit zuletzt verbessert, wie Starmine feststellt: Aktuell produzierten 58,6 Prozent der Analysten für Anleger Mehrwert gegenüber einem Referenzindex. Das ist etwas mehr als 2017, liegt aber klar unter dem Wert für 2014.

Der nach Starmine beste Broker für deutsche Aktien, Warburg, sieht sich als reiner Deutschlandexperte: Aktienresearchchef Heider hebt zudem die Nähe seines Teams zu den Unternehmen hervor sowie einen stringenten Researchansatz und Berufserfahrung von im Schnitt 15 Jahren. Die Analysten hätten Trends früh erkannt, lobt Austin von Starmine.

Die 20 Analysten, die rund 200 Aktien covern, punkteten sowohl bei den Aktientipps als auch bei Gewinnschätzungen. Ähnlich ausgewogen haben die Analysten von Baader Helvea, Bankhaus Lampe und LBBW abgeschnitten. Die Commerzbanker sammelten vor allem Awards für genaue Gewinnschätzungen ein.

Die eigentliche Herausforderung für Analysten ist allerdings, regelmäßig gut abzuschneiden. Und das gelingt Starmine zufolge nur wenigen Experten. „Wer dauerhaft in diesen Rankings gut abschneidet, zeigt, dass er solide arbeitet und Investoren Mehrwert bieten kann“, sagt Tüngler von der DSW. Zu diesen Analysten gehören beispielsweise der Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, sein Kollege und Finanzanalyst Jochen Schmitt sowie der Warburg-IT-Experte Malte Schaumann.

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