Angst vor der Börse Ist die Aktie noch zu retten?

Schon zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren – einmal nach dem Dotcom-Hype und jetzt im Zuge der Finanzkrise – mussten Anleger dramatische Kursverluste verkraften. Die Deutschen haben nun genug von der Börse. Doch das ist ein Fehler, sagen Experten. Denn es gebe gute Gründe, sein Geld in Aktien anzulegen.
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Nach zwei Crashs in zehn Jahren wenden sich immer mehr Deutsche von der Börse ab. Quelle: ap

Nach zwei Crashs in zehn Jahren wenden sich immer mehr Deutsche von der Börse ab.

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FRANKFURT. Die Finanzkrise hat die Welt erschüttert. Banken sind zusammengebrochen, Staaten haben riesige Schuldenberge angehäuft. Vor allem aber ist Vertrauen vernichtet worden. Das Vertrauen derjenigen, die ihr Geld angelegt haben in der Hoffnung, dass es sich vermehrt. Die Börse, so denken viele, ist zum Kasino verkommen.

Schon zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren - einmal nach dem Dotcom-Hype und jetzt im Zuge der Finanzkrise - mussten die Anleger dramatische Kursverluste verkraften. Hinzu kommt die Abgeltungsteuer, die Aktien als Geldanlage uninteressanter macht. Genervt wenden sich immer mehr Deutsche von der Börse ab.

Das ist verständlich. Und dennoch gibt es gute Gründe, sein Geld in Aktien anzulegen. Das Handelsblatt hat Banker, Vermögensverwalter, Wissenschaftler und Unternehmer danach gefragt, warum sie Aktien kaufen. Und ob die Angst der Deutschen vor der Börse berechtigt ist. Jens Ehrhardt, der bekannte Münchener Vermögensverwalter, macht den Anlegern Mut: Gute Dividendenaktien mit stabilen Gewinnen seien weniger risikoreich als heute allgemein vermutet, sagt er.

Friedrich von Metzler, Chef des Bankhauses Metzler, sieht Aktien zudem als einen entscheidenden Baustein für die Altersvorsorge. "Eine vernünftige Aufteilung in Nominalvermögen wie Anleihen und Substanzvermögen wie Aktien ist entscheidend", sagt der Privatbankier.

Aber das ist nicht das einzige, was für Aktien spricht.Wer sein Geld in die Anteilsscheine von Unternehmen steckt, finanziert Investitionen, fördert Wachstum, sichert letztlich Arbeitsplätze. Kurzum: Er wird nicht nur zum Teilhaber der Gesellschaft, deren Aktien er kauft, sondern auch zum Anteilseigner der Deutschland-AG.

Gerade einmal 8,6 Millionen Deutsche besitzen noch Aktien oder Anteile an Aktienfonds; das sind rund 13 Prozent der Bevölkerung. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 20 Prozent. In einer Shell-Jugendstudie wurde kürzlich abgefragt, was 15- bis 25-Jährige von Aktien halten. Ergebnis: Es gibt kaum etwas, dass so "out" ist wie die Aktie.

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  • Drei Jahrzehnte mit drei schweren Crashs - Drittelung des Depots ! Das sollte als Erfahrun güber 30 Jahre reichen. Man hole sich einen guten, wirklich guten Trader, handele in halben Schweinebäuchen und betrachte das ganze als Handelsware. bisher erstklassige Erfahrungen !

  • Mag sein daß Aktien eine interessante Geldanlagemöglichkeit sind, aber m. E. nur sobald ich schuldenfrei bin und Geld (Vermögen) übrig habe! Davon gibt es eben nur auch immer weniger Leute! ;-)

  • Die Finanzbranche hat es über Jahrzehnte geschafft, Anlegern gegen hohe Margen Aktienpakete zu verkaufen und sie mit dem invest allein zu lassen. Wenn ich ein Auto kaufe und es ohne Ölwechsel und TÜV-Erneuerung jahrelang fahre, muss ich mich eines Tages nicht wundern, dass es den Dienst verweigert.
    Für Aktien bedeutet dies, dass die Paketangebote von beginn an mit einem viel zu hohen Risiko behaftet waren. Stop-Loss, Limits und Shortsells sind für viele so genannte 'Aktionäre' doch Fremdworte. Wie oft hat ihr Aktienfondsberater Sie vor, während und nach der Krise angerufen und zu Umschichtungen geraten? ich habe in nunmehr vier Jahren 47x umgeschichtet und bin zwischendurch immer wieder im Cash (Liquidität durch Verkauf von Aktien) gewesen. Rendite? Größer 10% p.a. bei einem max. Risiko von 10% der Einlagen. ich bin übrigens kein investmentbanker, sondern Privatanleger. ich mache mir keine Sorgen um meine Rente, da ich rechtzeitig erzählt bekam, wie man in Aktien einzig erfolgreich und richtig investiert. Aktien muss man täglich anfassen. 'Hin und her - Tasche leer' ist leider nicht korrekt. Ergo: Der Verlust vieler Anleger beruht einzig und allein auf der Untätigkeit der berater/betreuer oder deren Fachunsinn. ich sehe meine Zukunft in Aktien. Schönen Tag noch.

  • Es sind weniger einzelne Anlageklassen, denen Vertrauen oder Misstrauen entgegen gebracht wird. Vertrauen oder Misstrauen entsteht aus überzeugender oder fehlender sachlicher und moralischer Kompetenz der Leitungen und der Mitarbeiter der banken. Deren beratungskompetenz und -ehrlichkeit ist ausschlaggebend. Eine bekannte dt. Privatbank hat vorsätzlich die schriftlichen Vorgaben (mündelsichere WP gem. bGb-bestimmungen) verletzt. Dazu hat sie x-beliebige WP, die nicht einmal in der bVi-Mündelgeldliste aufgenommen worden sind, als mündelsicher deklariert und verkauft. besonders schmutzig die berufung auf Stock-Picking-Kompetenz zum Zeitpunkt des Werbens und Verkaufen – verbunden mit dem Vorsatz, Schaden später mit allgemeinen Risiken begründen zu wollen. im konkreten Falle täuschte das treulosen bankhaus vor, aus einer Anlageklassegenau jene WP herausgefiltert zu haben, die exzellente Qualitäts- und Sicherheitseigenschaften besitzen, mündelsicher sind. Ungeachtet der Frage, ob die bank selbst Mündelsicherheit attestieren darf, bestehen Zweifel, ob die behauptete solche Eignungsprüfung stattfand. Gegen solches Handeln wurden Strafanzeige und Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft in Ffm erstattet. Es ist bedauerlich, dass Rechtsstaatlichkeit auf diesem Wege gesucht werden muss; bis dato unternimmt die bank alles, um die Folgen der Fälschung von Eigenschaften der ausgewählten WP nicht übernehmen zu müssen. Motiv könnte sein, dass es sich nicht um einen Einzelfall einer Filiale handelt, sondern ein Mittel zur Wertschöpfung der bank ist. Nun mag es unzählige Anleger geben, die sich solches bieten lassen statt sich massiv zu wehren. Damit gefährden sie nicht nur andere Anleger, sondern lautere banken und Sparkassen – auch ausländische. Unverzichtbar - auch i.S. dieses Leitartikels – ist deshalb die Wiederherstellung von Anlegervertrauen durch Öffentlichkeit und seitens der Rechtspflegeorgane. Sollte ein Einzelfall vorliegt, wird der Schaden sicher geheilt werden. Anderenfalls wird die komplette Verfahrensakte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. im Grunde ist es bedauerlich, dass Anleger ihre Chancen am Markt nicht nutzen, solange Lauterkeit und Unlauterkeit nicht unterscheidbar gemacht wird. Dabei könnte sich die Sachanlage „Aktie“ in der nächsten Zeit durchaus als kluge Anlegerentscheidung erweisen.

  • Aktien als Altersvorsorge sind doch völlig ungeeignet, bestenfalls als kleine beimischung etwa in Form entsprechender Riesterprodukte. Das zeigt jedenfalls der blick in die angelsächsischen Länder. Viele Arbeitnehmer müssen dort ihren Ruhestand verschieben, weil ihre aktienbasierte Altersvororge drastisch an Wert verloren hat, manche Renter müssen sogar wieder arbeiten gehen. Da lobe ich mir doch die umlagefinanziert Rentenversicherung. Die Aktiven geben einen Teil des Erwirtschafteten an die Rentner ab, unabhängig von börsen- oder Währungsentwicklungen.

  • Zitat: "Die Deutschen haben nun genug von der börse. Doch das ist ein Fehler, sagen Experten. Denn es gebe gute Gründe, sein Geld in Aktien anzulegen."

    Klar gibt es gute Gründe.....die "Experten" leben ganz einfach davon, dass irgendwer sein Geld in Aktien anlegt....und das ist der sogenannte "Gute Grund"
    ich bin Architekt und ich empfehle, Häuser zu bauen, dafür gibt es gute Gründe.... :-)

  • jedem das seine... ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir im moment eine immer größer werdende differenz zwischen zinsausschüttungen festverzinslicher papiere und dividendenzahlungen andererseits haben. ich denke mal, dass sich diese schere innerhalb der nächsten paar monate durch entsprechende kursgewinne wieder schließen wird. natürlich gibt es viele, die immer noch den kopf in den sand stecken und vom untergang der welt sprechen. aber am besten ist es immer noch, sich für aktien zu interessieren, wenn es sonst keiner tut.

  • Die Antwort für Deutschland ist ein klares: NEiN
    in den letzten Jahren hat man seitens des Gesetzgebers alle getan, um den Aktionär zum "Spekulanten" zu machen. Die Spekulationsfrist wurde abgeschafft, das Halbeinkünfteverfahren ebenfalls und somit die Steuern auf Dividenden um ca. 100% erhöht. Für das erhöhte Risiko, das der Aktionär trägt, ist dies eine radikale besteuerung Gift. Es fehlen Freibeträge wie in anderen Ländern. Der Aktionär ist in Deutschland eine aussterbende Gattung. Wir überlassen den Aktienbesitz lieber den (ausländischen) institutionellen Anleger. Dann sollte man als Anleger sein Geld lieber aufs Sparbuch (0,3% p.a.), Tagesgeld (0,9% p.a.) oder in bundesschatzbriefe (2% p.a.) stecken, oder? Und für die Altersvorsorge ist die Aktie hochriskant. Das haben gerade viele Rentner in den USA auf schmerzhafte Weise lernen müssen.
    Aber führt ein Weg an der Aktie vorbei? Nein! Denn man kann als "Mitbesitzer" an der Entwicklung von guten Unternehmen partizipieren. Dann zahlt man eben mehr Steuern, hat aber auch Chancen auf Gewinne! Und man muß sich auch von Aktien trennen können, um Gewinne zu realisieren oder Verluste zu begrenzen. Kapitalanlage ist Arbeit. Eine "sichere" Anlage gibt es nicht! Und soll ich mich als Sparer mit Renditen von 0,3% - 2,0% über die Geldentwertung enteignen lassen? Nein, dann lieber Aktien kaufen!
    @Realist: Kleinanleger können über ETFs an Aktien zu niedrigen Kosten partizipieren. Depots gibt es heute bei den meisten Online-banken zum Nulltarif und auch die Tradingkosten lassen sich minimieren.
    An der Aktie führt kein Weg vorbei, leider ist man als Aktionär aber doppelt gestraft.

  • @Realist

    Der Dax wurde zwar erst seit Jahresende´87 mit 1000 Punkten eingeführt. Aber zurückgerechnet auf das Jahr ´65 wären es ~420 Pkte gewesen. bei einem aktuellen Stand von ~6k ist das meiner Ansicht nach keine Minusrendite...

  • Der Artikel ist hochinteressant, vor allem unter dem Hintergrund des psychologischen börsenzykluses.

    bekanntermaßen kaufen und verkaufen Kleinanleger Aktien immer zum genau falschen Zeitpunkt. Die letzte große Euphorie war 1999/2000, passend an einem bis dato nicht wieder erreichten börsenhoch.

    Das letzte Mal als breite bevölkerungsschichten sich massiv von der börse verabschiedeten war um 1980 herum, in einer Zeit allgemeiner Weltuntergangsangst, hoher inflation und politischer Radikalisierung. Damals erschien die "business Week" mit einem Titelblatt, was in die Annalen der börsengeschichte eingegangen ist: "The Death of Equities", es wurde der Tod der Aktie ausgerufen. Genau danach ging ein 20-jähriger massiver bullenmarkt los.

    Von der börsenpsychologie her sollte man also noch geduldig warten, solange bis die einschlägigen Wirtschaftszeitungen auf breiter Front von Aktien abraten. Dann dürfte der richtige Zeitpunkt zum investieren gekommen sein.

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