Anlageberatung im Test Bei Wertpapieren hui, bei Sparprodukten pfui

Welcher Bank kann man bei der Beratung über die private Geldanlage am meisten trauen? In einer Teststudie wurden mehr als 40 verdeckte Gespräche geführt. Das Ergebnis: Es gibt noch immer Verbesserungspotenzial.
Im Test wurde untersucht, welche Bank Privatanlegern die kompetenteste Beratung bei der Geldanlage liefert. Quelle: dpa
Banken in der Frankfurter Skyline

Im Test wurde untersucht, welche Bank Privatanlegern die kompetenteste Beratung bei der Geldanlage liefert.

(Foto: dpa)

Wer im Dauerzinstief sein Geld richtig anlegen will, sollte eher bei Wertpapieren als bei Sparprodukten seinen Bankberater zu Rate ziehen. Das zeigt eine Analyse des Beratungsinstituts S.W.I. Finance. Die Experten fanden heraus, dass die Qualität der Beratung von Geldhäusern bei Aktien, Anleihen und Co. gut ist, bei Tages- oder Festgeld jedoch nur befriedigend.

Getestet wurden die sechs größten bundesweit aktiven Filialbanken – Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, Postbank, Santander Bank und Targobank – sowie mit der Hamburger Sparkasse und der Berliner Volksbank die jeweils größte Sparkasse beziehungsweise Genossenschaftsbank. 40 verdeckte Beratungsgespräche wurden insgesamt durchgeführt.

Ein ähnlicher Test fand schon vor einem Jahr statt. Damals zeigten sich deutliche Defizite bei der Analyse des Kundenbedarfs, die den Grundstein bildet für eine individuelle Beratung. Bei der Wertpapierberatung sind die Bankberater inzwischen bei der Abfrage der Lebens- und Finanzsituation genauer geworden, bei Sparanlagen hingegen sind sie oftmals immer noch recht oberflächlich.

Besonders bei der Feststellung der finanziellen Situation sieht S.W.I. allerdings bei beiden Produktarten weiteres Verbesserungspotenzial. So erfasste über ein Drittel der Berater weder bestehende Geldanlagen noch laufende Kreditverpflichtungen. Weniger als ein Drittel erkundigte sich nach weiteren Einkünften neben dem Lohn.

So ist es nicht möglich, „sich ein umfassendes Bild vom Finanzstatus des Gegenübers zu machen“, kritisieren die Tester. Markus Berg von der Unternehmensberatung Kampmann, Berg und Partner nimmt die Geldhäuser gleichwohl hier in Schutz: „Von einer Bank kann man nicht erwarten, dass sie in jedem Fall selbst nach Krediten fragt, um dann gegebenenfalls vorzuschlagen, zunächst diese zu tilgen, bevor man ein neues Anlageprodukt abschließt“, sagt der Berater.

Nicht immer herrscht Diskretion

Neben der unterschiedlich guten Bedarfsanalyse gab es im S.W.I.-Test auch hinsichtlich der Gesprächsatmosphäre deutliche Unterschiede zwischen der Wertpapier- und der Sparproduktberatung. Während Vertraulichkeit bei über 90 Prozent gegeben war, wenn Kunde und Berater über Aktien und Wertpapiere sprachen, gab es dieselbe Diskretion beim Thema Festgeld und Co. nur in zwei Dritteln der Fälle. Experte Markus Berg sieht einen Grund hierfür darin, dass Wertpapierberater eine besondere Kompetenz haben und es hier häufiger um größere Beträge geht. „Das macht eine andere Qualitätsfinanzierung möglich“, so Berg.

Ein Schwachpunkt bleibt bei vielen Kreditinstituten wie im Vorjahr das Thema Kostentransparenz: In fast der Hälfte der Testgespräche wurden die Kunden nicht umfassend über anfallende Gebühren informiert. Dabei ist dies einer aktuellen Umfrage des Haftungsverbunds NFS Netfonds für fast alle Kunden der wichtigste Aspekt bei der Beratung.

Das wurde 2015 aus 100.000 Euro
Platz 25: Ukrainische Aktien
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Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 24: Brasilianische Aktien
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Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 23: Brentöl
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Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 22: Aktien Griechenland
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Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 21: Magere Schweine
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Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 20: Kaffee
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Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche
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Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Die beste Anlageberatung gibt es laut S.W.I. wie im Vorjahr bei der Commerzbank. Bei ihr gab es sowohl bei der Wertpapier- als auch der Sparberatung die beste Bedarfsanalyse. Bei Sparprodukten erreichte sie den absoluten Spitzenwert.

Bei der Beratung rund um Wertpapiere stach die Deutsche Bank dagegen die Commerzbank hinsichtlich Kompetenz und Service aus. Das macht Platz zwei in der Gesamtwertung. Dahinter folgt die Hamburger Sparkasse (Haspa) mit einigen Abstrichen bei der Bedarfsanalyse in beiden Produktgruppen und im Service bei Sparprodukten. „Als einziges Institut legte die Haspa die Kosten in allen Beratungen transparent und verständlich dar“, loben die Tester.

Gegenüber dem Vorjahr konnte sich die Santander Bank steigern. Noch im Vorjahr Schlusslicht, schaffte es das Institut diesmal auf Rang fünf. Die rote Laterne trägt dafür nun die Targobank. Die Berater sind zwar bei Aktien wie bei Sparkonten kompetenter und serviceorientierter als die siebtplatzierte Postbank, die schlechte Bedarfsanalyse verhagelt jedoch beide Teilergebnisse, so dass es am Ende nur der letzte Platz ist.

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