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Wall Street

Anleger können die sieben häufigsten Fehler leicht vermeiden.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

Anlageexperte Jens Ehrhardt „An den Märkten sind zwei völlig verschiedene Entwicklungen möglich“

Der bekannte Geldverwalter Jens Ehrhardt hält im nächsten Jahr Aktiengewinne von 15 Prozent für möglich – unter ganz bestimmten Bedingungen.
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Frankfurt Die Rolle des Optimisten liegt ihm eigentlich eher. Doch der bekannte Fondsmanager Jens Ehrhardt kann nicht verhehlen, dass ihn der jüngste Kursrutsch an den Aktienmärkten enttäuscht hat. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hält er aber an seiner Hoffnung auf eine saisonal typische Jahresendrally fest. „Die Stimmung kann schlechter sein als die Lage“, sagt der 76-jährige Anlageexperte.

Die Irritationen, die Donald Trump auslöse, der Brexit und die Probleme in Italien seien schon in den Kursen enthalten, so Ehrhardt. Daher halte er bis in den Januar hinein Kursgewinne in einem Maß für möglich, das selbst skeptische Anleger überraschen könnte. Wenn Ehrhardt spricht, hören Investoren genau hin. Der Münchener Vermögensverwalter arbeitet schon ein halbes Jahrhundert in dem Metier.

So bekannt wie er sind in Deutschland nur Klaus Kaldemorgen von der DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, oder etwa der Kölner Geldmanager Bert Flossbach. Als Gründer und Chef von DJE Kapital steuert Ehrhardt zusammen mit 130 Mitarbeitern rund 13 Milliarden Euro an Kapital privater Kunden und Großinvestoren. Es ist ein Family Business: Der 43-jährige Sohn Jan verwaltet einige der DJE-Fonds und ist nach seinem Vater zweiter Mann in der Firma.

Ehrhardt startete in der Finanzbranche einst als Aktienanalyst. Er managt seit Jahrzehnten Anlagefonds. Sein wöchentlicher Börsenbrief ist beliebt: Eine gute Analyse, klare Sprache und Mut zur pointierten Meinung zeichnen den gebürtigen Hamburger aus. Es ist dieser Wille zur Klarheit, der ihn dazu veranlasst, bei seinem Ausblick auf das Börsenjahr 2019 quasi eine Entschuldigung mitzuliefern.

Denn seine Vorschau ist in diesem Fall alles andere als eindeutig: „Es sind zwei völlig unterschiedliche Entwicklungen möglich, aber das ist leider so.“ Ehrhardt stellt klar: „Alles hängt von den Amerikanern ab.“ Diese können es seiner Meinung nach „richtig oder falsch“ machen. Falsch wäre seiner Meinung nach eine Politik des „Weiter-so“. In diesem Szenario hebt die Notenbank die Zinsen weiter an und verkauft ebenfalls weiterhin Anleihen.

Er sieht Risiken wegen hoher Firmenschulden in den USA und in China. Quelle: Tim Wegner/laif
Jens Ehrhardt

Er sieht Risiken wegen hoher Firmenschulden in den USA und in China.

(Foto: Tim Wegner/laif)

Sollte die US-Notenbank den restriktiven Kurs fortsetzen, so Ehrhardt, seien alle positiven Prognosen abwegig. Sollte sich zudem der von Donald Trump begonnene Handelskrieg verschärfen und sollten sich gleichzeitig die massiven Aktienrückkäufe der US-Unternehmen aber verringern, wäre das für Ehrhardt ein giftiger Cocktail: „Dann brechen die Aktienmärkte um 20 Prozent ein.“ Dieses Szenario würde nahtlos an das schwache Börsenjahr 2018 anknüpfen.

Ehrhardt macht an dieser Stelle einen Vergleich, den er als einer der wenigen Geldverwalter noch mit eigener Erfahrung unterlegen kann. „So etwas wie derzeit habe ich zuletzt 1970 erlebt, als praktisch alle Vermögensformen in den roten Zahlen waren.“ Die Börsenbilanz des laufenden Jahres werde ebenfalls tiefrot ausfallen. Nahezu alle Anlageformen – von Aktien über Anleihen bis hin zu Rohstoffen – dürften Anlegern Verluste bescheren.

Für das kommende Jahr hält er auch ein positives Szenario für möglich. „Im besten Fall würden die Aktien um 15 Prozent steigen“, meint der Stratege. Dazu seien folgende Bedingungen notwendig: Die US-Notenbank erhöht nur noch einmal im Dezember die Zinsen, sieht dann aber von weiteren Zinserhöhungen ab.

Zudem beendet die Fed ihre Anleiheverkäufe, die dem Finanzsystem Liquidität entziehen. Begünstigt wird das in dem Szenario durch eine konjunkturelle Beruhigung und eine Entspannung im Handelsstreit mit China. Die europäischen Märkte folgen in der Regel der Welt-Leitbörse Wall Street. Europa sollte sich laut Ehrhardt den US-Präsidenten zumindest in einem Punkt zum Vorbild nehmen: Die Senkung der Steuern hat die US-Konjunktur erfolgreich gestützt.

Europa müsse wegkommen von der deutschen Sparmentalität, so Erhardt, man müsse Südeuropa erlauben, mehr Geld auszugeben – auch wenn dieses natürlich sinnvoll investiert werden müsste. Damit vertritt Ehrhardt in Deutschland eher eine Außenseitermeinung. „Der französische Präsident Emmanuel Macron bewegt sich unter dem Druck der ‚Gelbwesten‘ schon in diese Richtung“, analysiert Ehrhardt.

Beim Blick auf die jüngsten Tumulte in Paris prognostiziert der Stratege: „Soziale Unruhen könnten auch ein Börsenthema im kommenden Jahr werden, das würde die Aktien belasten.“ Höhere staatliche Ausgaben dürften Massendemonstrationen verhindern, so Ehrhardt. Das würde sozialen Unruhen entgegenwirken und den Euro stützen. Auch in den USA bestünde die Gefahr aufkommender Protesten, bedingt durch eine extrem ungleiche Einkommensentwicklung.

Der Geldverwalter gibt sich aber an dieser Stelle optimistisch: Immerhin hätten alle Politiker ein Interesse daran, dass die Lage in ihrem Land unter Kontrolle bleibe, sie würden also im Zweifel handeln wie Macron. Der Münchener Anlagestratege erkennt auch ein klassisches Finanzmarktrisiko für das kommende Jahr. Sollte Amerikas Notenbank die Wirtschaft weiter bremsen, könnten Probleme an ganz anderer Stelle entstehen.

Im Fall einer Konjunkturflaute seien die hohen Firmenschulden ein Belastungsfaktor, so Ehrhardt. Es drohten Ausfälle bei den Unternehmensanleihen. Deshalb ist er vorsichtig bei solchen Bonds, von denen viele bereits jetzt ein schlechtes Rating hätten. Auch in China seien hohe Firmenschulden bei wirtschaftlichem Abschwung eine große Gefahr.

Mehr Cash, weniger Aktien

Der Fondsmanager räumt aber auch eigene Fehleinschätzungen ein. Noch vor einem knappen Jahr zählten Schwellenländerbörsen zu seinen Favoriten. Der Wall Street traute er damals am wenigsten zu. Doch dann kam es ganz anders. US-Aktien und der Dollar zogen kräftig an, während die Emerging Markets abstürzten. Der Manager hatte weder die Auswirkungen der damals nicht absehbaren US-Steuersenkungen einkalkuliert noch die Folgen der rekordhohen Aktienrückkäufe großer Konzerne.

Angesichts der Risiken hat Ehrhardt in den eigenen Fonds im laufenden Jahr die Barreserven erhöht und die Aktienquoten gesenkt. Aber welche Anlageform würde der Profi für 2019 wählen, wenn er sich für eine entscheiden müsste? „Ich neige trotz aller Probleme zu Aktien, zu preiswerten Titeln mit attraktiver Dividende“, sagt er. Wer unbedingt Anleihen wolle, könne zwar höher verzinsliche US-Staatstitel mit drei Prozent Rendite wählen.

Doch die Anlage würde in seinem Positiv-Szenario bei einem Ende der Zinserhöhungen wegen des dann fallenden Dollars unter den Währungsverlusten leiden. Auf die Frage nach seiner eigenen Zukunft als Analyst, Geldverwalter und Firmenchef von DJE Kapital antwortet Ehrhardt zurückhaltend. Ans Aufhören mag er nicht denken, denn die Beschäftigung mit den Märkten liege ihm im Blut. „Ich hatte viele Angebote zum Verkauf meiner Firma, das waren verführerische Summen“, sagt Ehrhardt.

Er habe immer abgelehnt, vor allem deshalb, weil er seine Arbeit gerne mache. Der passionierte Segler unterstützt heute ein Schulprojekt in Myanmar und die Stiftung seines Vaters, eines professionellen Fotografen. „Mein Vater gab mir nie Taschengeld“, erzählt er schmunzelnd. Protzerei sei nicht sein Ding, so Ehrhardt. „Ich fahre lieber einen Elektro-Golf.“

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