Anlagestrategie Aktien sind begehrt wie selten

Die Kapitalanlagegesellschaft Pimco hatte für 2012 sinkende Anlagerenditen und eine Abkehr von Aktien und Bonds prognostiziert. Ein Blick auf die Zahlen zeigt allerdings das Gegenteil. Anleger bleiben den Aktien treu.
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Aktien und Bonds waren auch 2012 der letzte Schrei. Quelle: ap

Aktien und Bonds waren auch 2012 der letzte Schrei.

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Schuldenkrisen in Europa und Amerika, ein verlangsamendes Weltwirtschaftswachstum und steigende Nervosität auf den Finanzmärkten haben im vergangenen Jahr das Bild an den Börsen geprägt. In diesem Umfeld dürfte das Volumen der Finanzanlagen gesunken sein – sollte man meinen. So sahen es jedenfalls die Experten von Pacific Investment Management (Pimco) in ihren Prognosen und bezeichneten dieses Szenario als „Neue Normalität“.

Im Oktober 2009 haben Bill Gross, Leiter des weltgrößten Anleihefonds, und El-Erian, Chef der Fondsgesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von 1,9 Billionen Dollar, den Anlegern dazu geraten, sich auf ein “New Normal” einzustellen. “De- Leveraging, Re-Regulierung und De-Globalisierung, die das Wachstum belasten, sind wahrscheinlich auf absehbare Zeit das neue Modell”, hieß es. Die Kapitalerträge dürften demnach “halb so hoch ausfallen wie in den vergangenen zehn bis 20 Jahren”.

Mit Blick auf das letzte Jahr zeigt sich allerdings, dass der von Pimco angekündigte Paradigmenwechsel bei den Finanzanlagen nur bedingt zutreffend war. Besonders festverzinsliche und riskante Anlagen, wie Aktien, Ramsch-Anleihen und Hypotheken waren bei den Anlegern beliebt. Festverzinsliche Papiere haben 2012 weltweit mit 5,7 Prozent eine höhere Rendite abgeworfen als im Schnitt der letzten 16 Jahre mit 5,4 Prozent. US-Ramsch-Anleihen – also hochverzinsliche Bonds mit Ratings unter “Baa3” von Moody's und “BBB-” von Standard & Poor's – wiesen einen Ertrag von 15,6 Prozent auf, verglichen mit dem jährlichen Plus von 11 Prozent in den 1990ern. Mit zweitklassigen Hypotheken besicherte Bonds, die vor dem Zusammenbruch des US-Häusermarkts im Jahr 2007 ausgegeben worden waren, legten im Schnitt um 41 Prozent zu, wie Indexdaten von Barclays zeigen.

Darüber hinaus stieg weltweit der Wert der Aktien um 6,5 Billionen Dollar, während der MSCI All Country World Index um 13,4 Prozent anzog. Damit kletterte der MSCI-Weltindex 2012 stärker als in den 1990er Jahren. Damals verzeichnete der Index ein durchschnittliches jährliches Plus von 9,4 Prozent.

Welche Krisenstaaten 2013 das meiste Geld brauchen
Griechenland
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Es war das Geschenk für Griechenland zum neuen Jahr: Am 18. Dezember hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Griechenland gleich um sechs Stufen auf das Level B- angehoben, Aussicht: stabil. Dank der neuen Pro-Griechenland-Haltung der Europäischen Union glaubt die Agentur nicht länger an einen "teilweisen Kreditausfall" des Landes.

Der Schuldenberg des kleinen Mittelmeerlandes ist allerdings weiterhin erdrückend. Allein 290 Milliarden Euro, etwa das 1,5-fache Bruttoinlandsprodukt, schuldet der Staat Investoren in aller Welt. 2012 gab das Land Staatsanleihen im Volumen von rund 93 Milliarden Euro aus.

Fällig werden 2013 allerdings nur 28,5 Milliarden und auch in den nächsten Jahren belaufen sich Rückzahlungen in kleinerem Rahmen. Interessant wird es erst 2017: Binnen einem Jahr muss Griechenland dann Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro ablösen. Sollte das Rating Griechenlands allerdings tatsächlich längerfristig auf dem jetzigen Niveau bleiben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Land weniger auf EU-Hilfen angewiesen sein wird und sich verstärkt über den Kapitalmarkt refinanzieren kann.

Portugal
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Geld ist schön, weil es eine Befreiung bedeutet, wusste der Portugiesische Nationaldichter Fernando Pessoa bereits in den 1920er-Jahren. Das Elf-Millionen-Land am Rande Europas wartet tatsächlich auf eine Befreiung. Gegenwärtig lasten gewaltige Schulden auf seinen Schultern. 2011 erhielt Portugal rund 80 Milliarden Euro Hilfe aus dem europäischen Rettungsschirm, die Ratingagentur Moody's stufte das Land im Februar 2012 auf das Niveau Ba3 herab. Portugiesische Staatanleihen waren fortan "spekulativ".

Insgesamt hält Portugal derzeit über 200 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aus Staatspapieren, das sind knapp 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 13,7 Milliarden neuer Anleihen kamen 2012 hinzu. Dagegen werden 2013 Staatspapiere in Höhe von rund 19,6 Milliarden Euro fällig. Dabei ist der September der kritische Monat: Dann muss Portugal auf einen Schlag sechs Milliarden Euro an Investoren zurückzahlen.

Irland
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Ryanair ist trotz mancher kleineren Panne eines der erfolgreichsten Unternehmen, das Irland derzeit hat. Wann wird sich das einstige Vorzeigeland Europas, das als erstes europäische Finanzhilfe in Anspruch nahm, wieder aufrappeln können? Gegenwärtig sind die Schulden weiter bedrohlich, bereits seit Ende 2011 rangiert Irland bei Moody's unter "spekalutive Anlage" (Rating Ba1).

Konkret fallen Irland allein aus Staatspapieren rund 172 Milliarden Euro Verbindlichkeiten an und übersteigen damit das Bruttoinlandsprodukt, das 2012 bei rund 162 Milliarden Euro lag. Nur 9,5 Milliarden Euro konnte sich das Land 2012 von Investoren leihen. 6,1 Milliarden Euro muss es im nächsten Jahr refinanzieren.

Spanien
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Auch Spanien kämpft mit den Auswirkungen der Krise. Im Juni 2012 schlüpfte das Land nach längerem Zögern unter den europäischen Rettungsschirm. Die EU sicherte 100 Milliarden Euro Garantien für notleidende Banken zu. Die Regierung unter dem konservativen Mariano Rajoy setzte fortan auf harsche Sparmaßnahmen etwa im Gesundheitssektor.

Rund 940 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten in Form von Staatspapieren hält Spanien, rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Knapp 100 Milliarden neue Schulden konnte das Land dabei 2012 aufnehmen, 151 Milliarden muss es in 2013 refinanzieren. Wie teuer das wird, ist noch ungewiss. Im Oktober hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit spanischer Staatspapiere als "durchschnittlich gute Anlage" (Baa3) bestätigt.

Italien
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Fast wäre Italien im vergangenen Jahr unter der Schuldenlast zusammengebrochen. Dank der Technokratenregierung unter Führung des Wirtschaftsprofessors Mario Monti konnte das Land das Schlimmste abwenden, ging Reformen an und erlangte das Vertrauen der Investoren zum Großteil zurück: Für zehnjährige Staatsanleihen sank der Zins von mehr als sieben zwischenzeitlich auf 4,5 Prozent. Bei der letzten Auktion Ende des Jahres lag er wieder bei 5,5 Prozent.

Trotz allen Reformeifers steckt das Land finanziell weiter in der Schlinge. Italien hält insgesamt 2,13 Billionen Euro Schulden in Staatspapieren, 291 Milliarden kamen allein 2012 hinzu. Ein wenig mehr, rund 312 Milliarden Euro, werden 2013 fällig und müssen refinanziert werden. Der größte Brocken, rund 25 Milliarden Euro, fällt im August an. Es wäre Italien zu wünschen, dass Monti auch nach den Wahlen im Februar weiterregieren und Italien auf Wachstumskurs trimmen kann.

Dann vielleicht könnten die führenden Ratingagenturen Italien wieder bessere Kreditwürdigkeit zusichern. Moody's hatte Italien zuletzt im Juli 2012 auf das Niveau Baa2 herabgestuft, mit damals noch negativen Aussichten. Moody's fürchtete vor allem das fehlende Vertrauen der Märkte und eine Negativspirale, sollten andere Krisenstaaten weitere EU-Hilfen beantragen oder Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden.

Belgien
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Belgien steht in Europa vor allem für zwei Dinge. Innenpolitisch dringt hin und wieder der Streit zwischen Politikern aus dem flämischen und wallonischen Landesteil an die Öffentlichkeit, der stets die Regierungsbildung erschwert. Aus europäischer Sicht ist Brüssel der zentrale Treffpunkt der Diplomatie und Sitz der Europäischen Kommission. Doch wie steht es um die Schulden des Landes?

Die laufenden Staatsanleihen übertreffen mit einem Volumen von 440 Milliarden Euro das Bruttoinlandsprodukt um 17 Prozent. Voraussichtlich ein ähnlich großes Volumen an neuen Staatsanleihen wie 2012 muss Belgien in diesem Jahr emittieren, um die gut 60 Milliarden Euro Verbindlichkeiten aus Staatspapieren zu bedienen, die 2013 fällig werden. Im März muss das Königreich rund 16 Milliarden, im September 18 Milliarden Euro refinanzieren.

Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Belgiens bereits Ende 2011 auf Aa3 herabgestuft, belgische Papiere gelten demnach weiterhin als sicher. Doch zweifelt Moody's langfristig am Wachstumspotenzial des kleinen Königsreichs.

Japan
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Seit dem 26. Dezember regiert der Liberaldemokrat Shinzo Abe, nach 2006 bereits zum zweiten Mal, Japan. Bereits weniger Tage nach seinem Amtsantritt gab er deutlich die politische Richtung vor. Japan setzt weiter auf Atomkraft und Japan schwächt den Yen. Unter dem Druck des neuen Regierungschefs will die japanische Notenbank Wertpapiere mehr als zehn Billionen Yen (rund 85 Milliarden Euro) aufkaufen. Ob dadurch die hohe Schuldenlast abebbt und sich die deflationäre Stimmung im Land dreht, ist unklar.

Derzeit schuldet Japan den Finanzmärkten rund eine Billiarden Yen (etwa acht Billionen Euro). Ein gutes Viertel davon, rund 251 Billionen Yen (2,1 Billionen Euro), gab Japan 2012 an neuen Staatsanleihen aus. Wie Belgien schätzt die Ratingagentur Moody's auch die Kreditwürdigkeit Japans als "sicher" (Aa3) ein. 2013 muss Japan rund 261 Billiarden Yen (2,23 Milliarden Euro) aus fälligen Staatspapiere ablösen.

Grund für den Run auf die riskanten Finanzanlagen waren die nie zuvor dagewesenen Maßnahmen der Zentralbanken zur Konjunkturbelebung. Die Währungshüter von der Federal Reserve bis hin zur People's Bank of China haben mehr als 6 Billionen Dollar in die Weltwirtschaft gepumpt. Ihre Bilanzen blähten sich im Zuge von Anleihekäufen im Juni 2012 auf bis zu 14,1 Billionen Dollar auf - nach knapp fünf Billionen im Mai 2006, wie Bianco Research unter Berufung auf Pimco berichtet. Zugleich haben die Zentralbanken in aller Welt ihre Leitzinsen auf oder nahe ihren Rekordtiefs belassen.

"Politik-Verzerrungen können nicht unendlich fortgesetzt werden"
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8 Kommentare zu "Anlagestrategie: Aktien sind begehrt wie selten"

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  • Tulpenzwiebeln sind auch begehrt wie nie.

  • Kaum zu glauben, daß das Wirtschaftschaos so viel Rendite abwirft? Aber auch andere profitieren vom Boom:

    Gauner gehen in die Cloud (wohin auch sonst?)

    Kritische Java-Lücke geschlossen

    ...

    Keine Sau kann überprüfen, ob Java wirklich eine Lücke enthielt, keine Sau kann überprüfen, ob die Lücke nicht erst mit dem Sicherheitspatch entsteht. Aber ich verwette meinen Kopf, daß für jeden, der nicht spurt, genug kompromittierendes Material bereit liegt. Ansonsten fragt man einfach den Admin.

    http://www.heise.de/

    Schon auf der Leitseite geht's nur um Spionage.

    Vor allem das Big Business ist rege:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Operation-Roter-Oktober-Massive-Cyberspionage-aufgedeckt-1783457.html

    Lesestoff für die nächsten 10 Jahre

    http://www.heise.de/thema/Trojaner

    Und jetzt kommen auch noch die Kampfdrohnen. Die Bundeswehr deckt sich gleich ein. Zum Glück für die Hacker sind die leicht selber zu basteln. Das wird ein Drohnenlampf ...

    Und warum machen die Medien ungerührt weiter trotz des Niedergangs? Weil kapitale Geldgeber die Wende zur Vernunft verhindern.
    Übers Internet läßt sich gar nichts bewegen. Man kann als User nur den Niedergang kommentieren.

    Das Internet ist der letzte Furz der Menschheit.

  • Einwandfrei! Muss noch viel mehr Geld in den Pott! Umso besser ist die Entschuldung beim Crash!

  • mach ich glatt...jedoch immer mit einem dämlichen Grinsen auf den Lippen :D

  • @karstenberwanger
    keine Ahnung was Sie meinen, aber eines ist sicher, die vergangenen Kurssteigerungen sind fundamental nicht zu rechtfertigen. Spätestens bei sinkenden Unternehmensgewinnen und damit steigendenKGV werden wieder alle auf einmal aussteigen wollen.

  • Schön. Und ich werde laut lachen, wenn in ein paar Jahren der Goldpreis auf realistische 300-600 $/Oz. korrigiert.

  • @karstenberwanger

    Bis dahin können sie sich ja hier mit ihren Kommentaren weiter ausweinen!

  • Ich sag mal nur "Viva la France", lach mir ins Fäustchen und wer weiss was ich meine und auf 3 zählen kann, der wird im selben Moment mit mir lachen und das sogar noch beim dicken Ende....

    Viel Spass mit den "begehrten" Aktien...

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