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Anlagestrategie Aktienausblicke prophezeien einen ungemütlichen Börsensommer

Bei Aktien und Anleihen ist wegen vieler Störfaktoren gerade wenig zu holen, meinen Experten. Längerfristig bleiben Dividendenpapiere aber aussichtsreich.
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Experten schätzen, dass die Rally am Aktienmarkt mittel- und langfristig weitergehen wird. Quelle: dpa
Tafel mit SDax und MDax

Experten schätzen, dass die Rally am Aktienmarkt mittel- und langfristig weitergehen wird.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Düsseldorf Rekorde sollten Anleger vorerst eher bei den sommerlichen Temperaturen erwarten. An den Kapitalmärkten fürchten Fondsexperten Verwerfungen, mahnt etwa der Vermögensverwalter HQ Trust: In einer Eskalation des Handelskonflikts zwischen China und den USA erkennen die Experten eine große Gefahr.

Auch „der Konflikt mit dem Iran erhöht die geopolitischen Risiken und die Volatilität der Märkte“, sagte Marcel Müller, Leiter Fondsmanagement bei HQ Trust. Joachim Schallmayer, Chef-Anlagestratege beim Sparkassenfondshaus Deka, rechnet ebenfalls in den kommenden drei Monaten mit einem Rücksetzer im deutschen Leitindex Dax – danach dürfte es aber wieder aufwärtsgehen, betont er.

Für Europa bleibt HQ-Mann Müller eher entspannt: Die Finanzierungskrise in Italien sei vorerst abgewendet, der Brexit befinde sich im Haltemodus. Deshalb hat Müller europäische Aktien übergewichtet, vorsichtiger ist er bei US-Aktien. Deka-Mann Schallmayer sieht den Dax bis zum Ende des Jahres leicht auf 12 .400 Punkte klettern, hat seine Prognose damit leicht erhöht.

Treibstoff Geldpolitik

Man habe die Auswirkungen der Wende in der weltweiten Geldpolitik unterschätzt, erklärt er. Ende des Jahres werde man eher in zyklische Titel investieren, beispielsweise in Ölaktien. Bei den defensiven Titeln gefallen der Deka die Pharmawerte.

Die ersten sechs Monate 2019 seien mit einem Plus von voraussichtlich 16,6 Prozent eines der besten Halbjahre im Dax, nur das erste Halbjahr 2007 war mit plus 21,4 Prozent erfolgreicher, betont Schallmayer. Die wieder expansive Geldpolitik mit der Aussicht auf sinkende Zinsen sei der wesentliche Treibstoff für die Kursgewinne gewesen.

Entscheidend für den weiteren Verlauf an der Börse sei die Frage, ob es sich bei der lockeren Geldpolitik der Notenbanken um eine vorsorgliche Maßnahme handelt oder ob ein Konjunkturabschwung erwartet wird. „Eine vorsorgliche Maßnahme würde den Aktienmarkt stützen“, sagt Schallmayer. Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für Aktien aber positiv, meint er.

Die Rally am Aktienmarkt werde mittel- und langfristig weitergehen. Dafür nennt er drei Gründe: Es werde erstens keine Rezession in Deutschland geben, zweitens bleibe die Ertragslage der Unternehmen trotz Gewinnrevisionen gut. Und drittens sollten die Ausschüttungen deutscher Unternehmen leicht zunehmen, meint er: Dividenden bleiben ein „wichtiger Faktor des Aktienertrags“.

Auch HQ Trust hält Aktien aufgrund der Niedrigzinsen fast ausnahmslos für normal bewertet. Die Bewertungen lägen im Schnitt gerade einmal fünf Prozent über dem Durchschnitt seit 1985. HQ Trust erwartet bis 2029 ein Wachstum von jährlich sechs Prozent bei Aktien weltweit und zehn Prozent in Europa.

Rezession in den USA erwartet

Für die USA äußern sich Experten dagegen weniger optimistisch. Vor allem der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China werde den auslaufenden Konjunkturzyklus dort in den nächsten Jahren in eine Rezession treiben, meint Andrew Bosomworth, Chef des Portfoliomanagements Deutschland beim US-Fondshaus Pimco.

Schwaches Weltwachstum, niedrige Inflation und strukturelle Einflüsse wie eine alternde Gesellschaft in der westlichen Welt werden die Kapitalmarktzinsen seiner Ansicht nach niedrig halten. Bei Anleihen sieht er die besten Ertragschancen in US-Staatsbonds, die deutlich höhere Renditen bringen als ihre europäischen Pendants. Viele US-Firmenbonds seien dagegen anfällig für Herabstufungen.

Außerdem mag der Fondsexperte Schwellenländerstaatsanleihen. In Europa kauft er nur wenige Staatspapiere, Pfandbriefe und einige Firmenbonds aus Kernländern sowie ausgewählte Südländerbonds etwa aus Spanien. Die Aussichten für deutsche Staatsanleihen bleiben schlecht, heißt es auch bei HQ.

In den kommenden zehn Jahren rechnet Fondsmanager Marcel Müller jährlich mit leicht negativen Erträgen. Der Grund: Weil die Notenbanken weiter durch die global steigende Staatsverschuldung unter Druck stünden, erwarte man noch niedrigere Zinsen, erklärt er. In Italien missfällt Bosomworth die mangelnde Haushaltsdisziplin der populistischen Regierung. Verbriefte Hypothekenkredite vor allem in den USA bringen dagegen Renditen zwischen zwei und sechs Prozent.

Mehr: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die große Mehrheit der institutionellen Investoren inzwischen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Anlagestrategie berücksichtigt.

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1 Kommentar zu "Anlagestrategie: Aktienausblicke prophezeien einen ungemütlichen Börsensommer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Damen und Herren Redakteure,

    "...und täglich grüßt das Murmeltier". Mag vielleicht langweilig sein. Aber das Tierchen beschränkt sich wenigstens auf Grüße und verschont einen vor Aktienausblicken.

    Was ich gegen solche Ausblicke habe? Das erläutere ich an einem Beispiel. Ganz nah bei Ihrem Artikel findet sich in der heutigen Ausgabe Ihres Blattes die Überschrift "DAX steht vor erfolgreichstem Börsenmonat seit 16 Jahren". Aber die deutlichen Kursgewinne des zu Ende gehenden Juni 2019 hat niemand vorhergesehen.

    Auch keiner ihrer sogemannten Experten. Die labern nur Tag und Nacht. Ihr ganzes Leben lang. Die Zukunft voraussehen können sie jedoch nicht. Darum ist das Gequatsche ausgesprochen gefährlich. Wehe dem Anleger, der diesen Mist glaubt und seine Anlagepolitik daran orientiert.

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