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Anlagestrategie Wie Profi-Investoren sich gegen die drohende Rezession absichern

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Die Aktienfavoriten der Fondsmanager

„Bei der Vermögensplanung gilt: Nie ganz aussteigen!“

Viele Vermögensverwalter haben ihre Portfolios daher schon wetterfest gemacht. Bert Flossbach von Flossbach von Storch fährt bereits seit drei Monaten einen vorsichtigeren Kurs: Die Aktienquote in seinem Flaggschifffonds, dem Mischfonds „Multiple Opportunities“, hat der Fondsmanager von 75 Prozent zu Jahresbeginn auf 62 Prozent reduziert. Er hält ein knappes Fünftel des Vermögens liquide.

„Es gibt in einer Zeit quasi ohne Zinsen keine Alternative zur Aktie, aber hier gilt es, genau zu differenzieren“, mahnt Stratege Vorndran. Zu „sicheren Aktien für unsichere Zeiten“ zählt er Papiere von Unternehmen, die trotz anspruchsvoller konjunktureller und politischer Lage Kunden für ihre Produkte fänden, deren Erfolg planbar sei und die von niedrigen Zinsen profitierten.

Für Vorndran gehören dazu Aktien wie Nestlé, Philip Morris, Berkshire Hathaway, Reckitt Benckiser oder Unilever. Nestlé habe gerade erst seine erste 10-jährige Euro-Anleihe mit negativer Rendite auf den Markt gebracht. Die Aktien solcher Unternehmen böten die Chance, langfristig positive Realrenditen zu erzielen – statt garantierter Verluste.

Auch Holzer von Union Investment hat „sensible“ Bereiche bei Aktien identifiziert: „Investoren sollten zyklische Sektoren wie die Autoindustrie und den Maschinenbau angesichts von Konjunkturschwäche und Handelsstreit meiden“, rät er. Es gebe auf der anderen Seite Chancen bei weniger exportabhängigen Branchen, sowohl bei Aktien als auch Anleihen der Konzerne: „Dazu gehören beispielsweise Konsumgüterhersteller oder Pharmaunternehmen.“ Auf Länderebene bevorzugt er Firmen aus binnenorientierten Ökonomien wie den USA.

Die Blackrock-Fondsmanager haben ebenfalls Risiken in den Portfolios verringert. Stratege Herrmann sagt: „Wir setzen stärker auf sichere Häfen wie europäische Staatsanleihen. Anleihen funktionieren als Absicherung gegen Aktienrisiken wieder, daran ändern die Negativrenditen nichts.“ Die Fondslenker vertrauen auch stärker auf US-Staatsanleihen und ebenfalls Unternehmensbonds.

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Sichere Staatsanleihen seien angesichts des unruhigen Umfelds ein wichtiger Risikopuffer im Depot, bestätigt Holzer von Union Investment. Sie eigneten sich wegen der niedrigen Zinsen aber nicht als regelmäßige Einnahme. Deutlich interessanter seien Anleihen von Firmen oder aus Schwellenländern mit höheren Renditen: „Die profitieren überdurchschnittlich stark von der lockeren Geldpolitik und sind entsprechend aussichtsreich.“

Flossbach hält indes nur wenige Anleihen in seinem Fonds: Zu den Zinspapieren, die gut sieben Prozent ausmachen, gehören primär nachrangige Firmenanleihen. Aktuell meidet Flossbach langlaufende Anleihen, wie Vorndran sagt. Das war vor vier Wochen noch anders: In einer Welt, in der die Zinsen anhaltend rekordtief bleiben dürften – „das Gerede von einer Zinswende war und ist ohne Grundlage“ – war eine weitere Verflachung der Zinskurve wahrscheinlich. „Diese Zitrone wäre aber fürs erste ausgequetscht“, sagt Vorndran, denn aktuell seien Anleger im Panikmodus, und das Chance-Risiko-Verhältnis für lange Laufzeiten nicht gut.

Über kurz oder lang werde die Europäische Zentralbank den Leitzins weiter senken auf minus 0,6 bis minus 0,75 Prozent und erklären, dass dieses Zinsniveau einige Jahre – beispielsweise bis 2021 – niedrig bleibe, meint er. Dann dürften Inflationssorgen aufkommen, die die Renditen langlaufender Papiere ein wenig anheben sollten. Zum Flossbach-Portfolio gehören zudem gut zehn Prozent Gold „als Versicherung gegen die bekannten und unbekannten Risiken im Finanzsystem“, begründet Vorndran.

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Panik vor Aktien halten die Fondsprofis aber für falsch: Das wäre „unangebracht“, betont Herrmann von Blackrock, denn in den tieferen Kursen sei schon viel Risiko enthalten. Würden die Börsen zum Jahresende etwa auf dem aktuellen Niveau stehen, solle man nicht unzufrieden sein, sagt er. Einen extremen Einbruch hält der Stratege denn auch für unwahrscheinlich: „Im Ernstfall werden die Notenbanken auch einen größeren Absturz verhindern, so wie sie es angekündigt haben. In den USA rechnen wir damit, dass die Fed die Zinsen noch weiter senken wird.“

Mehr: Die Talfahrt der Industrie strahlt zunehmend auf die anderen Wirtschaftszweige aus. Ökonomen und Märkte halten eine technische Rezession für sehr wahrscheinlich.

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