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Anlagestrategie Private-Equity-Gesellschaften winken mit hohen Renditen für Anleger

Nach der Finanzkrise haben Aktien einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Ganz besonders profitierte ein kleines Segment börsennotierter Spezialisten.
Update: 18.03.2019 - 10:47 Uhr 1 Kommentar
Das Interesse von Investoren an Private Equity ist seit Jahren steigend. Quelle: Oliver Ruether/laif
Bulle und Bär

Das Interesse von Investoren an Private Equity ist seit Jahren steigend.

(Foto: Oliver Ruether/laif)

FrankfurtDer SPD-Politiker Franz Müntefering nannte sie „Heuschrecken“. Für Großinvestoren sind sie oft eine Alternative, um Renditen aufzubessern. Bei manchen kapitalschwachen Unternehmen sind sie willkommene Partner. Die Rede ist von Unternehmen, die nicht an der Börse notierte Firmen oder Teile davon mit dem Geld ihrer Investoren kaufen, um sie auf Trab zu bringen und später wieder zu verkaufen.

Bekannt ist diese Branche als „Private Equity“. Manchmal hat sie übernommene Firmen auch in die Verschuldung getrieben und zu harten Einsparungen gezwungen. Darauf bezog sich die Kritik von Müntefering. Ausgerechnet diese Unternehmen, die Gewinne jenseits der Börse suchen, haben im letzten Jahrzehnt mit ihren eigenen Aktien an der Börse besonders gut abgeschnitten.

Seit dem 9. März 2009, als die Kurse weltweit ihren tiefsten Stand erreichten, haben sie die beispiellose Hausse am Aktienmarkt nicht nur mitgemacht. Sondern der LPX Major Market Index, der diese Branche abbildet, hängte andere Messlatten wie den Dax für den deutschen Markt und Euro Stoxx 50 sowie MSCI World für Europa und die Welt locker ab (siehe Grafik). Der LPX Major Market Index deckt natürlich nur die Beteiligungsunternehmen ab, die selbst an der Börse gehandelt werden.

„Die Bewertungen der Private-Equity-Investments waren nach der Finanzkrise im Jahr 2009 extrem niedrig mit Abschlägen von im Schnitt bis zu 70 Prozent. Entsprechend hoch war seitdem das Erholungspotenzial“, sagt Michel Degosciu, einer der Gründer und Managing Partner der LPX AG in Zürich. Der Index hat seit März 2009 um mehr als 700 Prozent zugelegt. Das Interesse von Investoren an Private Equity ist seit Jahren steigend.

„Das positive wirtschaftliche Umfeld in den letzten Jahren hilft natürlich insbesondere den Beteiligungsgesellschaften, wo es ja um nichts anderes geht, als in die Markt- und Technologieführer zu investieren“, sagt der LPX-Manager. Der niedrige Zins sei der maßgebliche Motor der positiven Entwicklung von Private Equity, sagt Detlef Mackewicz, Geschäftsführer beim Investmentberater Mackewicz & Partner.

Grafik

Die Private-Equity-Gesellschaften legen üblicherweise Fonds auf, in die Versicherungen, Versorgungswerke und Pensionskassen investieren. Mit dem Eigenkapital kaufen die Beteiligungsmanager Unternehmen, die sie umbauen oder neu ausrichten.

Nach durchschnittlich drei bis sieben Jahren werden die Firmen dann weiterverkauft oder an die Börse gebracht. In die Private-Equity-Fonds kommen in der Regel nur Profianleger, die mehrere Millionen Euro mitbringen. Wer indirekt teilhaben will, kann die Aktien der börsennotieren Private-Equity-Firmen kaufen.

Im LPX Major finden sich bekannte US-Namen wie Apollo Global Management, Blackstone, Carlyle und KKR sowie in Europa Partners Group, Pantheon International, Ares, Gimv NV und 3iGroup.

Wem Einzelwerte zu risikoreich sind, der kann auf andere Produkte ausweichen, die den Index als Basis nehmen, etwa ein Zertifikat von BNP Paribas oder einen börsengehandelten Indexfonds – abgekürzt ETF – von XTrackers, der Produktlinie der Deutschen-Bank-Tochter DWS.

Angst vor der Korrektur

Bei allen Anlageentscheidungen spielt das Timing eine wichtige Rolle. Im Falle der Private-Equity-Fonds und ihrer börsennotierten Gesellschaften muss man sehen, dass der zyklische Höhepunkt vorbei sein dürfte.

Wahrscheinlich wurde der Zenit im vierten Quartal 2018 überschritten. Andererseits verfügen die Fonds über sehr viel nicht investiertes Kapital, dass zuletzt mit rund zwei Billionen Dollar einen Rekord erreicht hatte.

Das könnte Bewertungsabschläge nach unten abfedern. Die Risiken an den Kapitalmärkten und die Gefahren bei einem Konjunkturabschwung darf man jedenfalls nicht unterschätzen. „Sobald wir eine Korrektur an den Börsen sehen, erwarten wir wie vor zehn Jahren eine noch deutlichere Abwärtsbewegung beim LPX.

So hat beispielsweise der MSCI World zwischen Januar 2007 und April 2009 die Hälfte seines Werts verloren, der LPX ist im gleichen Zeitraum um über 80 Prozent abgestürzt“, sagt Peter Laib, Aufsichtsratschef der Yielco Investments AG.

Einer der Gründe hierfür dürfte sein, dass die Anleger das Verschuldungsrisiko von Private-Equity-Unternehmen als überdurchschnittlich einschätzten. Aber aus der Krise erwachsen auch Chancen: „Unmittelbar nach einer Marktkorrektur sind im Gegenzug im Bereich der gelisteten Private-Equity-Werte sehr attraktive Einstiegsmöglichkeiten gegeben“, ergänzt Laib, der selbst lange Jahre aktiv im Beteiligungsmanagement tätig war.

Kim Fomm, Private-Equity-Experte und Geschäftsführer bei Liqid Asset Management, geht weiterhin von einer Überrendite der Anlageklasse gegenüber den Aktienmärkten aus, da die Vorteile gegenüber klassischen Aktienfonds immer noch Bestand hätten: Private-Equity-Fonds durchleuchten Unternehmen vor dem Kauf sehr genau und erwerben Mehrheitsbeteiligungen.

So könnten sie erfolgreich operativen Einfluss nehmen und den Unternehmenswert steigern, meint Fomm. Die Überrendite von Private-Equity-Anteilen gegenüber Aktien sollte nach Einschätzung von Experten bei rund 500 Basispunkten liegen, also fünf Prozentpunkten.

Beim Kauf von börsennotierten Gesellschaften kommt man teilweise in den Genuss dieser Zusatzrendite, gleichzeitig kann man die Papiere jederzeit veräußern. Das ist der Vorteil gegenüber den Investments der Profi-Investoren: Deren Kapital bleibt im Schnitt eine Dekade lang gebunden.

Aber die Privatanleger müssen auf die Kosten achten: „Die guten Renditen der eigentlichen, unterliegenden Private-Equity-Beteiligungen werden oft durch hohe Platzierungs-, Strukturierungs- und Verwaltungskosten aufgezehrt“, weiß Experte Laib von Yielco.

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1 Kommentar zu "Anlagestrategie: Private-Equity-Gesellschaften winken mit hohen Renditen für Anleger"

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  • Sehr geehrter Herr Köhler,

    Sie kennen doch sicher die Moritat von Mackie Messer aus Bert Brechts Dreigroschenoper, Dort heißt es: "Denn die einen sind im Dunkeln. Und die anderen sind im Licht. Und man siehet die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht".

    Auch nach 25 Jahren Börsenerfahrung habe ich nie etwas von private equity gehört, gesehen oder gelesen. Einfach nichts. Ich frage mich deshalb, ob es diese Branche tatsächlich gibt.

    Nach Ihrem Bericht soll sie ja stattliche Überrenditen einfahren. Aber wissen Sie, es wird so viel gelogen. Am meisten wohl nach der Jagd und im Krieg. Aber vielleicht auch bei unsichtbaren Branchen.