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Anlagestrategie Warum immer mehr institutionelle Investoren auf Fondsinnovationen setzen

Das Niedrigzinsumfeld zwingt Großanleger, sich nach verlässlichen Renditequellen jenseits von Anleihen umzuschauen. Fondsinnovationen liegen im Trend.
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Spezialfonds sind in den letzten Jahren bei Großanlegern immer beliebter geworden. Quelle: imago/CHROMORANGE
Anlagestrategien

Spezialfonds sind in den letzten Jahren bei Großanlegern immer beliebter geworden.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Die institutionellen Investoren legen immer mehr Geld in Fonds an. Zahlen des Branchenverbands BVI zeigen: In den vergangenen zehn Jahren ist das Vermögen von Spezialfonds um 130 Prozent gestiegen.

Ende vergangenen Jahres lag es bei 1,6 Billionen Euro. Im laufenden Jahr ging es weiter aufwärts: Von Anfang Januar bis Ende Oktober sammelten Spezialfonds knapp 66 Milliarden Euro ein. Die Produkte sind ausschließlich für Großanleger zu haben, Privatinvestoren bleiben außen vor.

Laut der BVI-Statistik haben Lebensversicherer 34 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen in Spezialfonds investiert. Bei Pensionskassen sind es 28 Prozent. Auch Kreditinstitute, Kirchen, Vereine und Unternehmen stecken viel Geld in solche Anlageinstrumente.

Neben Spezialfonds können institutionelle Investoren zudem Publikumsfonds kaufen, die allen Anlegern offenstehen. Zu institutionellen Tranchen von Publikumsfonds gibt es allerdings vergleichsweise wenige Daten.

Versicherer, Stiftungen und Co. sind, gemessen am investierten Vermögen, die wichtigste Kundengruppe der Fondsindustrie. Kein Wunder also, dass Investmentgesellschaften stetig über neuen Produkten brüten, die für Profi-Investoren interessant sein könnten.

„Die Fondsindustrie muss Lösungen für Zwänge bieten, denen institutionelle Investoren unterliegen“, sagt Andreas Kuschmann, Geschäftsführer des Bereichs institutionelle Kunden beim Vermögensverwalter Feri. „Aktuell sind das in erster Linie Ertragszwänge sowie qualitative Anforderungen an die Erträge, etwa im Bereich der Nachhaltigkeit.“

Das Niedrigzinsumfeld zwingt Anleger, sich nach verlässlichen Renditequellen jenseits von Anleihen umzuschauen. Große Aktienpositionen kommen dabei für viele institutionelle Investoren aus regulatorischen Gründen nicht infrage.

Vor allem große Kapitalsammelstellen befassten sich deshalb mit der Suche nach alternativen Renditequellen, sagt ein Sprecher von Metzler Asset Management. Fündig würden sie etwa bei Volatilitäts-, Momentum- oder Value-Strategien. Das Investieren laufe oft über quantitative, also regelbasierte Fondslösungen. Bei der Investmentboutique Loys macht man ähnliche Beobachtungen.

„Fondsprodukte aus dem Bereich Liquid Alternatives geraten zunehmend auf das Radar institutioneller Anleger“, sagt Vertriebsleiter Raphael Riemann. Vor allem Long-Short-Aktienfonds, die ähnlich wie Hedgefonds sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen, verzeichneten eine steigende Nachfrage.

Zinstief als Katalysator

Das Anlagevolumen in alternativen Investments sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Mittlerweile legten institutionelle Investoren in diesem Bereich nicht mehr in der Breite an, sondern suchten sich auf der Jagd nach auskömmlichen Renditen spezielle Nischen“, sagt Feri-Experte Kuschmann. Deshalb kommen neue Produkte auf den Markt, die die bestehenden Angebote ergänzen.

Diese Entwicklung sieht auch Thorsten Schneider, Vertriebsleiter für institutionelle Kunden bei Universal-Investment. „Die Niedrigzinsphase wirkt als Innovations-Katalysator“, sagt er. Ein großes Thema seien derzeit zum Beispiel sogenannte Loan-Fonds.

Dabei übernehmen Versicherer oder Versorgungswerke die Rolle des Kreditgebers. Lang laufende Kredite, vor allem aus dem Immobilien- oder Infrastrukturbereich, werden entweder vom Fonds gekauft oder vom Fonds vergeben.

Zudem steige die Nachfrage nach sogenannten Pooling-Vehikeln für alternative Investments, berichtet Schneider. „Statt eigenständige Plattformen aufzubauen, teilen sich dabei mehrere Anleger über Teilfonds ein Vehikel und senken dadurch den operativen Aufwand und die Investitionsschwellen.“

Die meisten institutionellen Investoren können nicht komplett auf Anleihen verzichten. Auch in diesem Bereich wird deshalb an Neuerungen gebastelt, die den Ertrag steigern sollen – vor allem auf der Prozessebene.

„Mensch und Maschine werden mehr denn je kooperieren müssen, um Liquidität zu finden, Transaktionen schneller umzusetzen und Risiken zu managen“, prophezeit Philipp Lehner, Leiter des institutionellen Geschäfts beim Fondsanbieter AB.

Rund 80 Prozent des Handels mit Unternehmensanleihen in US-Dollar liefen noch immer per Telefon ab, sagt er. „Es gibt also viele Chancen, die Effizienz zu verbessern.“ Und eine höhere Effizienz bedeutet: höhere Erträge.

Rendite und Risiko sind zwei Seiten derselben Medaille. So ist es kaum verwunderlich, dass auch das Risikomanagement bei institutionellen Investoren eine wachsende Rolle spielt. Vor allem Währungsrisiken würden bei der Portfolioabsicherung immer wichtiger, heißt es von Metzler Asset Management.

Der Grund: Viele Investoren legen heute deutlich internationaler an als früher. Ihre Erträge sind also durch Schwankungen im Wechselkurs zwischen der Heimat- und der Fremdwährung stärker gefährdet.

Die Suche nach Rendite habe viele institutionelle Anleger dazu bewogen, außerhalb der Euro-Zone anzulegen, sagt auch Jasper Düx, Chef der Investmentboutique 7orca Asset Management. „Die damit einhergehenden Währungsrisiken können Rendite in Verlust umkehren“, warnt er.

Seiner Erfahrung nach wird das professionelle Management von Fremdwährungsrisiken, das Currency-Overlay-Management, verstärkt nachgefragt. Die steigende Nachfrage führt, gemeinsam mit dem technologischen Fortschritt, wiederum zu neuen Strategien auf dem Markt. „In den Anfängen in den 1990er-Jahren folgten Currency-Overlay-Strategien zumeist diskretionären Ansätzen“, berichtet Düx.

„Heute folgen effiziente Overlay-Strategien überwiegend einem quantitativen Prozess, werden auf jeden Kunden maßgeschneidert und können durch Komponenten der Künstlichen Intelligenz (KI) weiter verbessert werden.“

Ein weiterer großer Trend, der Innovationen befeuert, ist das Bemühen um Nachhaltigkeit. „Investoren wollen und müssen im Rahmen ihrer Produktstrategien und Portfolios immer stärker einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten“, sagt Annika Milz, Leiterin des Bereichs institutionelle Kunden bei Fidelity.

Ihrer Beobachtung nach setzen sich immer mehr Pensionskassen, Stiftungen und Versicherer mit diesem Thema auseinander. „Diese Entwicklung ist zum einen von den Investoren selbst getrieben“, sagt Milz. Zum anderen verstärkten die strengeren Nachhaltigkeitsregeln vonseiten der Politik die Nachfrage nach ökologisch und ethisch korrekten Anlagelösungen.

Gefragte Themenfonds

Die meisten Innovationen seien bei Nachhaltigkeitsfonds zu erwarten, die sich auf bestimmte Themen fokussieren, sagt die Fidelity-Expertin. Nach und nach würden ganze Fondsserien für Institutionelle nach diesem Muster aufgelegt.

Fidelity hat sich im November mit einem Publikumsfonds zum Thema Wasser und Abfall in den Bereich der nachhaltigen Themenfonds vorgewagt. Das Produkt stoße bei institutionellen Kunden auf großes Interesse, berichtet Milz.

Eine Studie der französischen Investmentgesellschaft Natixis bestätigt, dass Nachhaltigkeit für institutionelle Investoren eine immer größere Rolle spielt. Rund 55 Prozent der befragten Großanleger wollen ihr Engagement bei nachhaltigen Investments im kommenden Jahr ausbauen.

Dahinter steht nicht zuletzt die Überlegung, dass ethisch und ökologisch korrektes Investieren höhere Erträge bringt: 56 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass sich mit Nachhaltigkeitsinvestments eine Überrendite erzielen lässt. Eine Umfrage der britischen Gesellschaft Schroders unter professionellen Investoren kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Klar, dass sich Fondshäuser ein solches Vertriebspotenzial nicht entgehen lassen wollen. Besonders clevere Anbieter versuchen, gleich beide Toptrends in neuen Produkten für Institutionelle zu verschmelzen, berichtet Feri-Geschäftsführer Kuschmann: „Fonds‧anbieter versuchen vermehrt, auskömmliche Erträge und Nachhaltigkeit zusammenzubringen.“

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