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Anlagestrategie Warum Smartphone-Aktien nur etwas für mutige Anleger sind

Das Ende des Smartphone-Booms ließ die Aktien von Anbietern und Zulieferern abstürzen. Die Firmen reagieren. Analysten erkennen wieder Chancen auf Kursgewinne – für Mutige.
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Im gesättigten Markt suchen Anbieter neue Wachstumsfelder. Quelle: imago/ITAR-TASS
Konzertbesucherin mit Smartphone

Im gesättigten Markt suchen Anbieter neue Wachstumsfelder.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Düsseldorf, San FranciscoEs war der meistbeachtete Börsengang im vergangenen Jahr. Der chinesische Smartphone-Gigant Xiaomi wagte zur Jahresmitte den Gang an die Börse von Hongkong. Das acht Jahre alte Unternehmen war bereits in die Gruppe der fünf weltgrößten Smartphone-Hersteller aufgestiegen. Ein Ausgabepreis von 17 Hongkong-Dollar (umgerechnet gut zwei US-Dollar) spülte über umgerechnet neun Milliarden US-Dollar in die Kassen.

Die Marktkapitalisierung erreichte im Hoch im Juli über 90 Milliarden Dollar. Doch der Traum währte nur kurz. Für den Aktienkurs gab es seitdem praktisch nur eine Richtung: bergab. Die Marktkapitalisierung hat sich auf 31 Milliarden Dollar fast gedrittelt. Der Smartphone-Markt weltweit ist 2018 zum ersten Mal überhaupt geschrumpft, seit der Boom der mobilen Kommunikationsgeräte seinen Gipfel überschritten hat.

Xiaomi gehört zu den prominentesten, aber wahrlich nicht einzigen Opfern: Ob Topanbieter oder Newcomer – alle leiden. Für Anleger stellt sich nun die Frage, wo die Aktien bekannter Unternehmen stehen und ob es noch Schnäppchen gibt. Ein Blick kann sich lohnen, allerdings brauchen Anleger starke Nerven.

Hersteller Nummer eins: Apple

Kein anderer Name ist mit dem Aufstieg des Smartphones so eng verwoben wie Apple. Deshalb war auch der Einschlag besonders brutal, als Apple zu Jahresanfang mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung schockte. Im vierten, im wichtigen Weihnachtsquartal sank der Umsatz um fünf Prozent auf 84,3 Milliarden Dollar.

Das Betriebsergebnis sackte um elf Prozent auf 23,35 Milliarden Dollar. Das ist zunächst beeindruckend, hat doch nur einmal ein börsennotierter Konzern bessere Zahlen vorgelegt Apple selbst, ein Jahr zuvor. Doch der Trend lässt befürchten, dass das Wachstum früherer Zeiten Geschichte ist. Denn der Rückgang ist ausschließlich dem iPhone geschuldet, dem wichtigsten Produkt von Apple. Der Umsatz mit dem Gerät sank um 15 Prozent auf 52 Milliarden Dollar. Die wirtschaftliche Unsicherheit in China mache sich bemerkbar, erklärte Konzernchef Tim Cook.

Im Vergleich zu den anderen Herstellern ist Apple jedoch in einer komfortablen Situation. Dem Konzern geht es finanziell blendend: Er ist hochprofitabel und hat Reserven in Höhe von rund 250 Milliarden Dollar. Damit finanziert Apple steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung und könnte so manche Übernahme bezahlen.

Außerdem hat Apple mit dem iPhone und anderen Produkten eine treue Kundenbasis mit 1,4 Milliarden Nutzern aufgebaut. 360 Millionen Menschen abonnieren über das iPhone und andere Geräte Musik, kaufen Filme und mieten zusätzlichen Online-Speicher. Auch die Versicherung Apple Care sowie der Bezahldienst Apple Pay sorgen für Umsatz. Im vierten Quartal wuchs die Service-Sparte um 19 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar – bei einer Bruttomarge von gut 62 Prozent. Spekuliert wird zudem über neue Angebote wie einen Videodienst und eine Computerspieleplattform.

Zuletzt hat die Aktie wieder zugelegt. Eine Mehrzahl der Analysten empfiehlt den Wert zum Kauf. So hält Katy Huberty von Morgan Stanley eine Billionenbewertung wieder für möglich: Der iPhone-Verkauf stabilisiere sich und neue Abodienste seien zu erwarten. Allerdings ist die Apple-Aktie keine reine iPhone-Story mehr.

So hat Apple die vierteljährliche Veröffentlichung des iPhone-Absatzes eingestellt. Die Botschaft ist klar: „Hier gibt es nichts mehr zu sehen. Konzentriert euch auf den Gesamtkonzern, neue Wachstumsfelder.“ Apple will offenbar vom Wachstums- zum Substanzwert mit hohem Gewinn und guter Dividendenrendite werden.

Hersteller Nummer zwei: Samsung

Die direkte Alternative zu Apple ist Samsung. Die Koreaner sind weltweit Marktführer bei Android-Smartphones. Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sind die einzige verbliebene Alternative zu Apples iOS, seit Microsoft- und Blackberry-Smartphones kaum noch gefragt sind.

Im Heer der Android-Anbieter erzielt Samsung wiederum die größte Gewinnmarge. Aber auch Samsung spürt die harten Zeiten: Im dritten Quartal 2018 sank der Smartphone-Umsatz um zehn Prozent, der Stückabsatz sei jedoch „unverändert“ zum Vorjahr gewesen. Samsung steckt viel Geld in Marketing, um einen Absturz zu verhindern. Auch für das 4. Quartal 2018 hat Samsung bereits vor fallenden Umsätzen gewarnt, vor allem wegen „harten Wettbewerbs bei Smartphones“ und einer „Schwäche bei Speicherchips“.

Ob der Samsung-Konzern, der 20 Prozent aller Android-Smartphones verkauft, von Apples Problemen profitieren kann, wird der 20. Februar zeigen. Dann stellen die Koreaner weltweit das neue Flaggschiff Galaxy 10 vor und vermutlich neben einer neuen Smart-Watch auch einen Prototyp mit faltbarem Display, der ausgeklappt die Größe eines Tablets erreichen soll. Neben Apple ist Samsung der einzige Hersteller mit eigener Chip- und Displayentwicklung, zudem Marktführer bei Speicherchips. Mark Newman von Sanford C. Bernstein rät zum Kauf der Aktie: der Wert sei „extrem billig“ und habe nur noch wenig Abwärtspotenzial. 

Hersteller Nummer drei: Lenovo

Der Konzern ist im Smartphone-Markt nur noch eine kleine Nummer; Markforscher führen den chinesischen Konzern unter „Sonstiges“. Das Management wollte vor einigen Jahren Samsung und Apple überholen und Marktführer werden – auch mithilfe der Übernahme von Motorola. Das Vorhaben scheiterte krachend trotz Neuausrichtungen.

Damit wirkt sich aber der Abschwung auf dem Smartphone-Markt nur noch bedingt auf die Zahlen des Elektronikkonzerns aus. Dafür sind das PC- und Server-Geschäft entscheidender – beide entwickeln sich solide. Im zweiten Geschäftsquartal bis Ende September stieg der Umsatz um 14 Prozent auf 13,38 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn auf 168 Millionen Dollar. Die Umstrukturierung der vergangenen Jahre zeigt Wirkung.

Das gilt auch fürs Smartphone-Geschäft. Lenovo hat Kosten gesenkt, das Portfolio verkleinert und sich auf lukrative Märkte beschränkt. Die Marke Motorola ist wieder an der Gewinnschwelle angekommen. Nun hofft das Management, mit der Einführung neuer Technologien wie dem Mobilfunkstandard 5G eine weitere Chance zu bekommen.

Die meisten Analysten raten zum Kauf der Aktie. Das ist optimistisch, zumal der Wert in den zwölf Monaten rund 17 Prozent zugelegt hat. Goldman Sachs etwa lobt Fortschritte im Mobilfunkgeschäft.

Hersteller Nummer vier: Xiaomi

Der chinesische Hersteller ist nach dem Kurssturz der Geheimtipp für Wagemutige. Die Aktie wird in Hongkong gehandelt, ist außerbörslich auch in anderen Ländern erhältlich, mitunter aber zu deutlich höheren Kosten. Von 27 von Reuters befragten Analysten empfehlen 20, Xiaomi zu kaufen oder überzugewichten, „outperform“, keiner rät zum Verkauf.

Als riskant gilt die hohe Abhängigkeit vom Smartphone-Umsatz mit gut 70 Prozent. Zum Vergleich: Bei Apple sind es gut 68 Prozent. Aber auch Xiaomi setzt bereits auf Dienstleistungen: Rund 160 Millionen Menschen haben Xiaomi-Web-Dienste abonniert. In Indien, dem am schnellsten wachsenden Markt laut dem Marktforscher Canalsys, war Xiaomi 2018 Marktführer bei Smartphones mit 30 Prozent Marktanteil vor Samsung. Apple rangiert unter „Sonstigen“. Allerdings rechnen Analysten auf absehbare Zeit nicht damit, dass die Chinesen Gewinn machen. Wachstum steht laut dem Management klar im Vordergrund.

Zulieferer und Hersteller Das Ende des Smartphone-Booms trifft auch Zulieferer hart. Foxconn beispielsweise hat seit Herbst mehr als 15 Prozent an Wert verloren. Das chinesische Unternehmen, an der Börse als Hon Hai Precision gelistet, baut vor allem im Auftrag von Apple Millionen von Smartphones zusammen – seit im Herbst die ersten Hiobsbotschaften publik wurden, sinkt der Kurs.

Auch kleine Zulieferer wie AMS kämpfen: Der Sensorenhersteller aus Österreich verzeichnete im vierten Quartal 2018 deutlich schlechtere Zahlen als im Vorjahr und strich die Dividende. Nach der Veröffentlichung Anfang Februar brach der Kurs an einem Tag 13 Prozent ein. AMS verweist auf schwache Kundennachfrage. Apple verbaut 3D-Sensoren von AMS in seinen Geräten. Auch Infineon warnt trotz guter Quartalszahlen vor einem „schwieriger werdenden Umfeld“. Die ganze Industrie verlangt von Anlegern offenbar Mut und Ausdauer.

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