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Anlagestrategie Wie Profi-Investoren sich gegen die drohende Rezession absichern

Viele Vermögensverwalter haben die Aktienanteile in ihren Portfolios verringert. Sie setzen auf Anleihen – und suchen nach „sicheren Aktien für unsichere Zeiten“.
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Einige Fondsmanager setzen auf europäische Staatsanleihen, andere auf Firmen aus binnenorientierten Ökonomien wie den USA. Quelle: AFP
Händler an der Wall Street

Einige Fondsmanager setzen auf europäische Staatsanleihen, andere auf Firmen aus binnenorientierten Ökonomien wie den USA.

(Foto: AFP)

Frankfurt Der Handelsstreit zwischen den USA und China, politische Querelen wie der Brexit oder die Regierungskrise in Italien und Rezessionsangst: Kein Wunder, dass sich an den Aktienmärkten mit dem August der wohl schlechteste Börsenmonat anbahnt. Der deutsche Leitindex Dax und auch der führende Euro-Zonen-Index Euro Stoxx 50 haben im August schon mehr als sechs Prozent verloren.

Anleger sorgen sich um ihr Erspartes und haben Aktien aus den Depots geworfen. Und auch professionelle Investoren fahren eine vorsichtigere Strategie als noch zu Jahresanfang. Namhafte Vermögensverwalter haben die Aktienquoten in ihren Portfolios zurückgefahren.

Einige suchen sichere Häfen auf, legen ihr Geld also in als wertstabil geltenden Staatsanleihen an. Andere haben ihre Liquiditätsquote hochgefahren, um Kursgewinne mitzunehmen – und Kapital parat zu haben, um nach einem weiteren Kursrutsch günstiger wieder einsteigen zu können.

„Nach einem fulminanten Jahresstart befinden sich die Märkte seit einiger Zeit erwartungsgemäß in einem notwendigen ‚Verdauungsprozess‘, sagt Stefan Keitel, Chefanlagestratege der Sparkassenfondstochter Deka. Auf mehreren Ebenen ist in die Aktienkurse zu viel Positives eingepreist worden: So seien die Hoffnungen auf sinkende Zinsen und die Erwartungen vor allem an die US-Notenbank Fed viel zu hoch gewesen, stellt er fest.

Auch die Erwartung, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen im vierten Quartal 2019 und im Jahr 2020 deutlich steigt, erscheint Keitel aufgrund der globalen Wachstumsschwäche aktuell zu optimistisch. „Anhaltend negative Revisionen in den Gewinnschätzungen der Analysten könnten die Märkte fundamental weiter belasten“, fürchtet er.

Nach den jüngsten schwachen Zahlen für das deutsche Wachstum – im zweiten Quartal ist die Wirtschaft um 0,1 Prozent geschrumpft, Ökonomen erwarten ein noch schlechteres drittes Quartal – verwundert es nicht, dass an den Börsen die Rezessionsangst umgeht. Und das gilt nicht nur für Deutschland. „Es droht eine Rezession, vor allem in Europa“, sagt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Deshalb seien die Investoren an den Aktienmärkten so nervös.

Das zweite Börsenhalbjahr könnte „ruppiger“ werden

Auch Max Holzer, leitender Fondsmanager beim genossenschaftlichen Fondshaus Union Investment, rechnet nicht mit einer schnellen Beruhigung der Lage. Der Handelsstreit als Hauptursache für die schwache Konjunkturlage dürfte weiter schwelen, erklärt er. Das globale Wirtschaftswachstum werde weiter zurückgehen.

Bestätigt fühlen sich die Konjunktur-Pessimisten auch durch den US-Anleihemarkt, wo zweijährige Staatsbonds inzwischen mehr Rendite abwerfen als zehnjährige Papiere. „In der Vergangenheit ging allen US-Rezessionen eine solche Inversion der Zinsstrukturkurve voraus, allerdings folgte nicht auf jede Inversion eine Rezession“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Außerdem habe es im Schnitt knapp zwei Jahre gedauert, bis der Abschwung kam.

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Unterm Strich rechnen die Fondslenker kurzfristig mit weiteren Kursverlusten bei Aktien. Die Gefahr für eine Fortsetzung der Korrektur sei gegeben, meint Keitel von der Deka. „Das zweite Halbjahr wird ruppiger an den Börsen werden als das erste“, erwartet auch Herrmann von Blackrock. „Eine breit angelegte Aufwärtsentwicklung wie im ersten Halbjahr ist in den kommenden Monaten bei Risikoanlagen nicht zu erwarten“, sagt Holzer von Union Investment.

Das „Diktum“, wonach Aktien im Niedrigzinsumfeld von der Alternativlosigkeit besserer Anlagemöglichkeiten profitierten, „verliert an Attraktivität, solange die Wirtschaftsdaten nicht erneut ins Positive drehen“, erklärt Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. Vor allem US-Aktien können seiner Ansicht nach kurzfristig weiter nachgeben – nicht zuletzt aufgrund zu euphorischer Gewinnschätzungen vor allem im Finanzsektor. Ohnehin gehört die Marktphase von August bis Oktober statistisch betrachtet zur schwächsten Periode innerhalb eines Kalenderjahres, wie Keitel ergänzt.

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Noch Luft nach unten bei Aktien erkennt auch Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. „Aktien haben sich fast noch zu gut gehalten im Vergleich zu dem, was an der ökonomischen und politischen Front passiert“, meint er. So haben sich US-Aktien in diesem Jahr bisher nur rund sechs Prozent von ihrem Hoch entfernt, während die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen sich aber seit Anfang Januar halbierten und der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten um ein Fünftel gestiegen ist.

Grund: Echte Alternativen zu erstklassigen Aktien seien für Investoren kaum noch vorhanden, findet er. „Die meisten Anleihen sind wie heiße Kartoffeln, die keiner mehr langfristig in die Hand nehmen will.“ Das liegt daran, dass nach den starken Anstiegen ein Verlust sehr wahrscheinlich ist. Eine Rezession in Deutschland wäre keine Überraschung, meint auch Vorndran – aber es gehe nicht um einen drastischen Einbruch der Wirtschaft, sondern um ein überschaubares Minus, von dem viele Bürger kaum etwas merken würden, schränkt er ein.

Die Aktienfavoriten der Fondsmanager
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