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Anlagestrategie Zweifel an Geldpolitik der EZB: Was Fondsmanager jetzt Anlegern raten

Die EZB wird die Zinsen wohl weiter senken, kann aber nicht mehr viel ausrichten. Prominente Vermögensverwalter zweifeln an der Geldpolitik.
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Prominente Fondsmanager blicken kritisch auf die Geldpolitik der EZB. Quelle: dpa
Europäische Zentralbank

Prominente Fondsmanager blicken kritisch auf die Geldpolitik der EZB.

(Foto: dpa)

Frankfurt Viel konnten Investoren im laufenden Jahr nicht falsch machen. Egal ob Aktien, Anleihen oder Gold – die Kurse sind überall kräftig gestiegen. Das freut Fondsmanager natürlich, aber sie sehen an der Sache einen großen Haken. „Vor allem die Geldpolitik treibt die Märkte, aber sie wird gerade in unseren Breitengraden zunehmend uneffektiv“, meint Frank Engels, Chefanlagestratege beim genossenschaftlichen Fondshaus Union Investment.

Ingo Mainert, Chefanlagestratege für Mischstrategien bei Allianz Global Investors, stimmte ihm bei einer Diskussion der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) zu: Noch würden es die Zentralbanken schaffen, „den Kapitalmarkt zu sedieren“, aber der weitere Nutzen der Geldpolitik sei fraglich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im September den Satz für Einlagen an Banken noch tiefer ins Minus gesenkt. Zudem will sie ab November ihre umstrittenen Anleihekäufe wieder aufnehmen, die erst zu Jahresanfang beendet worden waren. Der Leitzins für Ausleihungen an Banken in der Euro-Zone wird noch so lange bei null bleiben, bis sich der Inflationsausblick in der Euro-Zone nachhaltig verbessert.

In den USA lockert die Notenbank Fed ihre Geldpolitik ebenfalls. Seit Januar hat sie den Leitzins in zwei Schritten um insgesamt einen halben Prozentpunkte auf ein Band von 1,75 bis zwei Prozent gesenkt. Engels rechnet in den nächsten 18 Monaten mit noch drei weiteren Zinssenkungen der Fed. Noch Ende vergangenen Jahr hatten die Notenbanken die Märkte auf Zinserhöhungen eingestimmt, die Kehrtwende der Notenbanken läutete auch die Wende hin zum positiven an den Börsen ein.

Auch Henning Gebhardt, der bis vor kurzem das Vermögens- und Asset Management der Privatbank Berenberg leitete und zuvor mehr als 20 Jahre Aktienfonds für die Deutsche-Bank-Tochter DWS managte, zweifelt daran, dass sich die positive Entwicklung der Börsen so wie bisher fortsetzen wird.

Man dürfe die diesjährige Rally nicht isoliert betrachten. Tatsächlich notiert der Dax, der seit Januar rund 20 Prozent zugelegt hat, letztlich nur auf dem Niveau vom April 2017. In Europa bewegt sich der breite Index Stoxx 600 sogar seit August 2015 letztlich seitwärts – natürlich unter deutlichen Schwankungen.

Unsicherheit steigt

In den USA haben die Märkte deutlich stärker zugelegt, und hier hat die Geldpolitik nach Meinung vieler Experten angesichts des höheren Zinsniveaus mehr Möglichkeiten als die EZB, um die Wirtschaft zumindest etwas weiter zu stimulieren. Dennoch sind die Strategen auch mit Blick auf die USA skeptisch. Viele Rahmendaten sind unter US-Präsident Donald Trump unsicherer geworden und hemmten Investitionen, betont Gebhardt. Noch hielten zwar die Konsumenten die US-Wirtschaft und damit auch den S&P 500 am Laufen, doch Anleger sollten die Stimmung der amerikanischen Verbraucher genau im Auge behalten.

Engels ist mit Blick auf die USA etwas zuversichtlicher. In Wahljahren entwickelten sich die Börsen in der Regel gut, betont er. Der Anlagestratege hält es für möglich, dass in den USA vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020 ein Fiskalpaket geschnürt wird. Auch in Europa werden Fiskalpakete diskutiert, doch hier hat Engels nicht allzu viel Hoffnung. Fiskalische Maßnahmen wirkten nur in Verbindung mit einer vernünftigen Strukturpolitik. Davon sei zum Beispiel Deutschland aber noch „meilenweit entfernt“.

Gold als Krisenwährung

In ihrer Anlagestrategie werden die Experten insgesamt vorsichtiger. „Wir sind nicht negativ mit Blick auf die Märkte, aber auch nicht bullish“, sagt Engels. In Aktien ist Union Investment eher neutral investiert, gewichtet Aktien in gemischten Portfolios also im Vergleich zu den jeweiligen Benchmark-Indizes weder deutlich über noch unter.

Eine überraschende Einigung im Brexit könnte Europas Märkten kurzfristig Rückenwind verleihen, prognostizierten die Experten im Vorfeld. Und tatsächlich: Die Einigung im Brexit-Streit beflügelte am Donnerstagvormittag Börsen und Devisenmärkte. Endgültig gelöst ist das Brexit-Problem aber noch nicht, denn das EU-Parlament und das britische Unterhaus müssen das Abkommen erst noch ratifizieren – und die nordirische DUP meldete zuletzt, die aktuelle Lösung nicht mittragen zu wollen. Die Anlagestrategen warnen: Bei einem harten Brexit würden die Risikoprämien auf alle europäischen Aktien steigen, weil sich dann internationale Investoren noch stärker aus Europa zurückziehen würden.

Mit Blick auf verschiedene Branchen betont Engels, dass es zum Beispiel bei allem, was mit Digitalisierung zu tun habe, keine Gewinnrezession gebe. Bei Anleihen bevorzugt Union Investment Zinspapiere aus den Euro-Randländern und Firmenbonds. Beide dürften von den geplanten Anleihekäufen der EZB profitieren. Gold gehört laut Engels als Krisenwährung in jedes gemischte Portfolio.

Goldkauf: „Wer sein Portfolio absichern will, sollte die Gelegenheit jetzt nutzen“

Mainert von Allianz Global Investors ist mit Blick auf Aktien für das kommende Jahr vorsichtig. Er rechnet mit einer „Schaukelbörse“, also schwankenden, aber sich unter dem Strich seitwärts bewegenden Aktienmärkten. Noch sei man „risikoreich, aber nervös investiert“.

Letztlich setzt Mainert darauf, dass sich die Wirtschaft und die Börsen „durchwursteln werden“. Die Rezessionswahrscheinlichkeit ist in den Modellen seines Hauses zwar auf über 50 Prozent gestiegen. Doch selbst wenn es so komme, werde die Rezession nicht so schlimm ausfallen wie im Jahr 2008, sondern eher eine „Wald- und Wiesenrezession“ sein.

Gebhardt rät dazu, Standardaktien im Portfolio zu reduzieren. Entscheidende Kriterien für die Aktienauswahl seien der freie Cashflow – also der Mittelüberschuss, den Unternehmen auch nach Abzug aller Investitionskosten verdienen – und Wachstum der Unternehmen. Um Rendite zu erzielen, müssten Investoren zudem „mehr unternehmerische Risiken“ eingehen, also auch zum Beispiel in Private Equity – also in Beteiligungsfonds für nicht börsennotierte Unternehmen – investieren.

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