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Anlagestrategien Nachranganleihen sind eine riskante Wette auf die Finanzbranche

Italien-Krise und Ausverkauf am Aktienmarkt haben 2018 die Kurse vieler Nachranganleihen extrem gedrückt. Jetzt könnte es für die Bonds wieder aufwärtsgehen.
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Nachranganleihen von Geldhäusern bieten Schutz vor Zinsanstieg. Quelle: Hans F. Daniel/darchinger.com
Frankfurter Bankenviertel

Nachranganleihen von Geldhäusern bieten Schutz vor Zinsanstieg.

(Foto: Hans F. Daniel/darchinger.com)

Frankfurt Die Rendite klingt zu gut, um wahr zu sein: Knapp 13 Prozent pro Jahr können Anleger mit einem festverzinslichen Wertpapier der Deutschen Bank verdienen. So viel wirft derzeit ein sogenannter Coco-Bond des Geldinstitutes ab, eine besonders riskante Form der Nachranganleihe. Parallel zum Aktienkurs der Deutschen Bank ist auch der Kurs der Coco-Anleihe um mehr als 20 Prozent abgestürzt, die Rendite entsprechend nach oben geschnellt.

Wie der Coco der Deutschen Bank haben auch andere Nachranganleihen von Geldinstituten zuletzt deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. Indizes mit Nachrangpapieren europäischer Banken notieren auf Sicht von zwölf Monaten zwischen drei und rund fünf Prozent im Minus. Experten zufolge sind die Papiere derzeit günstig. Doch wer jetzt einsteigt, geht eine riskante Wette auf eine Renaissance des Finanzsektors ein.

Nachranganleihen sind eine spekulative Nische auf dem Bondmarkt. Im Fall einer Insolvenz werden Nachranggläubiger erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld aus der Insolvenzmasse erhalten haben. Das Risiko im Fall einer Pleite leer auszugehen, ist also deutlich höher. Dafür winken höhere Zinszahlungen.

Die größten Emittenten von Nachranganleihen sind Banken und Versicherungen. Auch innerhalb des Segments gibt es große Unterschiede: Coco-Bonds können im Krisenfall zwangsweise in Aktien umgewandelt werden. Sie bilden einen Notpuffer, um im Ernstfall das Eigenkapital einer Bank in Schieflage stärken zu können

Bei anderen Nachranganleihen sind eine Vielzahl von Bedingungen möglich, die das Wertpapier riskanter machen – etwa, dass Zinszahlungen von der Dividende abhängen. Weil Nachranganleihen aktienähnliche Eigenschaften besitzen, schwanken sie mitunter auch ähnlich stark.

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Diese Erfahrung hat auch Andreas Meyer, Co-Manager des knapp eine Milliarde schweren Nachranganleihefonds Aramea Rendite Plus gemacht. „Nicht nur für Aktien, auch für Nachranganleihen war 2018 extrem herausfordernd“, sagt er. „Gerade in wilden Phasen wie der des Haushaltsstreits in Italien wurden besonders Banken und Versicherungen abgestraft.“

Bessere Bilanzen

Doch aus seiner Sicht stehen die Chancen gut, dass 2019 besser wird: „Zwar wird Volatilität an den Märkten aufgrund von Brexit-Sorgen und Handelskriegen kurzfristig bleiben.“ Fundamental stünden Banken und Versicherungen aber so gut da wie lange nicht. „Die europäischen Banken sind am Ende ihrer Bilanzreparatur angekommen“, sagt auch Martin Achter, Fondsmanager bei Bayern Invest, der Vermögensverwaltung der BayernLB.

Die Geldhäuser hätten ihre durchschnittliche Kernkapitalquote seit der Finanzkrise von rund sieben auf etwa 14 Prozent verdoppelt. Zwar dominierten Problemfälle wie die italienische Banca Carige, die HSH Nordbank oder auch die Deutsche Bank die Schlagzeilen. „Aber auf breiter Basis sind die europäischen Banken gut aufgestellt.“

Wer einen Teil seines Portfolios in den Finanzsektor investieren will, war in der Vergangenheit mit Nachranganleihen zudem besser bedient als mit den jeweiligen Aktien der Geldhäuser.

Während der Branchenindex Eurostoxx Financials auf Jahressicht 30 Prozent im Minus notiert, fällt das Minus bei dem vergleichbaren Nachrangindex mit drei Prozent deutlich geringer aus. Seit 2011 hat der Bankaktienindex rund 15 Prozent zugelegt, der Nachranganleihen-Index rund 70 Prozent. „Wenn man das Thema Banken und Versicherungen spielen will, macht es mehr Sinn, das über Nachranganleihen zu tun“, sagt Achter.

Puffer gegen Kursverluste

Hinzu kommt: Heben die Notenbanken wie zuletzt in den USA die Leitzinsen an, sinken meist die Kurse von Staats- und Unternehmensanleihen. Weil bei Nachranganleihen das Ausfallrisiko einen größeren Einfluss hat, reagieren sie deutlich weniger stark auf Zinsanhebungen. „Anleger können so ihr Rentenportfolio diversifizieren“, sagt Aramea-Manager Meyer.

Zudem sind die fixen Zinszahlungen, der sogenannte Kupon, bei Nachranganleihen deutlich höher als bei herkömmlichen Anleihen. „Selbst wenn es noch einmal zu einer Ausweitung der Risikoaufschläge kommen sollte, haben Anleger immer noch einen Puffer gegen Kursverluste“, ergänzt Achter.

Doch für das Rendite-Plus müssen Anleger auch mehr riskieren: „Wenn Investoren generell Risiko-Assets aus ihren Portfolios schmeißen, bleiben Nachranganleihen davon nicht unberührt“, sagt Fondsmanager Meyer. Insbesondere bei einem Wiederaufflammen der Haushaltskrise in Italien dürften Nachranganleihen aus dem Finanzsektor gehörig unter Druck geraten.

So sind beispielsweise die Commerzbank, aber auch große Versicherer wie die Allianz oder Axa stark in Italien engagiert, sagt Meyer. „Diese Faktoren beobachtet der Markt bewusst.”

Sorgen bereitet zudem, dass viele europäische Banken kaum profitabel sind. So schreibt Nigel Myer, Bankexperte der Commerzbank, in einer Analyse: „Wir stellen fest, dass sich die Gesamterlöse der Branche im Abwärtstrend befinden.“ Während die Margen sinken, blieben die Kosten bei vielen Instituten hoch. Trotz zahlreicher Effizienzsteigerungsprogramme habe sich „wenig verändert“, so Myer.

Angst um ihr Geld müssten Anleihe-Investoren nicht haben, versichert Fondsmanager Achter: „Ich sehe für Nachranganleihen keine Gefahr, solange von der Seite der Staatsanleihen kein Druck aufkommt.“ Schwankungen müssten Anleger aushalten. „Aber aus Sicht eines mehrjährigen Anlagehorizonts befinden wir uns in einer attraktiven Phase, um in den Markt einzusteigen.“

Zwar gibt es einzelne Nachranganleihen in der für Privatanleger geeigneten Stückelung von 1000 Euro. Doch angesichts der Kreditrisiken sollten Anleger die Auswahl geeigneter Titel eher Profis überlassen. Praktisch alle großen deutschen und ausländischen Vermögensverwalter bieten entsprechende Fondsprodukte an. Der Aramea Rendite Plus (A0NEKQ) sowie der UniInstitutional Euro Subordinated (WKN: A1127A) von Union Investment haben ein Fünf-Sterne-Ranking des Fondsanalysehauses Morningstar.

Der Bayern Invest Subordinated Bond Fund wiederum (WKN: A0ETKV) ist vergleichsweise glimpflich durch den Ausverkauf in dem Marktsegment gekommen.

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