Anlageverhalten der Deutschen Lieber Inflationsverlust als Negativzinsen

Strafzinsen sind ein rotes Tuch für deutsche Kleinsparer. Es herrscht hier Nulltoleranz, wie eine Umfrage ergeben hat. Einen „auffälligen Widerspruch“ gibt es aber bei Anlagen am Kapitalmarkt.
Update: 04.12.2017 - 18:06 Uhr Kommentieren
Die Einträge Zins und Bar sind in einem Sparbuch zu sehen. Negativzinsen sind verhasst, doch die Anleger interessiert es nicht, dass ihre investierten Gelder real – also nach Abzug der Inflationsrate - schrumpfen. Quelle: dpa
Sparbuch

Die Einträge Zins und Bar sind in einem Sparbuch zu sehen. Negativzinsen sind verhasst, doch die Anleger interessiert es nicht, dass ihre investierten Gelder real – also nach Abzug der Inflationsrate - schrumpfen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Deutschen hassen Negativzinsen. Dass sie heute real bereits unter negativen Zinsen leiden, spielt dabei keine Rolle. Es zählt, was nominal bezahlt wird. Denn die Wirklichkeit sieht so aus: Investieren Anleger etwa in zehnjährige Bundesanleihen, erzielen sie derzeit eine Rendite von gut 0,3 Prozent im Jahr. Dagegen steht eine leicht gestiegene, jährliche Inflationsrate von 1,5 Prozent im November. Doch die Anleger interessiert es nicht, dass ihre investierten Gelder real – also nach Abzug der Inflationsrate – schrumpfen.

In Deutschland gibt es einige Banken, die Strafzinsen von ihren Privatkunden verlangen. Nach einer Aufstellung der Internetseite „Tagesgeldvergleich.net“ sind es insgesamt 18 Banken. Darunter arbeiten die Ethikbank und die GLS Bank bundesweit. Beim Rest handelt es sich um regionale Spieler, vor allem Volks- und Raiffeisenbanken wie die Volksbank Baden-Baden und die Skatbank.

Wenn die rote Linie überschritten wird und Banken auf breiter Front Negativzinsen auf Bankeinlagen einführen, droht die Gefahr einer Flucht der Gelder, hat die Studie ergeben, bei der 3100 Kunden von ING-Diba befragt wurden. Nach den Worten von Martin Weber, Professor der Universität Mannheim, würden 36 Prozent der Sparer in diesem Fall ihr Geld vom Konto abheben. Weitere 14 Prozent würden sich für eine Anlage mit mehr Risiko entscheiden, wie das beispielsweise Aktien sind, ergebe die ZEW-Umfrage. Offenbar legen die Deutschen in so einem Fall lieber ihr Geld unter das Kopfkissen und akzeptieren es nicht, dass sie weniger zurückbekommen als sie auf ihr Konto eingezahlt haben.

Klar ist: Niedrig- oder gar unverzinste Sparprodukte sind weiterhin der Deutschen liebstes Kind, wie Martin Schmidberger von der Bank ING-Diba betont. Der Generalbevollmächtigte des Instituts verweist auf Berechnungen der Bundesbank zum Geldvermögen der Deutschen, das sich insgesamt auf knapp 5,6 Billionen Euro beläuft. Davon ist der Großteil mit 2,2 Billionen Euro Bargeld und Einlagen, gleich gefolgt von Versicherungen mit 2,1 Billionen Euro. Gerade Bargeld erfreue sich seit 2013 wachsender Beliebtheit und habe sich in Deutschland mit heute 180 Milliarden Euro fast verdoppelt, sagt Schmidberger. Ein ähnliches Bild spiegelt sich bei Spareinlagen wider. Da können Investmentfonds und Aktien nicht mithalten.

Insgesamt zeigt sich: An das Niedrigzinsumfeld haben sich die Deutschen gewöhnt, wie Forscher Weber konstatiert. Noch vor ein bis zwei Jahren wäre das undenkbar gewesen. Aber die Minizinsen haben nach der Umfrage immer weniger Einfluss darauf, wie viel in Deutschland gespart wird. Ein Beispiel: Während liquide Sparprodukte wie Tagesgeld im vergangenen Jahr bei der gleichen Umfrage an Attraktivität eingebüßt hatten, sind 2017 diese Sparprodukte trotz anhaltender Niedrigzinsen wieder etwas attraktiver geworden. Das sehen insbesondere Sparer so, die ohnehin über ein geringes Finanzvermögen verfügen.

Viele Europäer sehen ihre finanzielle Situation kritisch. Bei 25 Prozent bleibt am Ende des Monats nichts übrig. Oft reicht das monatliche Budget kaum für die laufenden Kosten. Für weitere 39 Prozent sind ungeplante Ausgaben ein Problem, dem sie sich stellen müssen. Das ergibt die Schuldenweltenstudie des Forderungsmanagers KRUK. Auch die Deutschen stehen nicht viel besser da.

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