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Anlageverhalten Was Männer bei der Geldanlage von Frauen lernen können

Frauen investieren zurückhaltender als Männer, informieren sich aber besser. Das macht erfolgreich und wird auch von der Finanzindustrie erkannt.
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Gemäß der Studie betrachten Frauen den Markt länger, ehe sie investieren. Quelle: Ikon Images/Getty Images
Anlagestrategie

Gemäß der Studie betrachten Frauen den Markt länger, ehe sie investieren.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

Frankfurt, New York Das gängige Klischee scheint sich zu bestätigen: Frauen sind zurückhaltender als Männer beim Thema Geldanlage und halten sich für weniger wissend, wie Studien zeigen. Zwar befassen sie sich gründlicher mit Geldfragen und agieren vorsichtiger, wie mehrere Studien ergeben. Doch ihr Interesse an Finanzen und dem Kapitalmarkt mit seinen Renditechancen ist relativ gering. Auf den Finanzbedarf der Frauen stellen sich Anlageprofis wie Vermögensverwalter zunehmend ein.

„Besonders Frauen kämpfen mit Wissenslücken in Sachen Geldanlage“, resümiert Monika Tautorus, Spezialistin für Vorsorgeprodukte beim Versicherer Axa, eine Umfrage des Hauses zum Anlageverhalten der Deutschen. Demnach halten sich mit 28 Prozent doppelt so viele Frauen wie Männer völlig ratlos, wenn es um die Frage geht, mit welchen Geldanlagen sie ihr Vermögen langfristig am besten aufbauen können.

Dabei seien es gerade Frauen, die im Alter häufiger mit einer Vorsorgelücke zu kämpfen hätten und sich deshalb vermehrt mit dem Thema einer ertragreichen Geldanlage auseinandersetzen sollten, mahnt sie. Gleichwohl sind Frauen, wenn sie sich denn mit Geldangelegenheiten beschäftigen, gründlicher als Männer.

So beobachten Frauen der Axa-Studie zufolge den Markt länger, bevor sie handeln, machen sich Notizen, nutzen Musterdepots, analysieren, holen sich professionellen Rat. „Frauen gehen den richtigen Weg, indem sie sich informieren und Unterstützung einholen“, sagt Expertin Tautorus.

Eine solche Vorbereitung kostet zwar Zeit, ist aber nicht unbedingt schlecht, wie auch Agnieszka Gehring, Analystin beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch, bestätigt: „Zurückhaltung muss nichts Negatives bedeuten, sofern sich daraus Vorsicht ergibt – und keine Angst.“

Dann könne diese Eigenschaft dabei helfen, überlegte und sinnvolle Investmententscheidungen zu treffen. Mit der weiblichen Zurückhaltung einher geht auch eine andere Eigenschaft in Sachen Geldanlage, die Experten positiv auslegen. Frauen sind seltener dazu geneigt, ihre Anlagen umzuschichten, ist die Erfahrung von Frauke Hegemann, Generalbevollmächtigte der Direktbank Comdirect.

Sie hat gemeinsam mit Arbeitskolleginnen die Initiative Finanzheldinnen ins Leben gerufen, die Frauen für Finanzen begeistern soll. „Männer können von Frauen auf jeden Fall lernen, ruhiger zu agieren – auch in stürmischen Zeiten. Frauen agieren an der Börse nämlich häufig viel langfristiger, streuen ihr Risiko breiter und bleiben ihrer Strategie eher treu“, sagt sie.

Frauen präferieren Fonds gegenüber Einzelaktien

Männer dagegen handeln ihre Wertpapiere impulsiv, um beispielsweise aus steigenden Kursen noch mehr Gewinn zu schlagen. Ein Slalom, der nicht nur Energie, sondern auch Geld kostet.
Dadurch, dass Frauen in der Geldanlage einen längeren Atem haben, handeln sie den Umfragen zufolge weniger Wertpapiere – und sparen Kauf- und Verkaufgebühren.

Zum anderen gleichen sie Verluste infolge temporärer Kursrückschläge oft aus, indem sie ausharren. Zusätzlich präferieren Frauen demnach Fonds gegenüber Einzelaktien. Bei den Männern sei es genau andersherum. So streuen weibliche Anleger ihr Risiko stärker über verschiedenen Aktien.

Trotz aller Gründlichkeit ist das Interesse der Frauen an Finanzen generell deutlich geringer als das von Männern, wie die Flossbach-Studie zeigt. Nur jede fünfte Frau legt Geld demnach in Aktien oder in Fonds an, dafür aber doppelt so viele Männer.
Gehring von Flossbach von Storch warnt daher vor der weiblichen Kapitulation: „Frauen sind gut beraten, sich mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen und für das Alter vorzusorgen.

Denn wenn sie es nicht tun und dann in Not geraten, müssen sie ins kalte Wasser springen und schwimmen lernen.“ Noch lieber als in Fonds stecken Frauen ihr Geld trotz der anhaltend niedrigen Zinsen nämlich in Sparbücher, wie aus der Studie hervorgeht. Jede dritte Frau packt demnach das Geld auf ein Sparbuch, wenn sie etwa zur Geburt eines Enkelkindes 18 Jahre monatlich 100 Euro zurücklegen müsste.

Dagegen würde etwa nur jeder sechste Mann so handeln. Frauen zahlen zwar häufig die Rechnungen im Tagesgeschäft. Doch immer noch kümmern sich zu wenige um die langfristige Finanzplanung. Der Anteil der Frauen, die diese Planung selbst in die Hand nehmen, liegt bei nur 23 Prozent, wie aus einer weltweiten Studie der Schweizer Bank UBS hervorgeht.

Nur in 19 Prozent der Fälle kümmern sich die Partner gleichberechtigt ums Anlegen. In den meisten Fällen überlassen Frauen das Thema ihren Männern. Oft, weil sie glauben, dass sich der Ehepartner ohnehin besser auskenne, oder weil er sie nie ermutigt hat, bei wichtigen Entscheidungen mit am Tisch zu sitzen.

Das hat sich auch bei der jungen Generation nicht geändert. Weibliche Millennials, die derzeit 20 bis 40 Jahre alt sind, überlassen das Feld sogar noch etwas häufiger ihren Partnern als ältere Frauen.
Ein teurer Fehler, meint Marielle Schurig, Vermögensberaterin der UBS und Mitautorin der Studie. „Sich um langfristige Finanzen zu kümmern muss für junge Frauen Teil ihrer Routine werden“, sagt sie.

Wird der Ehemann krank oder stirbt, sind Frauen gefordert

Viel zu oft müssten Frauen erst dann die Kontrolle über die Finanzen übernehmen, wenn der Ehemann stirbt oder krank wird. Dann seien sie oft überlastet. Daher sei es besser, sich früh mit dem Thema zu befassen.
Vermögensverwalter haben Frauen längst als attraktive Zielgruppe entdeckt. Zum einen brauchen die weiblichen Kunden oft Hilfe, wenn ihr Mann stirbt oder eine Scheidung ansteht.

Zum anderen besetzen sie zunehmend Stellen in höheren Einkommensklassen. Und: Sie erben. Die UBS geht davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten Vermögen im Wert von 30 Billionen Dollar an Frauen vererbt wird.
In den USA ermutigt die bekannte Sallie Krawcheck Frauen seit Jahren zum Investieren.

Die ehemalige Chefin der Vermögensverwaltung bei der Bank of America war eine der wenigen Frauen, die es an der Wall Street nach oben geschafft hatten. In der Finanzkrise verlor sie ihren Job, gründete dann jedoch „Ellevest“, eine Plattform zum Vermögensaufbau, die sich speziell an Frauen richtet.

Auch in Deutschland gibt es neben Finanzberatung von und für Frauen erste Finanzportale wie „Hermoney“, die sich an weibliche Kunden richten. „86 Prozent der Vermögensverwalter sind Männer, mit einem durchschnittlichen Alter von über 50“, stellt Krawcheck klar. Das schrecke viele Frauen ab, weil sie sich nicht widergespiegelt und verstanden sehen.

Hochrechnungen zeigen demzufolge einen besonderen Anlagebedarf bei Frauen auf: Weil Frauen weniger verdienen als Männer, fehlen ihnen beim Eintritt ins Rentenalter 320.000 Dollar. Damit reicht ihr Erspartes sechs Jahre weniger, obwohl ihre Lebenserwartung um drei bis fünf Jahre höher ist als die der Männer. Doch die Umfragen wollen Mut machen: Viele Frauen brauchen offenbar einen Ruck, um sich mit Geldanlagen zu befassen.

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