Anlegen 2018 – Teil 14 Öl Was 2018 den Ölpreis bestimmt

Verbraucher mussten 2017 stark steigende Ölpreise hinnehmen. Hoffnung, dass sich dieser Trend wieder dreht, gibt es im neuen Jahr kaum. Der Grund: Das Ölkartell Opec findet Gefallen an seinen Markteingriffen.
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Die Organisation erdölexportierender Staaten kürzt gemeinsam mit zehn weiteren Nationen, darunter dem weltgrößten Ölproduzenten der Welt, Russland, auch 2018 weiter seine Produktion. Quelle: dpa
Ölförderung in Russland

Die Organisation erdölexportierender Staaten kürzt gemeinsam mit zehn weiteren Nationen, darunter dem weltgrößten Ölproduzenten der Welt, Russland, auch 2018 weiter seine Produktion.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Start ins neue Jahr hätte am Ölmarkt kaum ruppiger verlaufen können. Die Proteste im Iran treibt die Ölinvestoren um. Sie fürchten Produktionsausfälle und Angebotsengpässe. Das lässt den Ölpreis nach den ohnehin schon großen Preissprüngen im vergangenen Jahr noch weiter steigen. Ein Barrel (159 Liter) kostet nun 68 Dollar, so viel wie seit bald drei Jahren nicht.

Der kurzfristige Preisanstieg trifft auf einen Trend. Schon Ende November auf ihrer jüngsten Sitzung waren die Vertreter der in der Opec organisierten Ölstaaten so zufrieden wie lange nicht: Der saudi-arabische Ölminister Khalid Al-Falih und sein russisches Pendant Alexander Nowak versicherten sich ihrer guten Zusammenarbeit – sie seien „Schulter an Schulter vereint“. Der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh gab darüber hinaus zu Protokoll, dass eigentlich alle zufrieden mit den aktuellen Preisen seien. Warum auch nicht: 2017 war das Jahr mit den stärksten Ölpreissteigerungen seit 2011. Um fast 20 Prozent hat sich der Rohstoff im vergangenen Jahr verteuert.

Kein Wunder also, dass es praktisch keine Widerrede gab, als die Verlängerung der Förderkürzung bis Ende 2018 von der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen wurde. Wird das neue Jahr am Ölmarkt also eine langweilige Wiederholung von 2017, geprägt von Förderkürzungen des Kartells und steigenden Preisen?

Ganz so einfach ist es nicht: Vier wichtige Trends werden 2018 die weitere Entwicklung des Ölpreises bestimmen.

1. Das Ende der Förderkürzungen

Das Ölkartell Opec und seine Kürzungspolitik im Verein mit zehn weiteren Nationen, darunter Russland, werden auch in diesem Jahr ganz klar im Fokus der Ölpreis-Analysten stehen. Seit Anfang 2016 entzieht das Kartell dem Markt 1,8 Millionen Barrel (à 159 Liter) Öl pro Tag, um so das Überangebot abzubauen und die zuvor prall gefüllten Lagerbestände auf einen Fünf-Jahres-Schnitt zu senken.

Zweifelten zu Beginn zahlreiche Kritiker am Durchhaltevermögen der Förderstaaten, wurden sie von der Kürzungsallianz überrascht: Die Opec und ihre zehn Partner bleiben standfest und wollen bis Ende des Jahres an der Kürzung festhalten. Die Folgen sind am Ölmarkt spürbar, die Preise steigen – kein Wunder, schließlich stecken hinter der Allianz 24 Staaten, die knapp die Hälfte der weltweiten Ölförderung auf sich vereinen.

Diese Männer wollen den Ölpreis bestimmen
Treffen der Opec
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Treffen der Opec in Istanbul. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) würden die Fördermenge gerne begrenzen. Im September 2016 hatte das Ölkartell auch einen entsprechenden Plan verkündet. Passiert ist seitdem aber wenig. Die Skepsis wächst, dass es überhaupt zu einem Abkommen kommt. Diese Männer ringen um eine Einigung.

Saudi-Arabien
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Khalid al-Falih ist seit Mai 2016 Ölminister von Saudi-Arabien – und damit ein mächtiger Mann. Sein Land ist der wichtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 158 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 266 Milliarden Barrel

Venezuela
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Der venezolanische Öl- und Bergbauminiser Eulogio del Pino. Vor einigen Jahren überholte Venezuela Saudi-Arabien, was die größten Öl-Reserven der Welt angeht.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 36 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 301 Milliarden Barrel

Die folgenden Teilnehmer des OPEC-Treffens sind nach den Öl-Reserven ihrer Heimatländer sortiert. Quelle: OPEC

Iran
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Der iranische Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh. Im Handelsblatt-Interview hatte er schon früh die Position seines Landes deutlich gemacht, sobald die Sanktionen gegen das Land aufgehoben sind: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 27 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 158 Milliarden Barrel

Irak
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Adil Abd Al-Mahdi war bis 2016 irakische Ölminister. Auf ihn folgte Jabbar Ali Hussein Al-Luiebi.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 54 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 143 Milliarden Barrel

Kuwait
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Der Finanz- und Ölminister Kuwaits: Anas Khaled Al-Saleh.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 49 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 101 Milliarden Barrel

Vereinige Arabische Emirate
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Der Energie- und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al-Mazrouei.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 52 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 98 Milliarden Barrel

Auch die Internationale Energieagentur (IEA), die einst als Gegenstück zur Interessengruppe der Ölförderstaaten gegründet wurde, erkennt die Entschlossenheit an. Bis November 2017 hätte die Opec-Staaten ihre verabredeten Markteingriffe zu 91 Prozent umgesetzt. Im November hätten sie die selbstgesteckten Ziele sogar mit 115 Prozent übererfüllt. Die Lagerbestände der OECD lägen bei 2.940 Millionen Barrel nur noch 111 Millionen Barrel über dem von der Kürzungsallianz angepeilten Fünf-Jahres-Durchschnitt; zu Jahresbeginn betrug der Überschuss noch 340 Millionen Barrel. Jan Edelmann, Öl-Analyst der HSH-Nordbank, geht sogar noch weiter: Angesichts der gestiegenen Nachfrage in den Opec-Ländern sei das Kürzungsziel jetzt schon fast erreicht. Das Kartell ist also auf Kurs.

Nach Berechnungen von Goldman Sachs könnten die Kürzungen schon zur Hälfte des Jahres auslaufen – schlicht und ergreifend, weil die Allianz dann ihr Ziel erreicht haben dürfte.

Spätesten dann dürfte es Diskussionen in der Kürzungsallianz über die Frage geben, wie man aus der bisherigen Politik aussteigen sollte, wer seine Förderung wie stark erhöhen darf. Jan Edelmann rechnet damit, dass das Kartell und seine Mitstreiter ihre Produktion bis Jahresende schon wieder um 450.000 Barrel pro Tag erhöhen werden – was knapp einem Viertel der Kürzungsmaßnahmen entspräche. „Diese Prognose beruht in erster Linie auf der Annahme, dass die Opec zunächst die OECD-Öllagerbestände vollständig auf das Normalniveau zurückführen will und im Anschluss die Vorräte auf normalisierten Niveaus konstant zu halten versucht.“

Mit drastischen Preisbewegungen rechnet Edelmann daher nicht. Im Gegenteil: Im Jahresdurchschnitt werde ein Barrel der Nordseesorte Brent 60 Dollar kosten. Das wären sieben Dollar weniger als im Moment. Das heißt: Auch 2018 reißt das Ölkartell nicht die absolute Marktmacht an sich. Diese muss sich die Opec mit einem weiteren bedeutenden Player am Markt teilen: den Schieferölproduzenten.

Mehr Schieferöl, aber keine unkontrollierte Marktflutung
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6 Kommentare zu "Anlegen 2018 – Teil 14 Öl: Was 2018 den Ölpreis bestimmt"

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  • „Deepwater Horizon“ ist doch völlig egal, Kleinstlebewesen fressen das Öl auf und das Meer ist wieder sauber. Ausnahme irgend ein Umweltschützer schüttet Öl-Reiniger ins Wasser, dann Kleinstlebewesen tot und Meer bleibt voller Öl.

  • @Herr Holger Narrog, 04.01.2018, 15:25 Uhr

    Schreiben Sie doch zur Abwechslung mal dazu was:
    handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/versicherung/rekordjahr-naturkatastrophen-kosten-versicherer-135-milliarden-euro/20811974.html

    Und: Sagt Ihnen „Deepwater Horizon“ was?

    Ist zwar schon lange aus den Schlagzeilen verschwunden, aber mit den Folgen haben die Menschen am Golf von Mexiko noch immer schwer zu kämpfen (siehe welt.de/wissenschaft/article139533067/Die-lange-Katastrophe-der-Deepwater-Horizon.html, geo.de/natur/oekologie/11094-bstr-die-folgen-der-oelpest/152541-img-eine-million-tote-voegel, deutschlandfunk.de/sechs-jahre-nach-deepwater-horizon-ein-schrecken-ohne-ende.697.de.html?dram:article_id=352833 u.v.a.m.).

    Erdöl wird bekanntlich nicht nur als Energieträger, sondern auch auf vielen anderen Einsatzgebieten benötigt und ist in unserem Alltag allgegenwärtig, aber in ersterer Funktion (Energieträger) hat er über kurz oder lang k e i n e Zukunft mehr. Weil es bessere Alternativen gibt.

  • Herr Nampf...ich denke Sie haben sich einen Ökobären aufbinden lassen.

    Die Resourcen an Rohstoffen sind auf diesem Planeten nahezu unbegrenzt. Die Menge der förderbaren Rohstoffe hängt an der verfügbaren Technologie und dem Kapital. Insofern sind Krieg, Ökoreligion eine viel gefährlichere Limitation als vermeintlich fehlende Resourcen.

    Beispiel: Die Reichweite der ausgewiesenen Erdölreserven betrug 1900; 11 Jahre, heute nachdem > 100 Mrd. to gefördert wurden, knapp 50 Jahre.
    Beispiel: Der Club of Rome prophezeite 1971, dass die Erdölvorkommen 1992 erschöpft seien. Beispielsweise waren die Shale Oil Vorkommen in Texas und North Dakota bekannt, nur waren diese seinerzeit nicht nutzbar.
    Beispiel: Die Tiefseevorkommen vor der Küste Brasiliens, im Golf von Mexiko waren bis zur Jahrtausendwende nicht nutzbar.

  • Warum habt ihr stillschweigend Teil 13 Kreditzinsen zuerst verschoben und jetzt einfach wortlos wegfallenlassen

  • @Holger Narrog 04.01.2018, 14:46 Uhr

    "Auf der Nachfrageseite gibt es in Europa eine ökoreligiös bedingte Stagnation. "

    Unabhängig davon, ob man den Klimawandel für real hält oder nicht:

    Je sparsamer man mit Ressourcen (nicht nur Erdöl) umgeht, desto länger kann man sie nutzen.

  • Der Erdölpreis ist aufgrund der vielen politischen Risiken kaum prognostizierbar.

    Auf der Erzeugerseite vermute ich in einem Zusammenbruch Venezuelas das grösste Risiko. Im Iran fehlt den seit vielen Jahren immer wieder aufflackernden Protesten eine Organisation die eine Alternative zu den Mullahs darstellen kann. Ein weiteres Risiko kann in einem Krieg Iran - Saudi Arabien liegen.

    Zunehmende Fördermengen findet man in den USA. Kanada hat mit den Ölsanden ein erhebliches Potential.

    Auf der Nachfrageseite gibt es in Europa eine ökoreligiös bedingte Stagnation. In den USA eine der Substitution von Erdöl auf Erdgas geschuldete Stagnation und erhebliche Verbrauchszunahmen in Asien und dem Rest der Welt.

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