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Anlegen 2019 – Anleihen aus Industrieländern Am Anleihemarkt gibt es 2019 nur kümmerliche Renditen

2018 waren deutsche Bundes- und US-Staatsanleihen der überraschende Sieger unter vielen Anlageklassen. Doch die Aussichten für das neue Jahr sind trübe.
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Reich werden Anleger mit Anleihen wohl auch im Jahr 2019 nicht. Quelle: Imago
Sparschwein

Reich werden Anleger mit Anleihen wohl auch im Jahr 2019 nicht.

(Foto: Imago)

Frankfurt Für Ulrich Stephan ist die Sache klar: „Selbst geschenkt sind Anleihen noch zu teuer“, meint der Chefstratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In der Tat: Die von vielen Anlegern lang erhoffte Zinswende ist zumindest in Deutschland ausgeblieben. Mehr als 70 Prozent aller deutschen Bundesanleihen rentierten im November nach Daten der Handelsplattform Tradeweb sogar im Minus. Das heißt: Wer die Papiere jetzt kauft und bis zur Fälligkeit hält, verliert Geld.

Dabei waren die Renditen Anfang des Jahres noch deutlich gestiegen. Die Kurse der Zinspapiere fielen, weil Anleger höhere US-Leitzinsen und nach überraschend gestiegenen Stundenlöhnen in den USA eine höhere Inflation befürchten. Im Gegenzug schnellte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe innerhalb von knapp drei Wochen Tage von 0,4 auf fast 0,8 Prozent – ein enormer Anstieg in so kurzer Zeit. Danach pendelte die Rendite aber länger um die 0,5 Prozent – und rutschte Ende des Jahres 2018 wieder kräftig ab.

Seit dem Herbst ist es die Furcht vor einer Rezession, die ausgelöst unter anderem durch die sich verschärfenden globalen Risikofaktoren wie Handelskrieg und Brexit, die Anleger in sichere Staatsanleihen fliehen lässt. Mit weniger als einem viertel Prozentpunkt liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe jetzt so niedrig wie zuletzt im Sommer 2017. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Anleger mit Bundesanleihen im Jahr 2018 Gesamterträge aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von 2,5 Prozent gemacht haben.

Überraschender Sieger

Damit gehören Bundesanleihen zu den Überraschungssiegern an den Märkten. Denn egal ob mit europäischen, amerikanischen oder japanischen Aktien, den allermeisten Schwellenländerbörsen und vielen Rohstoffen schrieben Anleger im Jahr 2018 Verluste – ebenso wie mit Anleihen der meisten Schwellenländer und mit Anleihen von Unternehmen.

Auch US-Staatsanleihen haben Anlegern Gewinne gebracht, wenn auch im Schnitt nur von 0,6 Prozent. Zuletzt rentierte die zehnjährige US-Staatsanleihe mit rund 2,8 Prozent. Das liegt zwar deutlich unter dem Jahreshoch von drei Prozent vom November 2018. Dennoch sind für Anleger in den USA die auf Dollar lautenden US-Staatsanleihen eine Alternative zu Aktien. Auf verlässliche Auszahlungen bedachte Anleger im Euro-Raum haben davon aber wenig. Wenn sie die Währungsrisiken zum Dollar absichern, bliebt vom Extra-Zins nicht mehr viel übrig.

In gewisser Weise ist der jüngste Run der Anleger auf Staatsanleihen paradox. Investoren fürchten derzeit – wie schon zu Beginn des Jahres - dass die US-Notenbank (Fed) die Leitzinsen zu stark erhöht. Dennoch kaufen sie Anleihen. Der Grund: Jetzt haben sie das Schreckensszenario vor Augen, dass die Fed durch die Zinserhöhungen die US-Wirtschaft abwürgt und in den kommenden Jahren in eine Rezession treibt. Das ist in der Vergangenheit mehr als einmal passiert.

In einer Rezession, also einer Wirtschaft die mindestens zwei Quartale hintereinander schrumpft, ist man mit Anleihen besser bedient als mit Aktien. Die Furcht der Anleger vor einem massiven Konjunktureinbruch zeigt sich auch an den Aktienmärkten, die seit Oktober selbst an der bislang stabilen Wall Street abgestürzt sind. Das hat Anleger zusätzlich in Anleihen getrieben.

Ökonomen rechnen indes nicht damit, dass es schon im nächsten Jahr zu einer Rezession kommen wird. Die Wirtschaft dürfte zwar langsamer wachsen, aber nicht komplett abrutschen. Die Weltwirtschaft dürfte nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds 2019 um 3,7 Prozent wachsen. Für die USA sagen die Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent voraus, für die Euro-Zone und für Deutschland sind es jeweils 1,9 Prozent.

Trifft dies ein, ist nicht damit zu rechnen, dass die Flucht in Anleihen weiter anhält. Dazu kommt: Die EZB stoppt ab Januar 2019 offiziell ihr Anleihekaufprogramm. Sie erwirbt keine neuen Anleihen mehr, sondern ersetzt nur noch auslaufende Anleihen in ihrem Portfolio. Seit März 2015 haben die Notenbanker um EZB-Chef Mario Draghi Anleihen - vor allem Staatspapiere - für knapp 2,6 Billionen Euro erworben. Für die Euro-Länder und auch für die Unternehmen fällt jetzt der größte Abnehmer für die Zinspapiere weg.

Anleihen aus Italien könnten interessant sein

Doch selbst wenn die Flucht der Investoren in sichere Anleihen sich fortsetzt, bringt das den Investoren nicht mehr viel. Der Grund: Das Kurspotenzial bei den Festverzinslichen ist angesichts der niedrigen Renditen sehr begrenzt, gerade in Europa. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wieder auf ihr Allzeittief von minus 0,2 Prozent sackt, das sie im Sommer 2016 kurz nach de Brexit erreicht hat, entspräche das einem Kursgewinn von vier Prozent.

Etwas mehr Rendite als für Bundesanleihen gibt es für Anleihen aus Italien und für Unternehmensanleihen. Dafür sind hier die Risiken auch größer. Zehnjährige italienische Staatsanleihen bieten eine Rendite von 2,7 Prozent – sind aber gerade auf längere Sicht keine sichere Sache.

Experten wie Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank, fürchten, dass das hochverschuldete Italien nicht gerüstet ist, wenn es in einigen Jahren tatsächlich eine Rezession gibt. Auch Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege bei der Commerzbank, hält derzeit wenig von italienischen Staatsanleihen. Er ist überzeugt, dass es im kommenden Jahr noch attraktivere Einstiegschancen geben wird, schreibt er in seinem Jahresausblick. Übersetzt bedeutet das: Die Kurse dürften noch weiter fallen und die Renditen im Gegenzug stiegen.

Auch bei den Anleihen von Unternehmen sind viele Experten skeptisch. Weltweit sind die Unternehmen heute zu stark verschuldet, insbesondere die Unternehmen aus den USA, warnt Robert Almeida, Investmentstratege beim globalen Vermögensverwalter bei MFS Investment Management. Die Risiken der Firmenbonds sind damit größer geworden.

Zwar sind auch bei den Unternehmensanleihen die Kurse gefallen, aber weniger deutlich als an den Aktienmärkten. Von daher sind viele Zinspapiere der Unternehmen noch nicht attraktiv bewertet. Auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität bieten Anlegern gemäß den Anleiheindizes der ICE Bofa Merrill Lynch nur eine Rendite von im Schnitt 1,3 Prozent bei einer durchschnittlichen Laufzeit von fünfeinhalb Jahren. Bei Anleihen von Unternehmen wie dem Lebensmittelriesen Nestlé, dem Konsumgüterkonzern Unilever oder der Deutschen Telekom bekommen Anleger sogar nur 0,4 bis 0,7 für fünfjährige Zinspapiere.

Etwas anders sieht es bei Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität aus. Hier liegen die Durchschnittsrenditen für Euro-Papiere bei 4,7 Prozent Prozent. Dafür sind die Ausfallgefahren bei diesen Unternehmen auch recht hoch. Schickentanz von der Commerzbank bringt die Aussichten für die Anleihemärkte kurz und prägnant so auf den Punkt: „Die Leidenszeit für risikoscheue Anleger geht weiter.“

Anlegen 2019 – Bisher erschienene Serienteile

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 16 Teile und läuft bis Anfang Januar 2019. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1: Aktien Deutschland

Teil 2: Wohnimmobilien

Teil 3: Gold

Teil 4: Aktien Europa

Teil 5: Aktien Emerging Markets

Teil 6: Anleihen Emerging Markets

Teil 7: Öl

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