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Anlagestrategie

Bulle oder Bär? Die Anleger pochen für 2019 auf ein gutes Börsenjahr.

(Foto: dpa)

Anlegen 2019 – Leser-Umfrage Aktien sind so unbeliebt wie noch nie – das könnte ein guter Kontraindikator sein

Die Erfahrung zeigt: An den Aktienmärkten passiert meist das, was die wenigsten erwarten. Was das Börsenjahr 2019 an Überraschungen bieten könnte.
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DüsseldorfAnleger gehen trotz oder gerade wegen des verheerenden Börsenjahres 2018 relativ optimistisch in die neuen zwölf Handelsmonate. Ein weiteres Verlustjahr fürchtet kaum jemand.

Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 3.300 Investoren. Diese erwarten im Median eine Dax-Jahresperformance von zehn bis elf Prozent, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 11.750 Punkten.

Damit liegen die Anleger knapp unter den Einschätzungen der 30 Analysten und Volkswirte, die vom Handelsblatt befragt wurden. Diese Topbanker erwarten für 2019 für den Leitindex einen Anstieg auf 12.053 Punkte, das wäre ein Plus von mehr als 14 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

Für den Börsenexperten Stephan Heibel, der diese sogenannten „Sentiment“-Erhebungen auswertet, bieten die Umfrageergebnisse dennoch gute Voraussetzungen für positive Überraschungen im neuen Jahr. „Gerade die Unbeliebtheit der Aktien in dieser Umfrage macht Mut für das Börsenjahr 2019“, erläutert der Börsenexperte. Denn laut Sentiment-Analyse wird ein Boden im Bärenmarkt dann gefunden, wenn Anleger kapitulieren. „Aktien wird für 2019 nicht viel zugetraut, Anleger haben kapituliert“, meint er.

Diese Ansicht erklärt sich aus den Antworten auf die Frage zu den Investmentchancen 2019: Aktien sind demzufolge so unbeliebt wie noch nie. In den vergangenen vier Sentiment-Jahresumfragen des Handelsblatts wurden die Dividendenpapiere stets als „alternativlos“ bezeichnet und führten die Beliebtheitsskala mit Abstand an. Jetzt liegen sie nur noch auf Platz sechs von acht möglichen Antworten. Das gilt als Kontraindikator.

In welchem Bereich erwarten Sie den Tiefstkurs in den nächsten 12 Monaten?
Angaben in Prozent

Mit 19 Prozent glauben die meisten Umfrageteilnehmer, dass der Dax Ende 2019 zwischen 12.100 und 12.600 Punkten stehen wird. Das wäre ein Jahresplus von 19 Prozent. Auf der anderen Seite gehen 78 Prozent davon aus, dass der Dax das Jahr 2019 zumindest mit einem kleinen Plus abschließen wird. Ein weiteres Verlustjahr fürchtet kaum jemand.

„Die Erfahrung zeigt, dass an den Aktienmärkten in der Regel genau das passiert, was die wenigsten erwarten“, meint aber der Inhaber des Analysehauses Animusx. Diese Annahme sei die Grundlage der Sentiment-Forschung, in der die Erwartungshaltung von Anlegern als Kontraindikator interpretiert wird. Ein Rückblick auf Ergebnisse des Vorjahres bestätigt diese Theorie: Für 2018 waren die Erwartungen viel zu hoch, die Realität endete in einem Bärenmarkt.

Entsprechend sollte das deutsche Börsenbarometer 2019 also entweder über 12.600 Punkte steigen oder aber nicht einmal die 10.600 Punkte erreichen. Ein Überspringen der 12.600 Punkte würde ein Plus von 19 Prozent für den Dax bedeuten. Das wäre keine Seltenheit am Aktienmarkt, insbesondere nach einem schwachen Börsenjahr sind Werte über 20 Prozent durchaus möglich. Das war beispielsweise in den Jahren 2009, 2012 und 2013 der Fall.

Auf der anderen Seite sind zwei Minusjahre im Dax in Folge eine absolute Seltenheit. In den vergangenen 50 Jahren gab es das lediglich einmal: Im Rahmen des Platzens der Internetblase nach der Jahrtausendwende verlor der Dax zwischen 2000 und 2002 sogar drei Jahre hintereinander.

Anders als im vergangenen Jahr, als die Jahreshochs für den Mai erwartet wurden, gehen Anleger in diesem Jahr davon aus, dass erst zum Jahresende das Jahreshoch erklommen wird.

In welchem der nächsten 12 Monate erwarten Sie das Dax-Hoch?
Angaben in Prozent

Der Jahresverlauf sollte laut dem Umfrageergebnis folgendermaßen aussehen: Zu dem bekannten saisonalen Muster mit steigenden Kursen bis ins Frühjahr soll es nicht kommen. Vielmehr befürchten die Umfrageteilnehmer einen schwachen Start ins Jahr 2019 mit neuen Tiefstkursen bis in den März.

Eine Erholung im Frühjahr dürfte schwach bleiben, meinen die Anleger. Es könnte dann im September noch neue Jahrestiefs geben. Erst danach könnte der Bärenmarkt überwunden werden, die Jahreshochs soll es erst im Dezember geben.

Heibel leitet aus der Anlegererwartung, dass sowohl das Jahrestief als auch das Jahreshoch für den Dax erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet wird, Folgendes ab: „Die Verunsicherung über die zu erwartende Börsenentwicklung in den kommenden Wochen ist derzeit sehr groß“.

„In der Regel kommt es genau anders“

Jahresendstand zwischen 12.100 und 12.600 Punkten und Jahreshochs im Dezember: Diese beiden Erwartungen decken sich mit dem mutmaßlichen Jahreshoch in Punkten. Das soll bei 12.100 bis 12.400 Zähler liegen. Allerdings sind für 2019 die Erwartungen deutlich breiter gestreut als vor einem Jahr.

Auf der anderen Seite gehen die meisten Anleger davon aus, dass der aktuelle Bärenmarkt bei einem Dax-Wert zwischen 9.900 und 10.200 Punkten enden wird. „Dies würde bedeuten, wenn wir den oben abgeleiteten Jahresverlauf anwenden, dass der Dax in den kommenden drei Monaten seitwärts mit leichtem Minus laufen würde, um sich im Frühjahr deutlich zu erholen und im September dann nochmals in Richtung 10.000 Punkte abzutauchen“, analysiert der Sentiment-Experte und fügt hinzu: „Wie immer sollten sie bei dieser Betrachtung berücksichtigen, dass die Erwartung der meisten Anleger an der Aktienbörse eher nicht eintreten wird. In der Regel kommt es genau anders.“

In welchem Bereich erwarten Sie den Kurs zum Jahresende?
Angaben in Prozent

Denn aus Sicht der Sentiment-Theorie gilt: Wenn die große Masse von Anlegern mit steigenden Kursen rechnet und bereits investiert hat, bleiben nur wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt aber auch: Wenn Anleger mehrheitlich skeptisch und daher zurückhaltend positioniert sind, dann könnten künftig nur noch wenige verkaufen und dadurch die Kurse nachhaltig drücken.

Wie in den Vorjahren gilt die EZB-Geldpolitik als das dominierende Thema für die Aktienmarktentwicklung. In Verbindung mit der Erwartung von vor einem Jahr, dass im Jahr 2018 das Jahreshoch bereits im Mai zu sehen sein werde, können wir ableiten, dass die Verknappung der Liquidität in Europa von den meisten Anlegern kritisch gesehen wurde. Und daran hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert. Schließlich wird EZB-Chef Mario Draghi 2019 den Chefsessel räumen.

Je nach Nachfolgekandidat und seinen jeweiligen Chancen werden die Aktienmärkte aller Voraussicht nach nervös reagieren: Wird die lockere Geldpolitik Draghis fortgesetzt, oder folgt ihm ein „Falke“, also ein Kandidat, der die Geldpolitik möglichst schnell zur Normalität zurückführen möchte, ohne Rücksicht auf etwaige Verwerfungen an den Finanzmärkten?

Erstmals ähnlich wichtig ist für Anleger der Brexit, der (voraussichtlich) im März ansteht. Noch immer ist kein Weg für einen geregelten Austritt der Briten gefunden. Viele Beobachter erwarten ein Manöver des letzten Augenblicks, wie man in der Schifffahrt sagt: Kurz vor dem Termin werden Sondergipfel einberufen, um Lösungen, die zuvor nicht umsetzbar waren, doch noch durchzusetzen.

Gemeinsam mit dem italienischen Haushaltsstreit zeigt sich einmal mehr, dass Europa noch einen weiten Weg vor sich hat, um im Innern einen gemeinsamen Nenner zu finden, der ein abgestimmtes Auftreten nach außen ermöglicht.

Höchstkurs in den nächsten zwölf Monaten
Angaben in Prozent

US-Präsident Donald Trump sorgt mit seiner Unberechenbarkeit weiterhin für Unruhe an den Finanzmärkten. Hier ist vor allem der Handelsstreit mit China zu erwähnen, aber auch der schwelende Handelskonflikt mit Europa. Für die Autoexporte in die USA gibt es derzeit lediglich einen temporären Waffenstillstand.

Mit der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer scheint die Nachfolgeregelung der CDU alle Gemüter zu beruhigen. Der Führungswechsel in der CDU bereitet kaum jemandem Sorge.

Rohstoffe werden teurer

Erstmals werden Edelmetalle attraktiver als Aktien eingeschätzt. Aktien können kaum noch Anleger begeistern, die meisten schauen sich auf anderen Märkten nach Anlagemöglichkeiten um. Edelmetalle, Nahrungsmittel und Immobilien sind an der Spitze des Anlegerinteresses, aber auch konjunktursensible Werte wie die Energierohstoffe Öl und Gas sowie Industriemetalle werden als attraktiver als Aktien eingeschätzt.

„Das ist komisch“, meint Heibel. Energie und Industriemetalle seien zwar ein großer Kostenfaktor, steigende Preise würden die Gewinne belasten. Doch gleichzeitig gilt die Preisentwicklung bei diesen Rohstoffen als guter Konjunkturindikator. „Wenn eine gute Konjunktur steigende Preise in diesem Bereich nach sich zieht, dann ist es den Unternehmen in der Regel möglich, den Gewinn mindestens konstant zu halten, wenn nicht sogar zu steigern.“

Vor dem Hintergrund der global steigenden Zinsen werden Anleihen, egal ob von Unternehmen oder vom Staat, als unattraktiv betrachtet. Kein Wunder: Bei steigendem Zinsniveau sinken die Kurse der frei handelbaren Anleihen, damit die Rendite dieser Papiere mit dem Zinsanstieg Schritt halten kann. Anleger warten da gerne die Phase der Zinssteigerungen ab, bevor sie sich wieder in Anleihen engagieren.

In welchem der nächsten 12 Monate erwarten Sie das Dax-Tief?
Angaben in Prozent

Bei der neuesten Sentiment-Erhebung handelt es sich um die bereits fünfte Jahresumfrage des Handelsblatts. Bisher haben die Auswertungen den Anlegern geldwerte Informationen geliefert. So hat sich etwa die Prognose für 2017 in sehr vielen Punkten als realistisch erwiesen: Das durchschnittliche Kursziel der Leser lag bei 12.241 Punkten für den deutschen Leitindex – was einem Kursplus gegenüber Ende 2016 von nur sieben Prozent entsprochen hätte.

Dass die Frankfurter Benchmark allerdings um rund 13 Prozent kletterte und damit im Vergleich zu den Anlegererwartungen bei der Handelsblatt-Umfrage doppelt so viel, war für Sentiment-Beobachter keine Überraschung.

Einschätzung für das Börsenjahr 2018 war falsch

Sowohl die Anleger als auch Heibel haben das Börsenjahr 2018 falsch eingeschätzt. Die Umfrageteilnehmer zeigten eine große Zuversicht für Aktien und Immobilien und erwarteten einen Dax-Anstieg auf 14.000 Punkte, der Sentiment-Experte gab sogar 15.000 Punkte als Kursziel aus. Doch dieser Optimismus war fehl am Platz, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat.

Mit minus 18 Prozent im deutschen Leitindex ging das Börsenjahr 2018 chaotisch zu Ende. Nach zehn Jahren, in denen jede Aktienmarktkorrektur eine Kaufgelegenheit darstellte, gab es 2018 erstmals wieder einen länger anhaltenden Bärenmarkt.

Nicht allein der absolute Verlust hat die Nerven der Anleger auf die Probe gestellt, denn größere Rückschläge mussten in den Jahren 2011 sowie 2015 und 2016 beklagt werden. An den Nerven der Anleger hat dieses Mal insbesondere der Jahresabschluss gezehrt, denn der Ausverkauf beschleunigte sich gerade in der Phase, als viele eine Kurserholung erwartet hatten.

Lediglich in einem Punkt lagen die Anleger bei ihrer Einschätzung für 2018 richtig: Zum ersten Mal in den vier Jahresumfragen wurde das Jahreshoch nicht in den Dezember, sondern in den Monat Mai gelegt. „Ein Hauch von Pessimismus, der sich als richtig erwies, wenngleich die Intensität des Ausverkaufs im Jahr 2018 die meisten Anleger dennoch überraschte“, kommentiert der Inhaber des Analysehauses Animusx.

„Anleger haben fantastische Einstiegsmöglichkeiten für US-Tech-Aktien“

Anlegen 2019 – Bisher erschienene Serienteile

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 16 Teile und läuft bis Anfang Januar 2019. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1: Aktien Deutschland

Teil 2: Wohnimmobilien

Teil 3: Gold

Teil 4: Aktien Europa

Teil 5: Aktien Emerging Markets

Teil 6: Anleihen Emerging Markets

Teil 7: Öl

Teil 8: Anleihen aus Industrieländern

Teil 9: Devisen

Teil 10: Aktien USA

Teil 11: Der beste Markt der Welt

Teil 12: Anlegerfehler

Teil 13: Kreditzinsen

Teil 14: Aktien Skandinavien

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