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Anlegen 2019 – Ölmarkt 30 Prozent Aufwärtspotenzial – Welche Faktoren den Ölpreis bestimmen werden

2018 dominierte die Volatilität am Ölmarkt. Für das kommende Jahr erwarten Experten moderat steigende Preise – doch die Risiken sind immens.
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Die USA sind 2018 zum weltgrößten Ölexporteur aufgestiegen. Quelle: AFP
Ölförderung im US-Bundesstaat North Dakota

Die USA sind 2018 zum weltgrößten Ölexporteur aufgestiegen.

(Foto: AFP)

Frankfurt In den letzten Handelswochen des Jahres ging das Hoch und Runter auf dem Ölmarkt in eine weitere Runde. Im Zuge des Ausverkaufs an den US-Börsen vor Weihnachten brach der Ölpreis innerhalb weniger Tage um rund elf Prozent ein.

Am ersten Handelstag nach den Feiertagen machte der Rohstoff einen Großteil dieser Verluste wieder wett – und sprang um knapp neun Prozent nach oben. Es war der größte Tagesgewinn seit zwei Jahren.

Die Preissprünge verdeutlichen einmal mehr die Unsicherheit der Investoren, die die gesamte zweite Jahreshälfte geprägt haben. Die Sorge vor einem knappen Ölangebot und vor den Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran hatten den Preis für die Nordseesorte Brent im Herbst auf 86 Dollar pro Barrel (159 Liter) getrieben.

Doch dann folgte der Absturz: Saudi-Arabien, Russland und die USA vermeldeten eine Ölproduktion auf Rekord-Niveau. Die USA gestanden dem Iran Ausnahmeregelungen für Ölexporte zu und schwächere Wachstumszahlen der Weltwirtschaft dämpften auch die Prognosen für die Ölnachfrage in den kommenden Jahren. Die Folge: Seit Oktober hat sich Rohöl um rund 40 Prozent verbilligt.

Dass es 2019 mit dem Preisverfall im gleichen Ausmaß weitergeht, glaubt kaum einer der Marktbeobachter. Die Rohstoffexperten der kanadischen Investmentbank RBC Capital Markets erwarten etwa, dass der Ölpreis im kommenden Jahr moderat steigt: „Wir sehen Brent im Jahresschnitt bei 68 Dollar pro Barrel“, schreiben die Analysten in ihrer Preisprognose für 2019.

Jan Edelmann, Rohstoffanalyst der HSH Nordbank, bewegt sich mit seiner Schätzung ebenfalls im Rahmen von 66 bis 70 Dollar pro Barrel. Beim aktuellen Preis von 53 Dollar pro Fass sehen die Experten ein Aufwärtspotenzial von immerhin 30 Prozent. Ein Überblick über die Faktoren, die 2019 den Ölpreis bestimmen dürften.

Der neue Opec-Deal

Der Deal sollte dem Ölpreis-Absturz Einhalt gebieten – doch er verpuffte nahezu wirkungslos. Anfang Dezember hatten sich die 15 Mitgliedsstaaten des Förderkartells Opec sowie weitere Ölexporteure auf Produktionskürzungen geeinigt. Von Januar an wollen sie ihre Tagesproduktion um bis zu 1,2 Million Barrel drosseln.

Am stärksten fährt Saudi-Arabien seine Förderung zurück, aber auch Russland plant harte Einschnitte. Der russische Energieminister Alexander Nowak zeigte sich daher zuversichtlich, dass sich der Ölpreis im neuen Jahr stabilisiert.

Die Förderkürzungen sollen zunächst ein halbes Jahr bestehen – doch im April treffen sich die Opec-Staaten und ihre Verbündeten, um erneut über den Deal zu verhandeln. „Das ergibt Sinn, weil zu diesem Zeitpunkt die Ausnahmeregelungen für iranische Ölexporte auslaufen“, sagt Warren Patterson, Rohstoffstratege der ING Bank.

Der größte Konflikt ist aus seiner Sicht die gegengesetzten Interessen von Saudi-Arabien und Russland. Während der Golfstaat einen Ölpreis von 80 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötige, sei Russlands Staatsbudget schon bei einem Preis von 50 Dollar im Lot. „Es ist klar, sollten die Ölpreise vom jetzigen Niveau steigen, wird Russland zögern, den Deal zu verlängern“, glaubt ING-Experte Patterson. Setzt sich Saudi-Arabien mit seiner Linie jedoch durch, könnten weitere Kürzungen folgen – und den Ölpreis nach oben treiben.

Blackbox Iran

Mit seiner Iran-Politik hat US-Präsident Donald Trump die Weltöffentlichkeit genarrt. Zunächst zeigte sich seine Administration kompromisslos: Man wolle die Ölimporte anderer Länder aus dem Iran auf Null reduzieren, verlautete aus dem US-Außenministerium.

Doch in letzter Minute räumten die USA Staaten wie Indien, China, Italien und der Türkei Ausnahmeregelungen ein. Kurz vor den wichtigen US-Kongresswahlen fielen die Sorgen um ein knappes Ölangebot in sich zusammen – und die Preise stürzten ab.

Die Ausnahmeregelungen sollen zunächst für ein halbes Jahr gelten und könnten danach erneuert werden. Die Spekulationen über die Höhe der iranischen Ölexporte dürften im Frühjahr 2019 daher wieder aufflammen. Macht Trump seine Drohungen diesmal wahr, könnten die iranischen Ölexporte tatsächlich stärker sinken – und dem Ölpreis Auftrieb verleihen.

Geopolitische Risiken

Neben den US-Sanktionen gegen den Iran gibt es noch eine Reihe weiterer geopolitischer Risiken, die das Ölangebot 2019 überraschend verknappen könnten. „Angebotsausfälle in geopolitischen Hotspots bleiben eine deutliche Gefahr für einen Markt“, urteilen die Rohstoff-Analysten von RBC Capital Markets. Sie nennen als Wackelkandidaten Nigeria, wo im kommenden Jahr Wahlen anstehen, das politisch instabile Libyen sowie das krisengeplagte Venezuela. Bricht die Ölförderung in einem dieser Länder stärker als erwartet ein, könnte das den Ölpreis stützen.

Gedämpfter Schieferöl-Boom

Die Schieferöl-Produktion in den USA hat im vergangenen Jahr einen beispiellosen Boom erlebt. Die Vereinigten Staaten sind dadurch zum weltgrößten Erdölproduzenten aufgestiegen – noch vor Russland und Saudi-Arabien. 2018 ist die Produktion einer Analyse der HSH Nordbank zufolge um durchschnittlich 1,5 Millionen Barrel täglich gestiegen. Doch für 2019 erwartet HSH-Experte Edelmann ein schwächeres Produktionswachstum von nur 1,2 Millionen Barrel täglich.

Grund dafür seien Pipeline-Engpässe: „Die nur noch geringen verfügbaren freien Kapazitäten dürften das Angebotswachstum in den USA bis zum Ende des dritten Quartals bremsen“, erwartet er. Hinzu kommt: Der jüngste Ölpreis-Verfall setzt auch vielen kleineren und mittleren Ölförderunternehmen in den USA schwer zu. Sollte die Preisschwäche anhalten, könnten einige von ihnen Pleite gehen – und das Angebot dadurch verringern. Ein überraschend geringes Wachstum der US-Ölproduktion könnte den Ölpreis im kommenden Jahr steigen lassen.

Schwächelnde Weltkonjunktur

Die weltweite Ölnachfrage ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor für den Rohstoffpreis. HSH-Experte Edelmann rechnet mit einem robusten Wachstum der Ölnachfrage von 3,5 Prozent im Jahr 2019, nach 3,8 Prozent im Vorjahr. Getrieben werde das Nachfragewachstum von den Schwellenländern, die im ablaufenden Jahr noch unter den hohen Ölpreisen und dem starken Dollar gelitten hatten.

Auch ING-Experte Patterson rechnet mit einem Wachstum der Ölnachfrage auf diesem Niveau. Allerdings, gibt zu bedenken: „Angesichts von Sorgen vor einem Abschwung in China gibt es ein Abwärtsrisiko für diese Zahlen.“ Ein Einbruch der Konjunktur in China, dem größten Ölimporteuer der Welt, könnte den Ölpreis im kommenden Jahr unter Druck setzen.

Anlegen 2019 – Bisher erschienene Serienteile

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 16 Teile und läuft bis Anfang Januar 2019. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1: Aktien Deutschland

Teil 2: Wohnimmobilien

Teil 3: Gold

Teil 4: Aktien Europa

Teil 5: Aktien Emerging Markets

Teil 6: Anleihen Emerging Markets

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