Anlegermesse Invest 2015 Der große Anlagenotstand

Zinsen gibt es nicht mehr, Lebensversicherungen bringen auch nichts mehr, Immobilien und Aktien erscheinen sehr teuer. Was tun mit dem lieben Geld? Anleger verzweifeln an der Lage. Nichts zu tun ist aber keine Lösung.
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Anleger stecken in der Falle. Was tun mit dem Geld? Wo gibt es noch Rendite? Quelle: Getty Images
Börse Frankfurt

Anleger stecken in der Falle. Was tun mit dem Geld? Wo gibt es noch Rendite?

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DüsseldorfDer Dax notiert nahe seines Allzeithochs, genau wie viele andere Börsen weltweit auch. Die Privatanleger haben die Rally der vergangenen Jahre aber gar nicht mitgemacht. Sie horten ihr sauer Verdienstes lieber in Spareinlagen, also Sparbuch, Tages- oder Festgeld. Jeder zehnte Euro wird zurückgelegt.

Sparen mag löblich sein, aber bringt nichts mehr. Das Problem: Die Zinsen haben die Notenbanker mehr oder weniger abgeschafft. Bundesanleihen mit Restlaufzeiten von unter sieben Jahren bringen Negativrenditen – Anleger verlieren also Geld. Lebensversicherungen sind auch nicht mehr besonders attraktiv. Immobilien mittlerweile je nach Lage extrem teuer geworden.

Wie Sie dem Niedrigzins ein Schnippchen schlagen
Tages- und Festgeldkonten werfen kaum etwas ab:
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Sparer haben es im Euro-Raum derzeit schwer. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es kaum noch Zinsen und es sieht nicht so aus, als ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der nächsten Zeit erhöhen wird und so Sparern wieder zu mehr Einnahmen verhilft. Für Kleinanleger kann es sich durchaus lohnen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie einige Regeln beachten.

Europaweit niedrige Zinsen
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Eine solche Situation, wie sie derzeit an den Märkten herrscht, ist nicht nur für die Kanzlerin Neuland.

Welche Produkte eignen sich für Einsteiger?
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Gut geeignet für Einsteiger sind sogenannte ETF, börsengehandelte Indexfonds. Anleger setzen damit auf die Entwicklung bestimmter Indices, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (Dax). Allerdings sollten Aktienneulinge nicht auf den Dax setzen, sondern auf breit gestreute Fonds, die nicht nur den deutschen, sondern mindestens den europäischen Aktienmarkt umfassen. Laut „Finanztest“ sind globale Fonds am besten geeignet. Sie umfassen nicht nur Aktien verschiedener Länder, sondern zusätzlich Wertpapiere unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Ihr Risiko ist also weit gestreut. Beispiele für mögliche ETF sind der MSCI World-Index oder der Stoxx Europe 600.

Wie groß ist das Risiko bei ETF?
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Aktienanlagen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, auch Investitionen in ETF. Andere Fonds – zum Beispiel Branchenfonds – sind potentiell aber um einiges riskanter. Grundsätzlich sollten Durchschnittssparer beachten, dass sie nur Geld investieren, welches sie langfristig entbehren können – laut „Finanztest“ mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. So lassen sich auch zwischenzeitliche Börseneinbrüche aussitzen.

Was ist mit Aktien einzelner Unternehmen?
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Wer Einzelaktien kauft, ist dem Unternehmen „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert, warnt Beckerle. In einigen Fällen winken enorme Gewinne. Wer zum Beispiel Anfang 1997 Apple-Aktien für 1000 Dollar kaufte, ist heute um mehr als 200.000 Dollar reicher. Negativ ins Gedächtnis gebrannt hat sich vielen Anlegern in Deutschland das Beispiel der Telekom-Anleihe. Die „Volksaktie“ stieg zunächst rasant und fiel dann umso stärker. Beckerle rät Verbrauchern von Einzelaktien ab.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf?
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Nein. Auch wenn die Aktienmärkte gerade nur den Weg nach oben kennen, kann sich der Einstieg lohnen. Finanzexpertin Beckerle rät Verbrauchern zum Einstieg in Raten. Die festgelegte Anlagesumme wird dabei in mehrere Teilbeträge aufgeteilt und im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten investiert. Eine weitere Möglichkeit sind dauerhafte monatliche Beträge, die in einen Fonds fließen.

Wo kaufe ich die Aktien?
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Für Einsteiger empfiehlt Beckerle den Kauf über eine Direktbank. Dort sei die Depoteröffnung und Verwaltung meist billiger als bei der Hausbank. Viele Hausbanken würden zudem ihre eigenen Fonds empfehlen, nicht unbedingt ETF. Allerdings: Direktbanken bieten ihren Kunden keine Beratungshilfe an. Wer dort Aktien kauft, muss vorher genau wissen, was er will. Versiertere Anleger, die sich für sogenannte gemanagte Fonds interessieren, fahren meist billiger, wenn sie die Anteile direkt bei Fondsvermittlern im Internet kaufen.

Anleger stecken scheinbar in der Falle. Was tun mit dem Geld? Wo gibt es noch Rendite? Sind Aktien vielleicht schon zu teuer? Was ist mit Gold? Immobilien? Viele Fragezeichen. Leider kapitulieren viele, lassen das Geld auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto liegen und handeln lieber gar nicht. Ein Fehler.

Was also tun gegen den Anlagenotstand? „Investieren – aber breit gestreut, das ist das Entscheidende“, sagt Thomas Meyer zu Drewer von Comstage, der ETF-Sparte der Commerzbank. Und genau darum geht es am heutigen Freitag und am morgigen Samstag auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart.

Zwei Tage lang können sich interessierte Privatanleger dort über alle Fragen der Geldanlage informieren. Auf der gemeinsamen Bühne von Handelsblatt und Wirtschaftswoche lautet das Thema „Anlagenotstand – Wer bietet noch Rendite“. Unzählige Experten geben in vielen Podiumsdiskussionen Antworten.

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3 Kommentare zu "Anlegermesse Invest 2015: Der große Anlagenotstand"

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  • Kopf schlägt Kapital, Prof. Faltin

    Oder mit meinen Worten:
    Das Kapital steckt in einem selbst, und trägt Rendite, wenn man es denn gebraucht. Und auch Draghi, Lagarde, Merkel etc. können es einem nicht rauben.

  • @Noack
    Erstmal geht es darum, dass jeder vernünftige Mensch sich zum sparen bemüht. Wer spart der hat auch ein Vermögen. Doch soll dies nicht darben und von der Geldentwertung vertilgt werden, also heißt es dies Vermögen arbeiten zu lassen. Die meisten Menschen legen aber keinen Wert darauf ein bestimmtes Risikoniveau zu übertreten. Genau diese Leute haben derzeit ein Problem, ihr Vermögen tritt auf der Stelle. Damit werden die Möglichkeiten in der Zukunft eingeschränkt. Sie können es als ein Verlust von Zeit interpretieren, was mir der Zins bei gleichen Bedürfnissen nicht bringt muss ich in der Zukunft mehr erarbeiten oder zusätzlich ersparen. In diesem Zustand besteht auch die Gefahr, dass die Leute aus Leichtsinn höhere Risiken eingehen um zumindest etwas Zinsen zu bekommen. Es ist also alles andere als ein Fantasiezustand.
    Dass es tausend Jahre keinen Zins gab, kann man nicht als richtig erachten. Es ist zwar richtig, dass die meisten Menschen als Leibeigene auf dem Grund ihres Herren gehalten wurden und vor sich hinvegetierten. Aber jede Art von Leihgeschäft mit daran gekoppelter Entschädigung ist im Grunde ein Kreditgeschäft. Auch wenn es in Europa kein Bankwesen gab und das kanonische Zinsverbot wie in vielen Religionen den Zins unter Glaubensbrüdern verbot oder als unmoralisch brandmarkte, so fand man doch immer wieder Wege. Auch waren die Juden in ihrer ökonomischen Rolle als Handelsreisende und als Verwalter an den Höfen in ganz Europa präsent und in solche Geschäfte verwickelt (gerade weil sie überwiegend Geschäfte mit Andersgläubigen machten).

  • Das ist also das größte aller Probleme der Deutschen! Man hat viel zu viel Geld, man kann es nicht konsumieren, dazu ist es viel zu viel. Man kann kein Unternehmen aufbauen, dazu ist es viel zu wenlg. Mit die Geld weiß man nicht mehr wohin, also hat man anlagenotstand. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches gab es im Mittelalter über 1.000 Jahre keine Zinsen. Man hatte das Geld aus Edelmetall in der Schatztruhe und musste es auf dem Karren überall hin mitnehmen. Kleinere Mengen Geld trug man im Beutel bei sich. Zinsen gab es weder für das eine noch das andere. Jetzt gibt es ein oder mehrere Jahre keine Zinsen und die Welt geht unter, ist es so? Dann muss die Geldwelt wohl untergehen und eine Neue strebt hervor. Der Anlagenotstand ist ein Phantasienotstand. Den Menschen fehlen Ideen, dem Geld, was zu viel ist, einen Sinn zu geben. Das ist aber ein Sinnproblem und kein Anlageproblem. Teilt die Freude am Geld und ihr bekommt die doppelte Freude zurück. Der kürzeste Weg zwischen den Menschen ist ein Lächeln.

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