Anlegerschützer zu Prokon „Geld nachlegen wäre verrückt“

Der Fall Prokon schreckt Anleger auf: Angelockt von hohen Zinsen haben sie fast 1,4 Milliarden Euro in die Windkraftfirma investiert. Nun steht das Geld auf dem Spiel. Ein Anlegerschützer erklärt, was jetzt zu tun ist.
26 Kommentare

Herr Bauer, mehr als 70.000 Anleger bangen um ihr Geld, das sie bei Prokon angelegt haben. Das Unternehmen droht in die Insolvenz zu gehen, falls Anleger Kapital abziehen. Wie geht es weiter?
Die Insolvenz ist mit hoher Wahrscheinlichkeit unvermeidbar. Prokon fordert seine Anleger auf, auf Kündigungen zu verzichten. Man will die Zusage, dass mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals zumindest bis Ende Oktober erhalten bleiben. Ich glaube kaum, dass sich so viele Anleger dazu bereiterklären, zumal die Frist dafür schon am 20. Januar abläuft. Das ist viel zu kurz.

Was sollten Anleger tun?
Jetzt noch Geld nachzulegen, wäre verrückt. Wer bereits gekündigt hat, sollte es dabei belassen. Eventuell gibt es dann die Chance, im Falle einer Insolvenz vorrangig behandelt zu werden. Ich würde nicht empfehlen, eine Kündigung der Genussrechte wieder zurückzunehmen, auch wenn das Unternehmen dazu auffordert.

Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat Anleger schon früh vor Prokon gewarnt.

Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat Anleger schon früh vor Prokon gewarnt.

Und wer noch nicht gekündigt hat?
Sollte erst einmal Ruhe bewahren. Jetzt noch zu kündigen, bringt vermutlich nicht mehr viel. Die Kündigung würde erst Ende Februar wirksam. Wenn bis dahin die Insolvenz erfolgen würde, würden die Ansprüche aus unserer aktuellen Sicht wohl nicht mehr vorrangig behandelt werden. Außerdem muss man sich natürlich im Klaren darüber sein, dass eine Kündigung die Insolvenz noch wahrscheinlicher macht.

Wie sind die Chancen, die Ansprüche gerichtlich durchzusetzen?
Vor Gericht ist alles möglich. Eine Klage lohnt sich aus unserer Sicht jedoch höchstens mit einer Rechtsschutzversicherung oder für Anleger, bei denen sehr hohe Summen auf dem Spiel stehen. Das trifft für die meisten aber nicht zu, im Schnitt haben die Leute an die 20.000 Euro angelegt. Für den Durchschnittsanleger dürfte das Risiko also die Chancen übersteigen, und es besteht die Gefahr, dem schlechten Geld noch Gutes für Gerichts- und Anwaltskosten hinterherzuwerfen.

Müssen Anleger damit rechnen, dass sie komplett leer ausgehen?

Das nicht. Wir gehen davon aus, dass Vermögenswerte vorhanden sind, die sich verwerten lassen. Es ist sehr schwer zu beurteilen, was wirklich noch da ist, weil das Unternehmen in der Vergangenheit nicht besonders viele Informationen bereitgestellt hat. Nehmen wir mal an, die von Prokon betriebenen Windparks seien 800 Millionen Euro wert. Das entspricht in etwa der Summe, die in den vergangenen Jahren investiert worden ist. Dem stehen Forderungen von Anlegern in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gegenüber. Im Falle einer Insolvenz ließen sich also vielleicht mehr als 50 Prozent der Forderungen decken. Jedoch hängt die endgültige Quote  von vielen Faktoren ab, die sich heute noch nicht seriös einschätzen lassen.

Das heißt konkret?
Wer 20.000 Euro angelegt hat, müsste mit einem Verlust von etwa 8000 Euro rechnen. Wer einen Anwalt einschaltet, müsste zusätzlich wohl zunächst noch mit mehreren Tausend Euro Kosten rechnen, die nur im Falle einer gerichtlich positiven Entscheidung nicht vom Anleger selbst zu tragen wären, vorausgesetzt er hat keine Rechtsschutzversicherung.

Das Problem ist nicht das Geschäftsmodell
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26 Kommentare zu "Anlegerschützer zu Prokon: „Geld nachlegen wäre verrückt“"

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  • Sehr geehrter Herr Don Sarkasmo,

    ich muss Ihnen da leider widersprechen .
    Ich will kein Geld zurück !
    Ich möchte dass diese Unwaren Behauptungen dieser sogenannten Anlysten aus der Welt kommen, den Fakten wieder Vorragen gegeben wird.
    Denn dann wird es keien PAnik der Anleger geben und auch unser Investment wird unbeschädigt weiter Früchte tragen. Für uns GRI Investoren, für die Umwelt und das Gemeinwohl Davon bin ich fest überzeugt.

  • Lieber Gaintrader

    Ihre Ansicht im Bezug auf Rufschädigung & evtl Schadensersatz gegen den Herrn Bauer und andere kann ich nachvollziehen , nicht hingegen

    "bei Prokon sind 6 % Rendite = unrealistisch?"

    Bitte beachten Sie , wir diskutieren um Finnanzierungskosten!
    Diese gehören zu den Kosten = Produktkosten und sind schon in der EEG Förderung vorgesehen/ eingerechnet!!!
    Bitte nichts verdrehen .

    Nahezu jedes Unternehmen hat auch heute Kosten für Kapitaldienst im Bereich 6 – 8 %.
    Rendite kommt nach Kapitaldienst,
    Kapitaldienst = Kosten

    So ist das auch bei Prokon !

    Bei Prokon unterscheidet sich, dass die 6 – 8 % Finanzierungskosten nicht zur Bank gehen , die den Geldanlegern, heute satte 0,5 % davon abgibt ! sondern an die GRI Anleger .

    Die Banken, Anlageberater, Börsenhändler und deren Zutreiber - Analysten sind also diejenigen, die massiv traurig sind über den Erfolg der Prokon Anlegeform!
    Satte 300 Mio€ bleiben bei den Anlegern und nicht bei den Banken und Anlageberatern .
    300 Mio Provisionen vorbei am Establishment ? Das geht gar nicht … ???

    Und dementsprechend fallen jetzt eventuell auch die Analysen aus ?

    Ein Schelm wer ....

  • • Für mich ist der wohl letzte Hilferuf des insolvenzgefährdeten Unternehmen, möglichst auf das Konto schnellstmöglich noch mehr einzuzahlen, statt zu kündigen......nein, mir fehlen einfach die Worte, um den angefangenen Satz fortsetzen und beenden zu können!

    Es kann eigentlich nur noch so kommen, dass sich der Wind dieser "Zauberräder" plötzlich dreht und statt dem Wedeln mit den vorausgesagten sich übernormal vermehrenden Geldscheinen nun nur ein trauriges Nachtrauern der weit über 50 % verlustigen Anteile für die enttäuschten ehemals optimistischen Anleger übrig bleiben könnte!

  • Ich habe als alter Investor seinerzeit die Hochglanzprospekte von PROKON-Genussrechten gelesen, bewertet und dem Papierkorb überantwortet. Jeder muß wissen, was er tut. Und vor allem nichts unterschreiben, das er nicht hundertprozentig verstanden hat oder in Dinge investieren, die er nicht hundertprozentig versteht.
    Ökowahn und Gier sind besonders gemeine Hirnfresser.

    Na ja, wieder ein paar Zeilen in den Wind .......

  • Sehr geehrter Herr Eichberger,
    bevor Sie sich sinnloserweise hier groß und breit einspreizen, sollten Sie meiner Meinung nach lieber zusehen, dass Sie ihr Geld von PROKON zurückerhalten.

  • Sehr geehrter Herr Eichberger,

    klar, es ist kein Schneeballsystem sondern ein Ponzi-System. Der Unterschied lässt sich leicht ergooglen. Vereinfacht gesagt mussten sich die Anleger nicht selbst um weitere Mitspieler bemühen sondern haben den Part an den Spielleiter delegiert. Das hilft den Betroffenen allerdings wenig, denn wie im Artikel gut dargestellt ist die Hälfte des Kapitals wahrscheinlich weg.

  • Liebes HAndelsblatt,

    es wäre schön und angemessen, wenn die Sortierung der Kommentare entsprechend der zeitlichen Abfolge vorgenommen würden .
    Augenblicklich zeigt Ihr Listing immer zuerst den unzutreffenden Beitrag "SChneeballsystem" , meine Widerlegung wird dann 4 Beiträge tiefer gezeigt udn auf der nächsten Seite .

    Ich bin Inhaber eine Onlinefirma. (Kein NAme Werbung hier untersagt ) Wir helfen -auch via Remote Fernwartung auf den Webservern- solche Fehler zu korrigieren, die eine faire Diskussion unmöglich machen.

    MfG
    Dipl.Ing.FH Martin Eichberger
    Inhaber

  • Aus Ihrem Brief tropft die Weisheit der Uninformiertheit.
    Nochmals ... ein Schneeballsystem scheidet aus !

    Selbst der SdK spricht von nachgewiesenen Investitionen von 800 Millionen € in den letzten Jahren . Nicht eingerechnet das Bioölwerk und der größte Palettenproduzent Europas, die zu Prokon und zu unseren Genussrechten gehören .
    Da kommt man auf 1,4 Milliarden die Genussrechte in der Gesellschaft stecken , ohne stille Reserven . Wo ist der Schneeball ? Ja weg ist er !!!!! Leerer Unsinn !!!!

    Man muss nur addieren können !!!!

    Sie sollten also Ihren Unsinn einstellen aus der Anonymität heraus von einem Schneeballsystem zu reden, denn das ist vorsätzliche Schädigung !

    Nennen Sie Ihren Namen ... , oder melden Sie sich als Nutzer an , dann kann man diskutieren .
    Dann kann man Sie aber auch verklagen , z.B. wegen Rufschädigung und übler Nachrede .
    Und genau das sollten die 70 000 Genussrechtsinhaber als Gemeinschaft auch machen !

    Gehören Sie eventuell zu einer der vielen "Social Media Unternehmen" die gegen Geld in allen ach so tollen Social Medias Stimmung und Votes gemäß Auftrag und Bezahlung hinterlassen ?

    Liebes HAndelsblatt ...
    solche zwischenzeitlich klar Rufschädigenden Aussagen aus der Anonymität heraus sind eigentlich Ihres Anspruches unwürdig !

    Ich als Genussrechteinhaber sehe mich bei solchen klar unzutreffenden Veröffentlichungen geschädigt !

    Liebe Genussrechteinhaber .
    Ich denke es ist an der Zeit für uns klar Stellung zu beziehen und uns gegen klar schädigenden Usinn zu wehren.

    Dipl.Ing. FH. MArtin Eichberger

  • Anlegerschützer SDK ?
    Mit welchem (Un)Recht tragen Sie diesen Namen ?

    Und darf man auch Fragen welche Interessen in diesem Spiel die Finanziers Ihrer Organisation haben?
    Laut Ihrer Website sind dies Fördermitglieder und Investment & Aktienclubs? Welche ausschliesslich?
    Sehr transparent muss ich sagen sehr verehrter Herr Bauer.
    Legen Sie doch bitteschön auch Ihre Finanzierung ganz transparent offen, z.B. auf Ihrer WEbsite, und mindestens so transparent wie dies bei Prokom der Fall ist .... auch Spenden bisher und zukünftig, damit man auch daraus seine Schlüssen ziehen kann .

    Sie, die vorgeblichen Anleger-Schützer haben die Krise herbei geredet, haben sich zum Instrument von Banken , Fondsgesellschaften, Venturkapitalisten, Grosskonzenen, Kohlestromerzeugern gemacht, dass es mri geradezu die Sprache verschlägt .

    Und eine weitere Bitte an Ihre "Schutzgemeinschaft Kapitalanleger" ....
    stellen Sie bitte sicher , dass Ihre Interviews und Aussagen in den Medien auch den Tenor treffen , den der SDK auf der eignen Website vertritt !
    Denn auch das unterscheidet sich massiv..

  • Geld frisst Hirn ist in diesem Fall kein Argument. Wenn jemand 6 - % Rendite für eine jahrzehntelange Investition erwartet bzw. akzeptiert, ist das keine Gier. Gier ist etwas anderes. Wenn die Investition die Zukunft positiv verändern kann, schon zweimal nicht. Ich glaube unsere Gesellschaft wird an einer anderen Gier zugrunde gehen.

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