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Brexit-Befürworter

Die Furcht vor einem ungeordneten Austritt hat die Inflation steigen lassen.

(Foto: Guardian / eyevine / laif)

Anleihemärkte So profitiert ein Blackrock-Manager vom Brexit-Chaos

Die europäischen Anleihemärkte wurden zuletzt kräftig durchgeschüttelt. Für aktive Manager ergeben sich Chancen, mit taktischen Wetten den Markt zu schlagen.
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Frankfurt Als deutscher Fondsmanager, der seit Jahren in London arbeitet, blickt Michael Krautzberger fassungslos auf das Brexit-Chaos. Man möchte die Briten fragen, warum sie sich das antun, wundert sich der Leiter des Euro-Anleiheteams beim Vermögensverwalter Blackrock.

Denn mit der nun beschlossenen Verlängerung der Brexit-Verhandlungen schade sich das Land vor allem selbst, sagt der Bond-Experte. „Man kann ja schon jetzt sehen, dass das Land an den globalen Investitionen keinen großen Anteil hat.“ Daher wäre es vor allem im Interesse Großbritanniens gewesen, die Austrittsverhandlungen nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Was die britische Wirtschaft schwächt, muss jedoch nicht schlecht fürs Portfolio sein. Die monatelangen Verhandlungen haben die Märkte kräftig bewegt. Für aktive Portfoliomanager bestand in den vergangenen Monaten die Chance, gegenüber dem Vergleichsindex Rendite gutzumachen. Es sind die Phasen hoher Volatilität, in denen aktive Manager ihre höheren Managementgebühren wieder einspielen können. Und diese Phase setzt sich fort.

Krautzberger etwa hielt die Angst der Märkte vor einem harten Brexit zwischenzeitlich für übertrieben. Daher wettete er gegen langlaufende, inflationsgeschützte Staatsanleihen. Der Markt handelte nach der Logik: Im Falle eines harten Euro-Austritts gibt das Pfund extrem nach. Das wiederum verteuert die Importe und heizt die Inflation im Land an.

Krautzberger hielt dagegen: „Aus meiner Sicht ist es unlogisch, dass sich wegen eines Währungseffekts auch die langfristigen Inflationserwartungen nach oben verschieben.“ Nachdem sich herauskristallisiert hatte, dass die Hängepartie in Großbritannien weitergeht, gingen auch die Kurse der zehnjährigen inflationsgeschützten britischen Staatstitel zurück – und der Blackrock-Manager konnte satte Gewinne einstreichen.

„Mario Draghi hat seinen eigenen Handlungsspielraum eingeschränkt.“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Michael Krautzberger

„Mario Draghi hat seinen eigenen Handlungsspielraum eingeschränkt.“

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Der Lohn: Der von ihm verwaltete Euro-Bond-Fonds hat Daten des Fondsanalysehauses Morningstar zufolge seit Jahresbeginn leicht um 1,1 Prozent zugelegt, während sich der Vergleichsindex mit einem Plus von 0,2 Prozent kaum bewegt hat. Der britische Anleihemarkt dürfte auch in den kommenden Monaten die Gelegenheit für aktive Manager bieten, den Gesamtmarkt mit taktischen Wetten zu schlagen.

Denn die Volatilität werde vorerst Bestand haben, sagt David Zahn, der beim Vermögensverwalter Franklin-Templeton den Bereich europäische Anleihen verantwortet. Eine Verschiebung des Austrittsdatums um mehr als einige Monate könnte mehr Zeit für ein neues Referendum oder eine Parlamentswahl bringen, erwartet er. Doch das dürfte „die Unsicherheit und die Verwerfungen an den Finanzmärkten erhöhen“, warnt er.

Zudem hätten die britischen Parlamentarier die Verhandlungsposition von Premierministerin Theresa May geschwächt. „Durch die Ablehnung eines ungeregelten Brexits hat das Unterhaus der britischen Regierung das letzte Druckmittel für ein besseres Abkommen mit der EU geraubt“, sagt Zahn. Es sei daher kaum vorstellbar, dass die EU ein besseres als das aktuelle Abkommen anbietet. „Die Optionen für eine saubere Lösung ist rar geworden.“

Eine Bewährungsprobe für Anleihemanager dürfte auch Italien bleiben. Zuletzt war die Rendite der zehnjährigen Staatstitel deutlich gefallen, von rund 3,7 Prozent im Oktober auf aktuell weniger als 2,5 Prozent. Im Gegenzug kletterten die Kurse um rund elf Prozent innerhalb eines halben Jahres – ein deutliches Kursplus für eine vergleichsweise wenig volatile Anlageklasse.

Krautzberger rechnet mit Neuwahlen in Italien

In den europäischen Anleiheindizes haben italienische Staatstitel wegen des hohen Schuldenstandes des Landes ein großes Gewicht in europäischen Anleiheindizes. Aktive Manager, die aus Angst vor einer Haushaltskrise italienische Papiere mieden, mussten Renditeverluste im Vergleich zum Index verschmerzen.

Auch Blackrock-Anleiheexperte Krautzberger hat sich mit Investments in Italien zurückgehalten. „Ich halte es für sinnvoll, Italien derzeit unterzugewichten“, sagt er. Dass es in Italien weiter ruhig bleibt, bezweifelt er. „Die Italienthematik verläuft in Wellen.“ Derzeit scheine die Regierung in Rom zwar stabil. „Allerdings fällt es mir schwer, zu glauben, dass die derzeitige Regierung eine volle Legislaturperiode durchhält.“

Dafür seien die Positionen der Koalitionspartner zu verschieden. „Aus meiner Sicht wird es irgendwann zu Neuwahlen kommen“, sagt Krautzberger. Die Folge: steigende Unsicherheit und steigende Risikoaufschläge für Italien. Statt auf die Reformwilligkeit der Regierung in Rom zu hoffen, setzt er auf Länder, die aus seiner Sicht nach der Euro-Krise tatsächlich Strukturreformen umgesetzt haben. Als Positivbeispiele nennt Krautzberger Portugal und Zypern.

Dass die Risikoaufschläge für Italien zuletzt so stark zurückgegangen sind, führen Experten auch auf die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Die Notenbank hatte Anfang März die Anhebung der Leitzinsen auf 2020 verschoben und neue Langfristkredite für Banken angekündigt. EZB-Chef Mario Draghi habe keine andere Wahl gehabt, als auf die schwachen Konjunkturaussichten in der Euro-Zone zu reagieren, sagt Krautzberger.

Denn der Möglichkeit, das Anleihekaufprogramm überraschend zu verlängern, habe sich Draghi selbst beraubt. „Die EZB hat sich schon relativ früh, im Sommer 2018, festgelegt, das Ankaufprogramm für Staatsanleihen auslaufen zu lassen. Damit hat Mario Draghi seinen eigenen Handlungsspielraum eingeschränkt.“

Iain Lindsay, Co-Anleihechef von Goldman Sachs Asset Management, bezweifelt, dass es der EZB gelingt, ihrem Inflationsziel von zwei Prozent näher zu kommen. „Europa hat Kapazitätsreserven, und die Inflation dürfte weiterhin sehr gedämpft bleiben“, sagt er. „Wir müssten deutlich schneller steigende Löhne sehen, damit sich das ändert.“ Danach sehe es jedoch nicht aus, so Lindsay.

Blackrock-Manager Krautzberger wittert dagegen eine Einstiegsmöglichkeit: Er hält die extrem niedrigen Inflationserwartungen in der Euro-Zone für eine weitere Marktübertreibung. „Der Markt geht davon aus, dass die EZB ihr Inflationsziel über Jahre sehr stark verfehlt“, so Krautzberger. Das hält er für unwahrscheinlich – und inflationsgeschützte Anleihen aus dem Euro-Raum daher für unterbewertet. „Das wird sich nicht in den nächsten drei Wochen korrigieren“, dämpft er die Erwartung auf schnelle Gewinne. „Aber wenn die Inflation wieder anzieht, lässt sich damit Geld verdienen.

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