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Anleihen Finger weg von Firmenbonds

Anleihen europäischer Unternehmen steuern auf das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise zu. Die Verluste sind zwar noch nicht dramatisch, aber die Risiken nehmen 2019 zu.
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Unternehmensanleihen galten in Europa bislang als sichere Anlagen – das ändert sich jetzt.
Handelssaal der Deutschen Bank

Unternehmensanleihen galten in Europa bislang als sichere Anlagen – das ändert sich jetzt.

FrankfurtLange Zeit konnten sich Besitzer von Unternehmensanleihen – gerade in Europa – die Hände reiben. Während Europas Aktienmärkte schon kurz nach Jahresbeginn auf Tauchstation gingen, hielten sich die Zinspapiere von Unternehmen recht gut. Doch damit ist jetzt Schluss.

Seit Oktober haben auf Euro lautende Anleihen von Konzernen mit guter Bonität im Schnitt 0,7 Prozent an Wert eingebüßt. Bei Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität sind es sogar 2,8 Prozent. Die zuvor erreichten zumindest moderaten Gewinne aus Kurssteigerungen und Zinseinnahmen sind damit vollständig aufgezehrt. Die Firmenbonds haben seit Januar 1,3 beziehungsweise 2,9 Prozent verloren.

Damit stehen sie zwar immer noch besser da als Europas Aktienmärkte, die gemessen am breiten Index Europe Stoxx 600 rund acht Prozent eingebüßt haben. Dennoch steuern die Anleihen von europäischen Firmen auf das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise zu (siehe Grafik).

Unternehmensanleihen sind zwar in der Regel stabiler als Aktien. Bei Zinspapieren kommt es Anlegern schließlich vor allem darauf an, dass die Unternehmen zahlungsfähig bleiben. Zuletzt war der Gegenwind aber auch für die Anleihen der Unternehmen zu stark.

Der Rückschlag am amerikanischen Aktienmarkt, der fallende Ölpreis, Gewinnwarnungen der Unternehmen und schwächere Konjunkturdaten machten den Firmenbonds zu schaffen – und das nicht nur in Europa, sondern auch in den USA.

Grafik

Die Investoren erinnern sich „plötzlich daran, was höhere Zinsen, eine weniger unterstützende Zentralbank und eine nicht so expansive Wirtschaft auch für Unternehmensanleihen bedeuten“, meint Elena Moya vom Fondshaus M&G Investments.

Wie nervös die Investoren jetzt geworden sind, zeigt das Beispiel General Electric (GE). Der Mischkonzern hatte Investoren im dritten Quartal mit drastischen Abschreibungen und einem Verlust von knapp 23 Milliarden Dollar schockiert. Die drei Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch haben in den vergangenen Wochen ihre Ratings für den Konzern um zwei Stufen auf „BBB+“ gesenkt.

Damit ist GE immerhin noch zwei Stufen von einem Rating für schwache Schuldner entfernt. Anleger gerieten dennoch in Panik: GE-Bonds brachen binnen weniger Wochen je nach Laufzeit um zwischen zwei und 20 Prozent ein. Das verunsicherte den gesamten Markt, denn General Electric hat Anleihen für rund 120 Milliarden Dollar ausstehen – so viel wie weltweit kein anderer Konzern.

Im kommenden Jahr dürfte das Umfeld für die Anleihemärkte noch rauer und für die Anleger noch unsicherer werden. Das hängt vor allem an den Zentralbanken. Die US-Notenbank (Fed) will die Leitzinsen weiter erhöhen. Fed-Chef Jerome Powell hat zuletzt erneut betont, dass der Leitzins über den „neutralen“ Zins hinaus angehoben werden könnte. Als „neutral“ gilt ein Zinssatz, der die Wirtschaft weder stützt noch bremst.

Aktuell liegt dieses Niveau bei drei Prozent. Die Landesbank Baden-Württemberg schätzt, dass der neutrale Zins Mitte 2019 überschritten wird. Dann würden die Zinskosten für Unternehmen noch empfindlicher an den Margen zehren und zur Belastung werden.

EZB zieht sich zurück

In der Euro-Zone will die Europäische Zentralbank (EZB) frühestens Mitte nächsten Jahres ganz vorsichtig mit den ersten Zinserhöhungen beginnen. Dabei dürfte sie zunächst den negativen Einlagensatz von minus 0,4 Prozent, zu dem Banken über Nacht Geld bei der Notenbank anlegen können, leicht erhöhen.

Der Leitzins für Ausleihungen an Banken dürfte noch länger bei null Prozent liegen. Dennoch droht auch dem europäischen Bondmarkt vonseiten der Notenbank Ungemach. Ab Januar will die EZB keine Anleihen mehr neu für ihr jetzt knapp 2,6 Billionen Euro schweres Portfolio kaufen, sondern lediglich auslaufende Anleihen ersetzen.

Das betrifft vor allem Staatsanleihen, doch auch bei Firmenbonds fällt die EZB als Neukäufer weg. Bislang hat sie Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität für 176 Milliarden Euro gekauft. „Der Rückzug der EZB wird Unternehmensanleihen unter Druck bringen“, sind die Strategen des Vermögensverwalters Robeco überzeugt.

Das gilt umso mehr, als die Renditen und Risikoprämien der Unternehmensanleihen gerade in Europa trotz des jüngsten Kursverfalls und des damit verbundenen Renditeanstiegs immer noch niedrig sind. Im Schnitt liegt die Rendite von Unternehmensanleihen mit guter Bonität bei gerade mal 1,3 Prozent bei einer Laufzeit von gut sechs Jahren.

Bei Anleihen von Unternehmen wie dem Konsumgüterkonzern Unilever, dem Lebensmittelriesen Nestlé, der Deutschen Telekom bekommen Anleger 0,7 und 0,9 Prozent für sechsjährige Zinspapiere. Zwischen 1,3 und 2,3 Prozent gibt es für vergleichbare Bonds der unter Druck stehenden Autokonzerne wie Daimler, Renault und VW. Doch auch das liegt unter der Inflationsrate von 2,2 Prozent.

Mehr Rendite gibt es für solche Anleihen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen. Euro-Firmenbonds dieser Kategorie rentieren im Schnitt mit gut vier Prozent. Das klingt ganz ordentlich, doch die Ausfallrisiken bei den Firmen mit geringer Kreditwürdigkeit sind hoch.

Hinzu kommt: Wenn die Investoren risikoscheuer werden und die Schwankungen an den Aktienmärkten zunehmen, fliehen Investoren verstärkt auch aus Anleihen von Unternehmen mit geringer Kreditwürdigkeit.

Fazit: Die Anleihen von Unternehmen sind zwar billiger geworden, doch die Renditen locken nicht zum Einstieg. Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten, bekommen nur wenig Ertrag. Investoren wie Fonds, die neben den Zinsen auf zwischenzeitliche Kursgewinne von Anleihen setzen, steht ein hartes Jahr bevor. Die Gefahr, dass die Kurse fallen, ist größer als die Chance auf einträgliche Kurssteigerungen.

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