Atomfonds Kenfo: Auf diese umstrittenen Investments lässt sich Deutschlands erster Staatsfonds ein
Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und sein Amtskollege Ilham Alijew aus Baku: Der Atomfonds Kenfo hat unter anderem in aserbaidschanische Staatsanleihen investiert.
Foto: via REUTERSDüsseldorf. Deutschlands erster Staatsfonds hat sich zumindest in der Theorie strenge Regeln auferlegt. Der Fonds mit dem Namen Kenfo orientiere sich am Bild der „ehrbaren Kaufleute“, schreibt Vorstandschefin Anja Mikus im Vorwort des Verhaltenskodexes. Er müsse „jederzeit rechtlich und moralisch“ im Einklang mit gesellschaftlichen Werten handeln.
Per Gesetz ist er zudem verpflichtet, nach den ESG-Kriterien zu handeln – also ökologisch, sozial und ethisch zu investieren. Doch Handelsblatt-Recherchen wecken Zweifel daran, wie ernst der Fonds es damit nimmt.
Kenfo ist die Abkürzung für „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“. Die größte öffentlich-rechtliche Stiftung Deutschlands kennt kaum jemand, verwaltet aber mehr als 25 Milliarden Euro. Das Geld haben die deutschen Kraftwerksbetreiber Eon, EnBW, RWE und Vattenfall 2017 eingezahlt. Der Entsorgungsfonds legt die Milliarden im Auftrag des Staates an, um mit den Erträgen die dauerhafte Lagerung von Atommüll zu finanzieren.
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sieht den Kenfo nun sogar als Vorbild für Größeres. In einem Papier aus seinem Ministerium zieht er den Fonds als Vorbild für den Aufbau seiner Aktienrente heran: Die Aktienrücklage, heißt es darin, solle „von den Erfahrungen und der Expertise des Kenfo als Vermögensverwalter profitieren“.