Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ausblick Aktienexperten setzen auf eine Erholung der Finanzmärkte in China

Der Handelsstreit hat chinesische Aktien unter Druck gesetzt. Doch je mehr sich Washington und Peking annähern, desto größer die Comeback-Hoffnung.
Kommentieren
Die Hoffnung liegt auf mehr Wachstum im zweiten Halbjahr – und zurückkehrenden Aktiengewinnen. Quelle: Reuters
Blick auf das Finanzzentrum in Schanghai

Die Hoffnung liegt auf mehr Wachstum im zweiten Halbjahr – und zurückkehrenden Aktiengewinnen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEs passiert selten, dass ein Statistik-Chef Schlagzeilen macht. Aber am Montag erregte Ning Jizhe, Leiter des nationalen Statistikbüros von China, weltweit Aufmerksamkeit. Sein Land habe „großen Spielraum“, die Wirtschaft zu unterstützen, betonte er. Der Hinweis kam, nachdem China für 2018 mit 6,6 Prozent das schwächste Wachstum seit 1990 ausgewiesen hatte. Das letzte Quartal lag mit 6,4 Prozent unter den Erwartungen.

Der Chef-Statistiker bekräftigte damit die Erwartung von Experten: Die Regierung in Peking wird sich zunächst wieder mehr auf Wachstum konzentrieren und weniger darauf, die interne Verschuldung zu verringern.

Die aktuelle Schwäche Chinas, so ihre These, ist nicht nur auf den Handelskrieg mit den USA zurückzuführen, sondern vor allem auf eine bis vor wenigen Monaten noch sehr restriktive Finanz- und Geldpolitik. Weil die Politik inzwischen umgeschwenkt ist, so heißt es, sollten sich die stark unter Druck geratenen Finanzmärkte Chinas wieder erholen. Für Anleger wären das gute Nachrichten.

Stephen Kam, Asienexperte der britischen Investmentfirma Schroders, empfiehlt vor allem A-Aktien. Das sind Titel, die in Schanghai und Shenzhen in Landeswährung gehandelt werden. „Bei den A-Aktien ist die Bewertung attraktiver“, sagt Kam. Weil dieser Markt zu 80 Prozent von privaten Aktionären beherrscht wird, sieht er noch gute Chancen für aktive Fondsmanager, „Ineffizienzen auszunutzen“.

In dem Bereich finden sich riesige Konzerne wie etwa Midea, ein Anbieter von „weißer Ware“ wie Kühlschränken, die im Ausland relativ unbekannt sind.

A-Aktien sind allerdings direkt schwer zu kaufen. Vielfach bietet sich der Einstieg über Fonds an. Leichter ist der Zugang an der Börse Hongkong, wo zum Beispiel die international bekannten Werte Tencent und Haier gehandelt werden, oder New York, wo Alibaba an der Nyse notiert ist und Baidu an der Nasdaq. Doch Kam warnt: Die bekannten Firmen wie Alibaba und Tencent seien zwar hervorragend positioniert, aber auch schon teuer.

„Eine Mini-Kreditkrise“

Für Anleger ist entscheidend, wie sich die chinesische Wirtschaft insgesamt weiter entwickelt. Sean Darby, der in Hongkong ansässige Chef-Aktienstratege der US-Bank Jefferies, ist der Meinung, dass Peking im vergangenen Jahr bis in den Spätsommer hinein stark gebremst hat. „Das hat eine Mini-Kreditkrise erzeugt“, sagt er.

Grafik

„Das Schattenbanksystem war in Gefahr zu kollabieren. Da mussten sie zurückrudern.“ Dabei hofft er, dass neuer Kredit mehr über das offizielle Bankensystem ausgereicht wird und nicht abseits davon in den sogenannten Schattenbanken.

In China hat sich im Schatten der offiziellen Finanzhäuser ein lebhaftes Kreditgeschäft entwickelt, bei dem begüterte Privatleute Geld vor allem an kleine und mittlere Unternehmen verleihen. Darby beziffert das Volumen auf umgerechnet rund eine halbe Billion Dollar.

Ähnlich sieht es Kam: „Wir haben 2018 eine Verlangsamung des Wachstums gesehen, die vor allem auf das Bemühen der Regierung zurückzuführen war, die innere Verschuldung abzubauen und das ausufernde System der Schattenbanken in den Griff zu bekommen“, sagt er. Er erwartet, dass die Schwäche im ersten Halbjahr noch spürbar ist, das Wachstum dann aber wieder zulegt.

Christian Keller, Chefökonom von Barclays, stimmt im Prinzip zu. Aber er warnt davor, den staatlichen Einfluss zu stark zu bewerten. „China kann weniger und will auch weniger machen“, sagt er. Die Verschuldung des Landes ist bereits stark angestiegen, und Peking will die Landeswährung Yuan nicht zu sehr schwächen, um die Amerikaner im Handelsstreit nicht zu provozieren. Auf der anderen Seite: Falls die Regierung, wie zum Teil erwartet, die Firmen steuerlich entlastet, würde das den Aktien zugutekommen.

Die internationale Bankenorganisation IIF ist kritischer. Sie nennt chinesische Firmen als Hauptverantwortliche für den Anstieg der globalen Verschuldung auf einen Rekordwert von 92 Prozent der jährlichen Produktion.

Die chinesische Notenbank hat schon längst wieder auf Lockerung umgestellt. Unter anderem hat sie die Mindestreserven an Liquidität, die die Banken bei ihr anlegen müssen, gesenkt. Und die Regierung hat die Einkommensteuer durch eine neue Einteilung der Klassen gesenkt.

Seit einigen Jahren erlaubt die chinesische Regierung ausländischen Anlegern, über Hongkong A-Aktien in China zu kaufen. Mehr als 1 400 Aktien A-Aktien sind an den Börsen Schanghai und Shenzhen für Ausländer zu kaufen, wie Martin Fechtner, Analyst beim Fondsratinghaus Scope Analysis, erklärt. Investitionen in chinesische Festlandaktien sind aber erst interessanter für Anleger geworden, seit der Indexanbieter MSCI A-Aktien im Juni 2018 in seine Indizes aufgenommen hat.

Fondsmanager schauen auf diese Indizes, und die passiven ETFs bilden diese nach. Bisher machen A-Aktien im MSCI Emerging Markets nur knapp ein Prozent aus. Der Anteil dürfte schrittweise zunehmen. Das Interesse der Investoren nehme zu, sagt Fechtner. 2018 ist erstmals mehr Geld von Hongkong aus an die chinesischen Festlandbörsen geflossen als umgekehrt.

In Einzelwerte zu investieren ist für private Anleger schwierig: Über Brokerplattformen können sie A-Aktien kaufen, wenn sie über ein Konto bei einem Broker in Hongkong an Festlandbörsen handeln. Über Ceinex, ein Joint Venture der Deutschen Börse unter anderem mit der Börse Schanghai, ist zudem neben ETFs und Anleihen mit dem Haushaltsgerätehersteller Qingdao Haier eine Festlandaktie zu kaufen. Haier ist bisher der einzige Titel in diesem neuen Segment der „D-Aktien“.

Bankberater empfehlen aktiv gemanagte Fonds und ETFs, auch um Verlustrisiken über verschiedene Aktien zu verteilen.

Im Jahr 2018 hat sich das offenbar bewährt, als die Kurse der Titel im Zuge der Sorgen über den Handelskrieg und ein sich abschwächendes Wachstum einbrachen. Interessant findet Fechtner von Scope aber, dass sich die Aktien im vierten Quartal stabilisierten – während die etablierten Märkte weiter abrutschten. Für ihn ein deutliches Zeichen: Investoren nehmen vorweg, dass „der chinesische Staat in der Lage ist und auch nicht zögert, die Wirtschaft zu stützen“.

Zwar haben A-Aktienfonds 2018 auch unter der Börsenschwäche gelitten (siehe Tabelle). Aber aktive, von Fondsmanagerhand gesteuerte Fonds haben sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als der Vergleichsindex und ETFs.

Das spiegelt nach Ansicht von Fechtner die Ineffizienz des Festlandmarktes wider: „Bisher werden A-Aktien zu mehr als drei Viertel von Privatinvestoren gehandelt“, erklärt er. In Hongkong machten sie nur gut ein Drittel aus. Das schaffe Chancen für Fondsmanager, die Indizes zu schlagen. Allerdings drängten immer mehr professionelle Investoren in den Markt, daher bleibe spannend, wie sich die Fondsprofis weiter behaupteten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Ausblick - Aktienexperten setzen auf eine Erholung der Finanzmärkte in China

0 Kommentare zu "Ausblick: Aktienexperten setzen auf eine Erholung der Finanzmärkte in China "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.