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Ausblick aufs Börsenjahr So riskant ist die Rally

Das Dax-Börsenjahr 2017 ist beendet, die Rally setzt sich weiter fort. Glaubt man einer alten Börsenregel, droht Anlegern unweigerlich eine lange Durststrecke. Experten relativieren – und erwarten steigende Kurse.
2 Kommentare
2017 war ein sehr gutes Aktienjahr. Quelle: dpa
Ein Händler fotografiert den Handelssaal am letzten Börsentag

2017 war ein sehr gutes Aktienjahr.

(Foto: dpa)

Düsseldorf An der Frankfurter Börse knallen bereits die Sektkorken. Mit einem Schlussstand von 12.913 Punkten verabschiedet sich der Dax in das Silvester- und Neujahrswochenende. Im abgelaufenen Jahr hat der deutsche Leitindex damit ein Plus von 13 Prozent eingefahren. Die sagenhafte Erfolgsgeschichte geht also weiter. Denn es ist bereits das sechste Jahr in Folge, das der Dax mit einem Plus beendet – die längste Serie seines Bestehens. Letztmals hatten Deutschlands wichtigste börsennotierte Unternehmen solch eine Gewinnstrecke in den 1980er-Jahren geschafft – noch vor der Entstehung des Dax in seiner heutigen Form.

Die aktuelle Gewinnstrecke konnte auch der eher schwache Dezember nicht beenden. Die Jahresendrally mag ausgefallen sein und nach Weihnachten ging es auch leicht zurück mit dem Dax, aber im Jahr 2017 hat der deutsche Leitindex gleich mehrere Allzeithochs markiert. Und auch der Dow rennt von Rekord zu Rekord.

Wer sich dabei an eine Aussage von Gottfried Heller erinnert, der ahnt Böses. „Alles ist vergänglich. Nichts ist auf Dauer, weder eine Hausse noch eine Baisse“, sagte der Vermögensverwalter und langjährige Partner von Börsenaltmeister André Kostolany einst. „Als Faustregel gilt: Eine Hausse dauert etwa dreimal länger als eine Baisse. Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit mit Timing, sondern nutzen Sie Baissen für Käufe.“

„Seien Sie mutig und investieren Sie Ihr Geld in Aktien“

Fondsmanager Christoph Bruns findet diese Faustregel von Baisse und Hausse spannend. Der Mitinhaber des Fondshauses Loys gibt aber zu bedenken: „Dabei handelt es sich um eine empirische Beobachtung – eine Heuristik -, nicht aber um einen naturgesetzlichen Verlauf.“

Deshalb glaubt Bruns auch, dass die Zeitregel à la Heller aktuell nicht gültig ist, „denn seit der großen Finanzkrise gibt es eine ,neue Normalität‘“. Der übliche Verlauf von Auf- und Abschwung sei durch bisher nicht gekannte Interventionen der weltweiten Zentralbanken außer Kraft gesetzt worden. „Der positive Realzins, vielleicht die wichtigste ökonomische Steuerungsgröße schlechthin, ist staatlich abgeschafft worden“, sagt Bruns. „Ohne Zins hat die Aktienanlage keinen liquiden Wettbewerber mehr. Solange die Zinsen von den Notenbanken manipuliert werden, können die Aktienmärkte nicht nach den alten Regeln funktionieren.“ Das Ende des Zinsexperiments sei freilich völlig offen.

Auch Uwe Zimmer, Chef des Fintechs Fundamental Capital, kann der Börsenregel von Baisse und Hausse grundsätzlich zustimmen. „Jedoch ist jede Faustregel auch mit Vorsicht zu genießen und nicht auf jede Situation anwendbar“, warnt er. „Wenn man das beherzigt, dann wird klar, dass bisher jede Baisse immer auch sehr gute Kaufgelegenheiten geschaffen hat.“

Nur bedingt zustimmen kann der Aussage Hellers Lars Reiner. „Es ist vollkommen richtig, dass üblicherweise auf eine längere Aufwärtsphase früher oder später eine Abwärtsphase folgt“, sagt der Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Ginmon. „Diese Faustregel führt jedoch häufig dazu, dass Privatanleger auf die unmittelbar bevorstehende Baisse warten und somit freie Gelder nicht anlegen, sondern beispielsweise auf dem Tagesgeldkonto zurückhalten.“

Dieses Verhalten sei gefährlich, denn viele Anleger würden aus diesem Grund seit vier Jahren nicht mehr investiert sein. Und allein der Dax hat in diesem Zeitraum rund 30 Prozent Rendite gemacht. „Deswegen empfehle ich grundsätzlich, ähnlich wie Herr Heller, die eigene Zeit nicht mit Market-Timing zu verschwenden, sondern so früh wie möglich in den Markt einzusteigen und langfristig investiert zu bleiben“, so Reiner.

Max Otte hält es lieber mit Warren Buffett. Der Superinvestor rät Anlegern, vorsichtig oder sogar ängstlich zu sein, wenn alle gierig sind. „Es wird Zeit, von der Offensive in die Defensive zu gehen“, glaubt der Fondsmanager und Börsenprofessor. Auch hält er wenig von Faustregeln. „Zwangsläufig ist nur, dass auf eine Hausse eine Baisse folgt und dass die Aktienmärkte nie im Einklang mit der Wirtschaft wachsen, sondern nach oben und unten übertreiben“, sagt er. „Und die Wahrscheinlichkeit für eine Baisse steigt.“ Die ersten Monate des neuen Jahres könnten vor allem aufgrund der Steuerreform in den USA noch gut laufen, danach schließt er stärkere Rücksetzer nicht aus.

Das Traumszenario eines jeden Anlegers gibt es nicht
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2 Kommentare zu "Ausblick aufs Börsenjahr: So riskant ist die Rally"

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  • Ein guter Broker und Limit Stops, wo ist das Risiko ?
    Stopp schreib ich nicht es bleibt beim Stop.

  • „Wird's besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!“ (Quelle: http://zitate.woxikon.de/autoren/erich-kaestner)

    Wie dem auch sei: Am Geld wird das in Zukunft hoffentlich nicht mehr liegen.

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