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Ausschüttungen Das Ende der mageren Jahre: Aktionäre können wieder auf steigende Dividenden hoffen

Weltweit verbessert sich die Gewinnsituation für viele Unternehmen. Davon profitieren auch Aktionäre: Sie können in diesem Jahr wieder mit höheren Ausschüttungen rechnen.
26.05.2021 - 00:01 Uhr Kommentieren
Weltweit kürzte im ersten Quartal 2021 nur noch jedes fünfte Unternehmen seine Dividende. 2020 waren es noch jedes dritte. Quelle: Reuters
Skulpturen von Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Weltweit kürzte im ersten Quartal 2021 nur noch jedes fünfte Unternehmen seine Dividende. 2020 waren es noch jedes dritte.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Düsseldorf Es gibt in diesem Jahr wieder mehr Geld für Aktionäre. Nach einem überraschend guten ersten Quartal, was Firmenergebnisse wie Dividendenzahlungen angeht, erwarten Aktienspezialisten höhere Ausschüttungen für das gesamte Jahr.

Die ersten Erfolge beim Versuch, aus der Corona-Rezession herauszufinden, machen die Unternehmen weltweit wieder spendabler. Allerdings kommen sie in einzelnen Regionen und Sektoren unterschiedlich schnell wieder auf die Beine. Das geht aus einer Studie des britischen Fondsanbieters Janus Henderson hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Da das erste Quartal zweifellos besser als erwartet ausfiel, sind wir nun zuversichtlicher, dass die Unternehmen bereit und in der Lage sind, Dividenden zu zahlen“, sagt Jane Shoemake, Aktienspezialistin bei Janus Henderson. So sanken die Dividendenzahlungen der Untersuchung zufolge in den ersten drei Monaten weltweit so langsam wie zuletzt vor einem Jahr – unter dem Strich um knapp drei Prozent auf 275,8 Milliarden Dollar.

Nur noch jedes fünfte Unternehmen kürzte seine Ausschüttungen, nachdem sich dazu 2020 noch ein gutes Drittel entschlossen hatte. So könnte das Niveau der Dividendenzahlungen, das nun auf den Stand von 2017 gesunken ist, einen Boden gefunden haben.

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    Angesichts des stärkeren ersten Quartals und besserer Aussichten für die Geschäftsentwicklung der Firmen dank Fortschritten beim Impfen und vielerorts sinkender Corona-Fallzahlen haben die Fondsmanager ihre Dividendenprognose für das gesamte Jahr 2021 auf 1,36 Billionen Dollar angehoben. Das entspricht einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 8,4 Prozent.

    Anfang des Jahres hatten sie noch maximal einen Anstieg von fünf Prozent erwartet, hielten aber auch weiter rückläufige Dividenden für nicht unwahrscheinlich.

    Vor allem zu Beginn des zweiten Quartals dürften die Jahresvergleiche sehr positiv ausfallen, erwartet Shoemake. Denn das zweite Viertel des vergangenen Jahres war „der stärkste Zeitraum für Dividendenkürzungen“.

    Optimistische Erwartungen für Aktionäre in Europa

    In Europa haben Analysten seit Jahresbeginn ihre Dividendenerwartungen für 2021 um gut drei Prozent angehoben. „Angesichts der sich abzeichnenden Gewinnerholung dürfte es jedoch nicht dabei bleiben“, meint Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Er rechnet damit, dass sich das Comeback der Dividendenstrategien im Jahresverlauf fortsetzen wird.

    Auch Daniela Brogt, Vertriebschefin Deutschland bei Janus Henderson, erkennt „nach einem sehr schlechten Jahr 2020 mit Rekordrückgängen bei europäischen Dividenden Potenzial für einen schnellen und kräftigen Anstieg der Dividenden in den nächsten Quartalen“. Nach Ansicht von Brogt sollten dazu auch deutsche Unternehmen gehören.

    Die aktuelle Lage deutet darauf hin, dass die Aktienexpertin recht behält. Im laufenden Jahr schütten die 160 Unternehmen aus dem Dax, MDax und SDax nach Berechnungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Zusammenarbeit mit dem Institute for Strategic Finance an der FOM Hochschule knapp 45 Milliarden Euro an Dividenden aus. Ein Großteil davon befindet sich bereits in den Depots der Aktionäre.

    Grafik

    Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von fünf Prozent. „Das belegt, dass die Unternehmen positiver in die Zukunft blicken“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

    Von den knapp 45 Milliarden Euro entfallen nach Handelsblatt-Berechnungen allein 34 Milliarden auf den Dax. Das ist gut ein Prozent mehr als im Vorjahr.

    Mit vier Milliarden Euro schüttet der Versicherer Allianz in Deutschland am meisten aus, gefolgt von BASF und Siemens mit jeweils rund drei Milliarden Euro. Die stärksten Anhebungen im Dax gab es in diesem Jahr bei Daimler mit einem Plus von 50 Prozent sowie bei SAP, der Deutschen Post und dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen mit jeweils rund 15 Prozent.

    Im Dax haben trotz des schwierigen Corona-Jahres 2020 gleich 16 Unternehmen eine höhere Dividende angekündigt oder bereits ausgeschüttet. Nur fünf Unternehmen haben ihre Dividende gekürzt.

    Vor allem der leichte Dividendenanstieg im Dax überrascht, weil die Konzerne netto zusammengerechnet nur gut 40 Milliarden Euro verdient haben. Sie schütten demnach 85 Prozent ihres Gewinns aus. Dies liegt deutlich über der international üblichen Ausschüttungsquote von 40 bis 50 Prozent.

    Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass milliardenschwere Abschreibungen, die nicht liquiditätswirksam sind, das Bild verzerren. So hat BASF nach seinem Aktionärsjahrestreffen drei Milliarden Euro ausbezahlt, trotz eines Nettoverlusts von einer Milliarde Euro. Doch darin sind Abschreibungen und Wertberichtigungen von 6,7 Milliarden Euro enthalten. Dieses Geld ist nicht aus dem Unternehmen abgeflossen.

    Ohne diese Bilanzbereinigung verblieb ein Gewinn von 5,6 Milliarden Euro. Bayer bilanzierte sogar einen zweistelligen Milliardenverlust, unter Ausklammerung der nicht zahlungswirksamen Abschreibungen jedoch einen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro.

    Dividendenzahlungen bei Banken noch unsicher

    Je nachdem, ob und zu welchen Bedingungen Banken in diesem Jahr Ausschüttungen vornehmen werden, könnten auch sie höher als erwartet ausfallen, meint Janus Henderson. In diesem Sektor müsse man nicht nur die Firmengewinne abwarten. Unsicher sei auch, wann und wie umfassend die regulatorischen Beschränkungen für Bankendividenden aufgehoben würden, insbesondere in Europa und Großbritannien.

    Zwar besteht kein ausdrückliches Dividendenverbot für europäische Banken, es gibt aber immer noch sehr große Einschränkungen: Bis September des laufenden Jahres sollen Banken in der Euro-Zone nach einer Empfehlung der Finanzaufsicht der Europäischen Zentralbank auf die Ausschüttung von Dividenden und auf Aktienrückkäufe verzichten – oder diese eng limitieren. Das seit März 2020 geltende faktische Verbot ist damit seit Ende 2020 zumindest etwas gelockert worden.

    Sollten sich Banken für Dividenden entscheiden, darf die dafür aufgewendete Summe nicht mehr als 15 Prozent der kumulierten Gewinne der Jahre 2019 und 2020 oder 0,2 Prozentpunkte der harten Kernkapitalquote (CET 1) betragen.

    Zudem müssen die Banken profitabel sein, eine robuste Kapitalentwicklung aufweisen und die angestrebten Ausschüttungen mit ihren zuständigen Aufsehern diskutieren.

    In Großbritannien hat die dort zuständige Aufsichtsbehörde den Banken eine Obergrenze für Dividenden von immerhin 25 Prozent der Gewinne der letzten zwei Jahre oder maximal 0,2 Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme vorgegeben.

    In Deutschland schütten die zwei Großbanken, Deutsche Bank und Commerzbank, wie schon in den Vorjahren auch in diesem Jahr keine Dividenden aus.

    Orientierung an den Gepflogenheiten der Wall Street

    Der Umgang mit den Dividenden nach dem schwierigen Corona-Geschäftsjahr 2020 belegt, dass sich die Dax-Konzerne immer mehr an den Mechanismen der Wall Street orientieren. Das bedeutet: möglichst stabile Dividenden in schlechten Jahren, so wie es beispielsweise BASF vollzogen hat, und maßvolle Erhöhungen in guten Jahren. Auch deshalb erreichen die Dax-Konzerne für das schwierige Geschäftsjahr 2020 eine so hohe Ausschüttungsquote.

    Für den Dax errechnet sich bei einem Börsenwert aller 30 Dax-Konzerne von rund 1,5 Billionen Euro eine Dividendenrendite von 2,3 Prozent. Das ist weniger als in früheren Jahren – was allerdings aus den stark gestiegenen Aktienkursen resultiert.

    Auch Aktienrückkäufe als Alternative zur Verwendung von Liquiditätsüberschüssen dürften nach Einschätzung von Janus Henderson wieder zunehmen. Dies werde die Höhe der Dividendenausschüttung beeinflussen, insbesondere in den USA, meint Spezialistin Shoemake. In den USA gibt es bereits wieder viele Aktienrückkäufe – der Boom aus Vor-Corona-Zeiten dürfte sich also fortsetzen.

    Dagegen wird in Deutschland auch 2021 das Instrument so gut wie nicht genutzt. Selbst traditionelle Rückkäufer wie die Munich Re, die in Vor-Corona-Zeiten Jahr für Jahr eine Milliarde Euro jährlich in den Kauf eigener Aktien investierte, beabsichtigt nicht, ihre abgeschlossenen Rückkaufprogramme wiederaufzunehmen.

    Große regionale und sektorale Unterschiede

    Bei den Dividendenzahlungen gab es im ersten Quartal deutliche Unterschiede: Nach Regionen betrachtet nahmen die Ausschüttungen in Europa Janus Henderson zufolge im Jahresvergleich um deutliche 10,8 Prozent zu auf 42,5 Milliarden Dollar, vor allem angekurbelt durch Nachholzahlungen skandinavischer Banken wie auch Schweizer Unternehmen.

    In anderen Regionen der Welt gingen die Dividenden dagegen noch zurück: So sanken sie in Nordamerika um gut acht Prozent auf insgesamt gut 139 Milliarden Dollar. Dies allerdings vor allem, weil sich ungewöhnlich hohe Sonderdividenden aus 2020 nicht wiederholten. Auch in Asien sanken die Dividenden, auffällig war ein Rückgang in Hongkong um knapp 17 Prozent.

    Deutlich schlechter ist demnach die Lage in Großbritannien, wo die Dividenden im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel zurückgingen. Verantwortlich dafür waren vor allem Kürzungen bei Ölunternehmen.

    Nach Sektoren betrachtet ragten positiv Bergbauunternehmen heraus. Die wieder anziehenden Rohstoffpreise haben zu einem deutlichen Anstieg der Ausschüttungen geführt, der durch große einmalige Sonderdividenden noch verstärkt wurde.

    Die Bergbauunternehmen erhöhten ihre Dividenden laut Janus Henderson um 85 Prozent und haben weitere Erhöhungen im Laufe des Jahres angekündigt. Unter den Dividendenkönigen finden sich mit BHP und Fortescue Metal denn auch zwei Unternehmen aus der Branche (Tabelle).

    Den größten Rückgang wies dagegen die Sparte zyklische Konsumgüter auf. Einzelhändler, Anbieter von Gebrauchsgütern, Autos und Reisen sind stark von den sich erst allmählich lockernden Corona-Beschränkungen betroffen.

    Dividendenkönige im ersten Quartal waren nach den Berechnungen von Janus Henderson mit Novartis und Roche zwei Schweizer Pharmariesen vor BHP und der britischen Supermarktkette Tesco.

    Aus Deutschland steht Siemens auf Rang neun. Die meisten deutschen Firmen schütten aber später aus. Im Vergleich zum Gesamtjahr gibt es international relativ wenig Dividendenzahlungen im ersten Quartal.

    Mehr: Welche Warnsignale aktuell Anleger an den Aktienmärkten beschäftigen.

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