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Bärenmarkt droht Vollkasko für Aktien – Wie Anleger ihr Depot gegen den Börsensturz absichern können

Keine 500 Punkte trennen den Dax noch von einem Bärenmarkt. Mit Put-Optionsscheinen können Anleger ihr Portfolio vor Kursverlusten schützen.
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Dax aktuell: Dax so günstig bewertet wie zuletzt 2012 Quelle: AP
Börsenmakler der Commerzbank

Aktuell gehört der Dax unter allen großen und wichtigen Börsenplätzen zu den am niedrigsten bewerteten Indizes.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Hoffnungen auf eine Jahresendrally am deutschen Aktienmarkt schwinden mit jedem Verlusttag des Dax. Schlimmer noch: Falls den Börsen in den kommenden Handelstagen keine Trendwende nach oben gelingt, drohen Anlegern weitere schmerzliche Verluste.

Der deutsche Leitindex befindet sich nach seinen fortgesetzten Kursrückgängen unmittelbar vor der Schwelle in einen Bärenmarkt. Davon sprechen Fachleute, wenn ein wichtiger Auswahlindex mehr als ein Fünftel unter sein Allzeithoch zurückfällt. Beim Dax liegt diese vielbeachtete Marke bei 10.850 Zählern.

Der Blick in die Historie zeigt Beunruhigendes: In den bisher zwölf Bärenmarkten am deutschen Aktienmarkt seit 1960 büßte der Dax im Schnitt jeweils rund 40 Prozent seines vorangegangenen Rekordstands ein. Bezogen auf die aktuelle Situation bedeutet das: Rutscht der Dax erst unter 10.850 Punkte, wäre der weitere Absturz bis auf 8000 Indexpunkte nicht überraschend – rein statistisch betrachtet.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seinen Aktienbestand laut Experten zwar zumindest vorübergehend zurückfahren. Doch nicht jeder Anleger will sich von seinen Papieren trennen. Manch einer scheut Transaktionskosten und Aufwand, die beim Verkauf und späteren Rückkauf anfallen.

Andere verfolgen langlaufende Aktiensparpläne oder halten aus steuerrechtlichen Gründen an ihren Papieren fest. Wer zum Beispiel vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 Aktien und Fonds im Rahmen seiner Altersvorsorge erworben hat, der könnte sie auch in Jahrzehnten noch steuerfrei veräußern. Ein Vorteil, der bei einem zwischenzeitlichen Ausstieg verloren ginge.

Mithilfe spezieller Finanzinstrumente können aber auch diese Anleger ihr Portfolio absichern. Zu den gängigsten Mitteln zählen Put-Optionsscheine. Dabei handelt es sich zwar um Hebelprodukte, die meistens zur Spekulation verwendet werden und deren Einsatz mit Verlustrisiken und einem Emittenten-Risiko verbunden ist. Sie können aber eben auch defensiv zur Absicherung eines Depots beziehungsweise einer Depotposition genutzt werden.

Vereinfacht gesagt gilt: Puts gewinnen an Wert, wenn die Aktie oder der Börsenindex, auf den sie sich beziehen – der „Basiswert“ – an Wert einbüßt und umgekehrt. Und: Die Kurse dieser Anlageinstrumente bewegen sich nicht nur entgegengesetzt zum Basiswert.

Zusätzlich entwickeln sie sich durch den eingebauten Hebel auch überproportional. Daher muss nur ein Bruchteil des abzusichernden Kapitals in Puts investiert werden, um Rückschläge am Aktienmarkt im eigenen Portfolio zu neutralisieren.

Die Kosten für die Puts stellen eine Art Versicherungsprämie dar für den Schutz des Depots. Denn entwickelt sich die Aktienposition stabil oder steigt ihre Notierung gar über ein bestimmtes Niveau, verfallen die Scheine wertlos.

Vier Grundregeln gilt es zu beachten, um aus der Vielzahl angebotener Puts einen geeigneten zu finden:

  • Erstens: Der Put muss sich auf genau die Depotposition beziehen, die es abzusichern gilt. Um beispielsweise Anteile an einem Indexfonds (ETF) auf den Dax abzusichern, kommen nur Puts infrage, deren Basiswert der deutsche Leitindex ist.
  • Zweitens: Die Laufzeit sollte möglichst genau der gewünschten Absicherungsdauer entsprechen.
  • Drittens: Um einen maximalen Schutz zu gewährleisten, sollte der „Basispreis“ in Höhe des Kurses des Basiswerts gewählt werden. Wer sich also vor jeglichen weiteren Verlusten seiner Dax-ETFs schützen will, der greift derzeit zu Puts mit einem Basispreis von rund 11.300 Dax-Punkten.
  • Viertens: Wer keinen Vollkaskoschutz benötigt, sondern sich nur gegen einen „richtigen“ Crash wappnen möchte, sollte einen niedrigeren Basispreis wählen. Dann ist die Versicherungsprämie günstiger – die Puts kosten weniger.

Die benötigte Menge Puts ergibt eine mehr oder minder einfache Rechnung: Gesamtwert der abzusichernden Depotposition geteilt durch den aktuellen Kurs der Aktie oder des Börsenindexes, mal dem Bezugsverhältnis. Wer beispielsweise Dax-ETFs im Wert von 10.000 Euro eine Zeit lang vollständig absichern will, der muss beim derzeitigen Stand des Dax bei 11.300 Zählern sowie dem gängigen Bezugsverhältnis der Puts von 100 zu eins genau 89 Optionsscheine kaufen (10.000 Euro geteilt durch 11.300 multipliziert mit 100 = 88,49 Euro).

Wer etwa einen Schutz bis Mitte Dezember dieses Jahres wünscht, der kauft 89 Stück eines 11.300er Puts mit entsprechender Laufzeit. So ein Papier gibt es aktuell für 3,49 Euro (WKN: PS73X2). Damit kostet die Absicherung 310,61 Euro – etwa drei Prozent der ETF-Position.

Wichtig: Je länger der Schutz wirken soll, desto höher die Versicherungsgebühr. Will sich der Anleger beispielsweise zwei Monate länger gegen einen Börsenabsturz wappnen, muss er für einen passenden Schein bereits 4,81 Euro berappen (WKN: GM3NV8) – satte vier Prozent des crashgeschützten Kapitals. Ein Vollkaskoschutz bis Mitte kommenden Jahres schlägt mit Kosten in Höhe von 5,38 Prozent zu Buche (WKN: PR3SXR).

Vergleichsweise günstig ist eine Absicherung derzeit dennoch. Denn es gilt eine Faustregel: Je geringer die Schwankungen am Markt, desto günstiger die Puts und umgekehrt.

Zuletzt hat die Nervosität zwar deutlich zugenommen. Die im Fachjargon Volatilität genannte Schwankungsstärke befindet sich noch auf niedrigem Niveau. Abzulesen ist das für den deutschen Markt am Volatilitätsindex VDax. Der signalisiert zwar einen Anstieg, notiert aber am untersten Rand seiner langjährigen Spannbreite. Und damit nur halb so hoch wie während der Börsenunruhe im Februar.

Und dies, obwohl momentan immer mehr dafür spricht, dass der Dax die Schwelle bei rund 10.850 Punkten tatsächlich reißen dürfte – und damit der Startschuss in die Baisse fällt.

Am Dienstag waren es neben den ungelösten internationalen politischen Konflikten vor allem zunehmende Zweifel am Konjunkturboom, die europaweit die Börsen belasteten. Der Dax fiel zeitweise auf ein neues Zweijahrestief bei 12.228 Punkten.

Ausbleibendes Kaufinteresse lässt auch nach Einschätzung technischer Analysten die Kurse wegbrechen. „Damit ist der Weg aus technischer Sicht frei für eine längerfristige Abwärtsbewegung bis weit unter die 11.000er-Marke“, warnt etwa Andreas Büchler vom Börsenstatistik-Dienst Indexradar.

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