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Finanzaufsicht Bafin

Laut einer Umfrage sehen Verbraucher sich durch die Aufzeichnung das Vertrauensverhältnis zum Berater nicht tangiert.

(Foto: dpa)

Bafin-Umfrage Verbraucher stört die EU-Finanzregulierung kaum

Einige Banken klagen lautstark, dass EU-Regeln die Anleger entmündigen. Ergebnisse einer Bafin-Umfrage widersprechen diesen Einschätzungen.
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Berlin Wenn die Rede auf die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II kommt, ist Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters in seinem Element. Er hält die Regeln für „eine Katastrophe“. „Ziel war ein besserer Schutz für die Anleger, doch das hat sich durch den immensen bürokratischen Aufwand ins Gegenteil verkehrt“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt. Anleger würden durch die Regeln entmündigt.

Die Finanzaufsicht Bafin hat sich nun ein eigenes Bild zu dieser Frage gemacht. Sie wollte wissen, wie die neuen Finanzmarktregeln bei den Verbrauchern ankommen. Das beauftragte Meinungsforschungsinstitut Forsa liefert Ergebnisse, die den Einschätzungen der Kreditwirtschaft teilweise widersprechen.

Wertpapierdienstleistungsunternehmen sind durch die Mifid seit Anfang 2018 verpflichtet, alle Telefongespräche aufzuzeichnen, die einen Bezug zu einem Wertpapierauftrag haben. 71 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme, die an die Stelle der Beratungsprotokolle getreten ist, für sinnvoll. Nur 24 Prozent sehen keinen Sinn darin. Bezüglich der Telefonaufzeichnung ist die Meinung gespalten: 48 Prozent der Befragten würden auf die Telefonaufzeichnung verzichten, wenn sie könnten, 47 Prozent nicht.

Anders als teilweise von den Banken suggeriert, sehen Verbraucher aber durch die Aufzeichnung das Vertrauensverhältnis zum Berater nicht tangiert. 83 Prozent der Befragten meinen, dass sie weiterhin offen mit ihrem Berater sprechen können.

Die Umfrage fördert auch eine gewisse Lesefaulheit zu Tage. Banken müssen ihren Kunden für jede Anlageberatung eine Geeignetheitserklärung zur Verfügung stellen. Schließlich sollen die empfohlenen Produkte zum Anlageziel passen und die Kunden sollen das nachvollziehen können.

Viele Kunden halten bereitgestellte Infos für nicht verständlich

Laut Umfrage lesen sich allerdings nur 60 Prozent der Befragten diese Geeignetheitserklärung auch durch. Die Nichtleser begründen ihr Desinteresse mit der Fülle an Informationen, die ihnen dargeboten werden. Drei Viertel der Befragten halten die Geeignetheitserklärung aber dennoch für überwiegend positiv.

Damit sich Kunden schnell über Produkte informieren können, stehen sogenannte Basisinformationsblätter zur Verfügung, die die Produktinformationsblätter abgelöst haben und auch eine Einschätzung zum Risiko der Anlage beinhalten. Auffällig ist, dass nur 54 Prozent die Darstellung der Renditen für verständlich halten.

Auf kein ausgeprägtes Interesse stoßen die Informationen der Wertpapierdienstleister über die Kosten und Gebühren. Finanzdienstleister sind gehalten, die Verbraucher im Vorhinein darüber zu informieren. Laut Umfrage geben nur 42 Prozent der Befragten an, den Ex-ante-Kostenausweis gelesen zu haben. Insgesamt 53 Prozent haben dies nicht getan.

Das Verständnis der Verbraucher sei noch verbesserungsfähig, schlussfolgert die Bafin. Schließlich können Kosten und Gebühren die Rendite eines Produktes erheblich beeinflussen.

Der Großteil der Befragten hat sein Anlageverhalten nicht geändert

Unterm Strich sagen 60 Prozent der Befragten, dass sie seit Einführung der neuen Mifid-Regeln ihr Anlageverhalten nicht geändert haben. Nur sechs Prozent würden angesichts der umfangreichen Anforderungen jetzt in andere Produktarten investieren.

Ob diese Umfrage zu Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten. Die Bundesregierung hat die Verbände aufgefordert, Reformvorschläge zu machen. Sollte die Evaluierung Nachbesserungen erfordern, will die Regierung diese bei der EU-Kommission adressieren.

Mehr: Das Angebot an Aktienresearch für kleinere Unternehmen schrumpft infolge neuer EU-Regeln zur Bezahlung zusammen. Die Bundesregierung ist alarmiert.

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1 Kommentar zu "Bafin-Umfrage: Verbraucher stört die EU-Finanzregulierung kaum"

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  • Sehr geehrter Herr Drost,

    Aus aktuellem Anlass habe ich Ihren Artikel zu MIFID II mit großem Interesse gelesen und kann dem Bankenverband nur zustimmen.

    Dabei geht es mir weniger um den Bürokratischen Aufwand als um die faktische Entmündigung jedes Privatanlegers in die Wertpapiere zu investieren die er möchte. Aufgrund von MIFID II kann man über Deutsche Depotbanken keine Wertpapiere - zb Unternehmensanleihen - mehr erwerben, die kein Prospekt in Deutscher Sprache veröffentlichen. In einer angeblichen Globalen Welt ist das sehr restriktiv, um nicht unhöflichere Worte zu benutzten, und hat meiner Meinung nach gar nichts mit Verbraucherschutz zu tun.

    Ich kann nichts zu der Umfragegruppe sagen, aber mich schränkt es massiv in meiner Freiheit als Privater Investor ein, um zb etwas für meine Altersvorsorge zu tun. Als Investor für das Alter hat man nur noch die Möglichkeit in Aktien zu investieren oder sein Geld den Fonds und Versicherungen „an zu vertrauen“ . Also entweder großem Risiko oder langfristiger Kapital Erosion, sprich Gebühren und Inflation.

    Insofern kann ich Allen Kritikern nur zustimmen, dass es den „Endverbraucher“ Entmündigt und der Politik die Absolution gibt , sie hätte etwas gegen den "bösen Finanzkapitalismus" getan.

    Mit freundlichen Grüßen
    FP

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