Bargeld ohne Zukunft? Nachfrage nach großen Geldscheinen steigt plötzlich

In der Schweiz und Japan ist der Umlauf großer Banknoten deutlich gestiegen. Viele Ökonomen und auch die Schweizer Notenbank sehen Negativzinsen als einen Grund dafür. Was heißt das für den umstrittenen 500-Euro-Schein?
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Die Nachfrage nach 1000-Franken-Noten hat deutlich zugenommen. Quelle: dpa
Franken und Euro

Die Nachfrage nach 1000-Franken-Noten hat deutlich zugenommen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Angst vor Negativzinsen auch für den normalen Sparer scheint zu einer deutlich höheren Nachfrage nach großen Geldscheinen zu führen. Sowohl in der Schweiz, die Ende 2014 die Einführung von Minuszinsen verkündete, als auch in Japan, das Anfang des Jahres Negativzinsen einführte, ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach den jeweils größten Banknoten deutlich gestiegen.

In der Schweiz stieg der Umlauf von 1000-Franken-Scheinen, eine der Banknoten der Welt mit dem höchsten Wert, auf 45,2 Milliarden Franken im Dezember 2015 von 40,5 Milliarden im Vorjahresmonats. Seit der Verkündung der Minuszinsen ging der Umlauf um mehr als 17 Prozent nach oben, wie Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von Montag zeigen. Eine Sprecherin der SNB sagte dem „Wall Street Journal“, dass der Anstieg der Nachfrage „zu einem gewissen Grad wegen der Negativzinsen“ gestiegen sei.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

In Japan stieg die Nachfrage sogar schon vor der Verkündung der Negativzinsen. Im vergangenen Jahr ging die Anzahl an 10.000-Yen-Noten um 6,2 Prozent nach oben, der größte Sprung innerhalb eines Jahres seit 2002.

„Die Negativzins-Politik wird wahrscheinlich die Präferenz der japanischen Haushalte nach mehr Cash noch intensivieren“, sagte Hideo Kumano, Volkswirt am Dai-ichi Life Research Institute der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Trend zu mehr Bargeld spiegele die Sorge um die Verfassung der Wirtschaft wider. „Das ist keine gute Entwicklung.“

Der Bargeldumlauf in der Euro-Zone steigt ebenfalls seit Jahren. So deutliche Sprünge wie in der Schweiz oder Japan sind beim 500-Euro-Schein jedoch bislang nicht aus den Daten der Europäischen Zentralbank abzulesen. Die Nachfrage nach 50-Euro-Scheinen oder 100ern zog beispielsweise deutlich stärker an.

Auch die Deutschen sorgen sich vor Minuszinsen
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  • HB :"Die Angst vor Negativzinsen auch für den normalen Sparer scheint zu einer deutlich höheren Nachfrage nach großen Geldscheinen zu führen."
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    Angst vor den Negativzinsen ? Es ist wohl eher anzunehmen, dass der Sparer den "bail in" bei der Pleite seiner Bank fürchtet. und um dem zu entgehen, benötigt er nun mal größere Scheinchen, um die "bail in" sicher zu deponieren und wenn die Mario Draghi nicht liefern möchte, liefert sie eben der Zentralbanker eines anderen Landes ---- so einfach isses !!

  • Nachtrag:

    "Die Welt" berichtet zum Thema Geld schon folgendes

    http://www.welt.de/finanzen/article152579189/Jetzt-kommt-der-Strafzins-im-Leben-der-Deutschen-an.html



  • Och, bis die aus dem Quark gekommen sind ist eh nichts mehr da.
    Die handeln doch selber nach der Devise "Tomorrow never comes".

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sie haben es halt kapiert (bei Herrn Menzel bin ich mir nicht so sicher): Geld wegnehmen = Kreditkontraktion = eigentliche Deflation.
    Und die Rohstoffpreise haben hier normalerweise immer einen gewissen zeitlichen Vorlauf.
    Selbst ein Krieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran (den interessierte Kreise ja offenbar anstrengen wollen) würde in dieser Situation den Ölpreis nicht mehr stark steigen lassen - sogar, wenn dabei Ölquellen in Brand gesetzt würden...

  • @Annette Bollmohr - 24.02.2016, 16:36 Uhr

    haben Sie den Artikel gelesen? Die Abschaffung des 500ers ist "bereits eingeleitet".

  • Na klar wollen die Leute vermehrt Bargeld haben - sie sind schließlich nicht blöde.

    Jeder mit einem Funken Verstand im Kopf weiß, das das globale Finanzsysem, das auf Luftgeld basiert, längst am A***h ist .

    Und glaubt irgendjemand ernsthaft daß mit der Abschaffungdes 500ers und mit BArgeldoberrgrenzen Kriminelle und Steuerhinterzieher getroffen werden? Im Leben nicht, wahrscheinlich nicht einmal die Initiatoren dieser Aktionen.

    Vor ein paar Tagen fragte ich meine Bank, ob sie denn Negativzinsen für Sparer plane - das Herumgedruckse der Frau am Schalter ( "äh, < Denkpause> es ist uns nichts bekannt" ) sprach Bände.

  • "Aber aus verständlichen Gründen berichtet selbst das HB hierzu nix. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass das Darknet ca. 2-4 mal umfangreicher ist, als das offene Internet."
    Sehen Sie mal unter http://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/cebit2014/deep-web-in-den-abgruenden-des-internets/9599476.html nach.

  • Herr Menzel ist schon wieder da, jetzt will er mehr Geld für das Öl, erst das Geld wegnehmen und dann das Öl teurer machen, wie geht das ?

  • Hallo Herr Falk,

    ich könnte mir vorstellen, dass die Planungen im Bundeskanzleramt in folgende Richtung gehen:

    a) wenn es nach dem Herrn Schäuble geht, werden die 500er, wenn Sie zur Zahlung "auftauchen" zumindest mit 25% Kpitalertragssteuer + Soli belegt.
    Ein 500er wäre dann also noch 354,75€ wert.

    oder die 500er verlieren zum Stichtag automatisch ihre Gültigkeit.
    Restwert ist dann 0,00€ - das wäre die Lösung mit Priorität und würde auch den geringsten Verwaltungsaufwand verursachen.

    b) wenn es nach dem Herrn Maas geht, wird jeder Bürger, bei dem ein 500er "auftauchen" sollte, sofort mit brauner Farbe beworfen, unter Terrorismusverdacht gestellt und anschl. auf Lebenszeit vom Verfassungsschutz beobachtet.

    Möglicherweise geht man auch "stufenweise" oder "kombiniert" vor.
    Das letzte Wort hat selbstverständlich die beliebteste Kanzlerin aller Zeiten, die nach Beratung mit "Experten" und der Bertelsmannstiftung auch noch eigene Vorschläge einbrigen kann.

    lol

    !!!! MERKEL MUSS WEG !!!!

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