Beliebte Finanzierungsquelle auch für Unternehmen Wandelanleihen profitieren von der Unsicherheit an den Börsen

Mit dem Kauf einer Wandelanleihe erwirbt der Anleger das Recht, den Schuldschein am Ende der Laufzeit zu einem von Beginn an festgelegten Preis in eine festgelegte Anzahl von Aktien des Emittenten zu wandeln. Für Anleger kommt es beim Einstieg allerdings auf den richtigen Zeitpunkt an.
  • Marcus Pfeil (Handelsblatt)

HB DÜSSELDORF. Mit seiner brillanten Idee brachte es James Hill zum Millionär. Der findige Eisenbahnunternehmer lieh sich Ende des 19. Jahrhunderts Geld von Siedlern und baute ihnen dafür die Eisenbahn von den Great Lakes bis zum Pazifik. Wahlweise sieben Prozent Zinsen oder Aktien seiner Firma St. Paul & Pacific Railway zahlte er den Farmern. Mit dieser Finanzierung der Trassen waren die ersten Wandelanleihen geboren und der Wilde Westen ein Stück gezähmt.

Bis heute sind Wandelanleihen eine beliebte Finanzierungsquelle für Unternehmen geblieben. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben europäische Firmen Wandler über insgesamt 4,6 Mrd. Euro aufgelegt, erst vergangene Woche hat die Schweizer Versicherung Swiss Life einen Wandler über 317 Mill. Euro platziert. „Und die Anleger reißen den Emittenten die Papiere aus den Händen“, sagt Armin Weißenegger, Analyst für Wandelanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), denn sie wüssten derzeit nicht, ob sie auf steigende Kurse hoffen oder an fallende Kurse glauben sollen. „Zwar werden die Aktienkurse weiter steigen, die Gefahr von Rückschlägen wird aber größer“, sagt Kurt Fisch, Portfoliomanager für Wandelanleihen in der Schweiz. Und auch am Bondmarkt drohten Kursverluste, wenn die Zinsen wie erwartet steigen. „Deshalb spricht das Umfeld für Wandelanleihen, mit denen Investoren die Hoffnung auf steigende Aktienkurse mit der Sicherheit einer festverzinslichen Anlage verbinden“, sagt Weißenegger.

Mit dem Kauf einer Wandelanleihe erwirbt der Anleger das Recht, den Schuldschein am Ende der Laufzeit zu einem von Beginn an festgelegten Preis in eine festgelegte Anzahl von Aktien des Emittenten zu wandeln. Der Tausch lohnt allerdings nur, wenn der Kurs der Aktie zum Zeitpunkt der Wandlung über dem festgelegten Wandlungspreis notiert. Ist der Kurs hingegen niedriger, kassiert der Anleger zumindest die jährlichen Zinsen sowie den Nennwert der Anleihe bei Fälligkeit. Für sein Umtauschrecht nimmt der Käufer eine im Vergleich zu Anleihen gleicher Laufzeit und gleicher Bonität niedrigere Verzinsung in Kauf. Der Abschlag beträgt meist ein bis zwei Prozentpunkte. Gleichzeitig zahlt der Anleger für die Abfederung des Börsenrisikos eine Art Versicherungsprämie – die Wandlungsprämie. Sie beschreibt den Aufpreis gegenüber dem Direkterwerb der Aktie an der Börse.

Anleger sollten die Wandel-Papiere allerdings zum richtigen Zeitpunkt kaufen: Bei der Emission entspricht der Charakter des Kombiprodukts etwa zur Hälfte einer Aktie und einer Anleihe (Hybrid-Bond). Steigende Aktienkurse ziehen den Kurs der Anleihe mit hoch. Ist der Anstieg allerdings sehr stark, mutiert der Wandler mehr und mehr zur Aktie. Der Kurs der Wandelanleihe folgt dann fast eins zu eins den Bewegungen der Aktie. (Equity-Bond). Fallen die Aktienkurse hingegen, reagiert das Instrument nur noch auf Änderungen der Kreditwürdigkeit des Unternehmens und des Zinsniveaus - so wie eine Anleihe. „Investoren sollten deshalb Wandelanleihen kaufen, bei denen die Aktie an der Börse 10 bis 40 Prozent unter dem Wandlungspreis der Anleihe notiert“, rät Kurt Fisch. Nach einer Faustregel partizipiert der Kurs der Wandelanleihe dann zu zwei Dritteln am Kursanstieg des Basiswertes. Sollte der Aktienkurs kippen, bewegt sich der Kurs der Wandelanleihe aber nur zu einem Drittel mit nach unten. Wer von dieser Faustregel profitieren will, der sollte seine Wandelpapiere ständig im Auge behalten und bei Bedarf umschichten.

Entscheidend sind neben der Wandlungsprämie aber auch die speziellen Klauseln der Anleihebedingungen: So gibt es Zwangswandler, bei denen der Anleger am Laufzeitende auf jeden Fall die vereinbarte Zahl von Aktien annehmen muss. Und das Finanzamt behandelt eine Wandelanleihe, die nicht eingetauscht wird, wie ein übliches festverzinsliches Wertpapier. Nach Ablauf eines Jahres sind Kursgewinne steuerfrei. Tauscht ein Anleger den Wandler in Aktien, beginnt die einjährige Spekulationsfrist für Kursgewinne der Aktie von vorn. Weißenegger warnt Privatanleger vor Umtauschanleihen, bei denen Emittent und Basisaktie nicht identisch sind: „Der Fiskus stuft diese Papiere als Finanzinnovation ein. Kursgewinne sind dann auch nach der Spekulationsfrist steuerpflichtig.“

So interessant Wandelanleihen auch sein mögen, so schwierig ist es für Privatanleger, ein diversifiziertes Depot zusammenzustellen. Deshalb bieten die Banken verstärkt Fonds und Zertifikate für den Privatanleger an.

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