Berkshire-Hauptversammlung Buffett-Show macht Quartalsverlust zur Nebensache

Auf dem Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway wird über Zukäufe in Deutschland, Krypotwährungen und Elon Musk gesprochen. Der Quartalsverlust ist Randthema.
Update: 06.05.2018 - 00:05 Uhr Kommentieren

Cowboystiefel und Schmuck – Warum die Berkshire-Hauptversammlung auch eine Verkaufsveranstaltung ist

Omaha„Hi, ich bin Warren, das ist Charlie.“ Bescheiden wie immer begrüßt Starinvestor Warren Buffett seine Aktionäre. 42.000 Anteilseigner sind an den Konzernsitz nach Omaha gekommen, um den Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und den stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden zu sehen. So viele wie noch nie.

Schon um vier Uhr morgens versammeln sich die ersten vor den Toren der großen Veranstaltungshalle, um die besten Plätze zu ergattern. Längst nicht alle passen in den Saal. Hunderte andere sitzen in sogenannten Überlauf-Räumen, in den die Veranstaltung auf großen Monitoren übertragen wird.

Buffett (87) und Munger (94) sind ein eingespieltes Team. Sie werfen sich die Bälle zu und gehen routiniert auf die verschiedensten Fragen der Aktionäre ein, die aus der ganzen Welt angereist sind. Die Highlights:

Quartalsverlust

Berkshire hat im ersten Quartal des Jahres 2018 einen Nettoverlust von 1,14 Milliarden Dollar gemacht. Die Holding hat damit zum ersten Mal seit 2009 ein Minus eingefahren. Buffett machte dafür jedoch neue Bilanzierungsregeln verantwortlich, die den Gewinn verzerren.

Sie geben vor, dass der Konzern Aktienportfolios zu aktuellen Kursen bewerten und in den Quartalsergebnissen verbuchen muss. Dadurch können diese im Quartal um bis zu zehn Milliarden Dollar schwanken. Berkshire hält ein Aktienpaket im Wert von rund 170 Milliarden Dollar.

Die operativen Bereiche hätten dagegen gut abgeschnitten, betonte Buffett. Der operative Gewinn stieg im ersten Quartal um 49 Prozent auf 5,29 Milliarden Dollar. Berkshire habe dabei auch von der Steuerreform profitiert, bei der die Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt wurde. „Doch auch auf der Vorsteuergewinn war ordentlich“, versicherte der Starinvestor.

Unterstützung für Wells Fargo

Die Bank aus San Francisco war einst eines der Lieblings-Investments von Buffett. Sie warb damit, besonders hohe ethische Standards zu haben, so wie es der 87-Jährige gerne mag. Diverse Skandale um Scheinkonten und falsch abgerechnete Versicherungen haben Wells Fargo jedoch eine schwere Vertrauenskrise beschwert.

Buffett und Munger stehen trotzdem weiter hinter dem Geldhaus. „Die Bank wird gestärkt aus der Krise kommen“, stellte Munger klar. Buffett stimmte zu. „Ich mag Wells Fargo und ich mag Tim Sloan als Manager.“ Sloan führt das Institut seit dem Abgang des langjährigen CEOs und Buffett-Vertrauten John Stumpf.

Langfristige Perspektive

„Wie sieht Berkshire im Jahr 2068 aus?“, will ein Aktionär wissen. Buffett ist schließlich bereits seit über 50 Jahren Chef von Berkshire Hathaway und hat das einstige Textilunternehmen in einen der größten börsennotierten Konzerne Amerikas verwandelt.

Doch ganz so weit wollte Buffett, der den Spitznamen „das Orakel von Omaha“ trägt, dann doch nicht in die Zukunft schauen. „Das weiß ich nicht, ich wusste ja auch vor 50 Jahren nicht, wie Berkshire heute aussehen würde“, sagte der Starinvestor. „Aber ich weiß, dass der Konzern von bestimmten Prinzipien geleitet werden wird. Wir wollen fokussierter auf die Aktionäre sein als andere Konzerne.“

Munger riet besonders jungen Anteilseignern, die Aktien nicht zu verkaufen, wenn die beiden eines Tages nicht mehr an der Spitze des Unternehmens stehen werden. „Wenn ihr die Papiere verkauft, werdet ihr schlechter dastehen als wenn ihr sie behaltet. Ich ermutige euch, den Glauben zu behalten“, sagte Munger und erntete dafür Jubel aus dem Publikum.

Das wiederum stachelte Buffett an. „Nächstes Mal, wenn ich das gefragt werde, gebe ich seine Antwort, jetzt wo ich sehe, wie ihr darauf reagiert“, scherzte der Berkshire-Chef.

Planungen zur Gesundheits-Initiative laufen

Berkshire will gemeinsam mit dem Onlinehändler Amazon und Amerikas größter Bank JP Morgan Chase eine Gesundheitsinitiative starten. Sie soll den über eine Million Mitarbeitern der drei Unternehmen eine bessere Krankenversicherung zu geringeren Kosten bieten.

Buffetts Investmentmanager Todd Combs hat maßgeblich an diesem Projekt gearbeitet. Ein Chef für diese wichtige Initiative „werden wir wahrscheinlich in den nächsten Monaten finden“, kündigte Buffett an.

Kryptowährungen werden weiter kritisch gesehen

Buffett und Munger zelebrieren geradezu ihren altmodischen Blick auf die Welt. Längst haben sie sich als harsche Kritiker von Kryptowährungen geoutet und haben ihre Ansicht am Samstag noch einmal den Aktionären erläutert.

Buffett kann einfach keinen Nutzen in Bitcoin und Co. erkennen. „Es ist eine Vermögensklasse, die nichts produziert. Man setzt einfach darauf, dass man die Währungen später für noch mehr Geld wieder weiterverkaufen kann. Das wird noch ein böses Ende nehmen“, stellte Buffett klar.

Munger, für seinen trockenen Humor bekannt, ergänzte: „Leute, die professionelle Händler sind und mit Kryptowährungen handeln – ich finde, das ist einfach widerlich. Es ist, als würden andere mit Misthaufen handeln und du entscheidest, dass du nicht außen vor bleiben kannst.“

Replik auf Tesla-Chef Elon Musk

„Moat“ ist eines der Lieblingsworte von Warren Buffett. Es bedeutet so viel wie Burggraben – den erfolgreiche Unternehmen sinnbildlich um sich herum bauen, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Und je größer der Graben um ein Unternehmen, desto besser kommt es bei dem Berkshire-Chef an.

Damit unterscheidet sich Buffett von Ausnahme-Unternehmer Elon Musk. Dieser hatte bei einem skurrilen Gespräch mit Analysten im Zuge der jüngsten Quartalszahlen-Veröffentlichung am Mittwoch die Idee des Burggrabens als „lahm“ und „altmodisch“ abgetan. Es sei wichtiger, dass Unternehmen ständig an neuen Innovationen arbeiten, betonte Musk, der den Elektroautobauer Tesla führt, ebenso wie das Raumfahrtunternehmen SpaceX und die Tunnelbau-Firma „The Boring Company“.

Doch Buffett und Munger lassen sich nicht beirren. Auf Musks Einstellung angesprochen räumte Buffett ein, dass es derzeit zwar viele neue Angreifer gebe, die alt-eingesessenen Unternehmen den Rang ablaufen. Und doch gebe es immer noch einige Firmen mit soliden Burggräben.

„Elon stellt vielleicht manche Dinge auf den Kopf“, sagte Buffett, „aber ich glaube nicht, dass er es mit uns aufnehmen will, wenn es um Süßigkeiten geht.“ Der hochpreisige Pralinen-Hersteller See’s Candy gehört seit Jahrzehnten zu Berkshires Imperium und ist über die Jahre immer profitabler geworden. Dort, so Buffett, sei der Burgraben noch stabil.

Übernahmeziele in Deutschland und anderswo auf der Welt

Berkshires Kriegskasse ist prall gefüllt. Mehr als 100 Milliarden Dollar an Barreserven hat das Konglomerat angehäuft. Damit könnte es sich praktisch jedes Unternehmen leisten.

Doch Buffett, ganz der wertorientierte Investor, will auf keinen Fall zu viel bezahlen und wartet deshalb lieber weiter ab. Gern würde er auch weitere Unternehmen in Deutschland und anderen Ländern dazukaufen. Doch derzeit sei nichts in Aussicht.

„Ich warte, dass das Telefon klingelt“, sagte der Berkshire-Chef. Er weiß jedoch, dass sein Unternehmen im Ausland längst nicht so bekannt ist wie in den USA und daher nicht sofort als möglicher Käufer in Frage kommt.

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