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Berkshire-Hauptversammlung Die große Warren-Buffett-Show

Warren Buffett ist kein gewöhnlicher Vorstandschef. Der Börsenguru macht aus dem Investieren einen Lifestyle. Und der hat viele Fans, wie die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha zeigt.
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Seit 52 Jahren wird Berkshire Hathaway von dem 86-jährigen Star-Investor geführt. Quelle: Reuters
Warren Buffett

Seit 52 Jahren wird Berkshire Hathaway von dem 86-jährigen Star-Investor geführt.

(Foto: Reuters)

OmahaEs ist eine Pilgerreise. Im Flughafen von Chicago fragt Sam, ein freundlicher Herr mit grau meliertem Haar und blau kariertem Hemd: „Fliegen Sie auch nach Omaha? Ich glaube, der halbe Flieger ist voll mit Leuten, die zu Warren Buffett wollen.“ Sam ist Investment-Berater aus Philadelphia. „Warren ist der größte Investor“, schwärmt er. „Er war schon mein Held, als ich ein junger Mann war.“

Dann schränkt er ein: „Je alter ich werde, desto mehr Zweifel habe ich. Was hat es für einen Sinn, so viel Reichtum anzusammeln? Man kann das Geld am Ende ja nicht mitnehmen...“

So ein Anflug von Skepsis ist die Ausnahme. Die überwältigende Mehrheit der Jünger von Warren Buffett ist ihrem Meister völlig ergeben. Schon um vier Uhr morgens versammeln sich die ersten Aktionäre vor den Türen der Veranstaltungshalle in Omaha, wo die Hauptversammlung von Buffetts Holding Berkshire Hathaway stattfindet, einem gewaltigen Bau aus Beton und Glas.

Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

Monsanto

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
n. a.

Chart von Monsanto
Monsanto
1 von 49

Der Zeitpunkt war günstig: Kurz vor der geplanten Übernahme durch den deutschen Chemieriesen Bayer stieg Buffett im vierten Quartal 2016 bei dem US-Saatgutkonzern Monsanto ein. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte acht Millionen Papiere des Konzerns. Die anstehende Übernahme durch Bayer könnte die Kurse weiter steigen lassen.

Buffetts Anteile: 8,04 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: unverändert

SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US82968B1035
Börse
FSE

+0,04 +0,86%
+5,32€
Chart von SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Sirius XM
2 von 49

Aufgestockt (5/6)

Sirius XM ist ein US-amerikanischer Satellitenradio-Anbieter aus New York City mit Sitz im US-Niedrigsteuerstaat Delaware. Er gehört mehrheitlich dem Medienkonzern Liberty Media, an dem Warren Buffett ebenfalls beteiligt war. Erst im letzten Quartal 2016 stieg der Investor mit knapp 800 Millionen Dollar beim Unternehmen ein und baute damit seine Beteiligungsfamilie im Mediensektor aus. Im ersten Quartal 2017 stockte Buffett seine Anteile leicht auf.

Buffetts Anteile: mehr als 172 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 3,4 Prozent
Wert der Beteiligung: 823,7 Millionen Dollar

SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US8447411088
Börse
FSE

-0,08 -0,17%
+46,23€
Chart von SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1
Southwest Airlines
3 von 49

Aufgestockt (6/6)

Southwest Airlines ist eine große US-amerikanische Fluggesellschaft. Fast alle Airlines in den USA haben in den vergangenen Jahren Schwächephasen durchlitten, gingen durch Insolvenzverfahren oder fusionierten. Das hat Starinvestor Warren Buffett lange abgehalten, in Fluggesellschaften zu investieren. Ein erfolgloses Investment in US Airways von 1989 bis 1995 (75 Prozent Verlust) soll Sodbrennen bei dem Milliardär ausgelöst haben – seitdem hielt er die Branche für gefährlich. Doch im Herbst 2016 holte er gleich vier Titel ins Portfolio. Sein Engagement bei der Airline mit Hauptsitzt in Dallas, Texas, baute er im ersten Jahresquartal 2017 ebenso aus wie das bei American Airlines.

Buffetts Anteile: knapp 48 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 10,3 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,8 Milliarden Dollar

DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US2441991054
Börse
Xetra

+4,60 +3,17%
0,00€
Chart von DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1
Deere & Company
4 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (1/5)

Einen Teil seiner Aktien des Traktorherstellers Deere hatte der Investor im dritten Quartal 2015 abgestoßen, nachdem er im ersten Quartal 2015 leicht aufgestockt hatte. Im zweiten Quartal 2016 verkaufte er, auch im dritten Quartal reduzierte er den Anteil. Im Schlussquartal 2016 flog Deere nun komplett aus dem Portfolio.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 21,09 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01

WKN
ISIN
US49456B1017
Börse
FSE

-0,33 -1,90%
+17,12€
Chart von KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01
Kinder Morgan
5 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (2/5)

Der Ölpreis ist noch immer weit von seinen Höchstständen entfernt. Bereits im dritten Quartal reduzierte Warren Buffett seine Anteile an dem amerikanischen Energie-Giganten Kinder Morgan – im vierten Quartal stieß er das Investment gleich ganz ab. Offensichtlich glaubt Buffett nicht, dass die Vorliebe des neuen US-Präsidenten Donald Trump für fossile Energien sich positiv auf den Kurs Kinder Morgans auswirken wird.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 20 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01

WKN
ISIN
US5312298707
Börse
FSE

-0,08 -0,25%
+32,59€
Chart von LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01
Liberty Media
6 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (3/5)

Das US-Medienunternehmen Liberty Media gehört mehrheitlich dem Medienmogul John Malone. Buffett ist nun ausgestiegen, dafür beim Satellitenradioanbieter Sirius, einer Liberty-Beteiligung, eingestiegen.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,3 Millionen Stück (Class A) sowie circa 3,19 Millionen Stück (Class C))
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US67011P1003
Börse
FSE

-0,08 -0,57%
+13,72€
Chart von NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01
Now Inc.
7 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (4/5)

Now Inc. ist ein Dienstleister für die Energiewirtschaft und Industrieunternehmen. Ende 2016 hat Buffett sich von der Beteiligung an Now verabschiedet.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,83 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

Die Profis unter ihnen haben Klappstühle dabei, einige haben vorher noch bei McDonald’s gehalten und sich Frühstück mitgebracht. Dort holt schließlich auch Buffett jeden Morgen sein Frühstück.

Längst nicht alle der rund 40.000 angereisten Aktionäre haben Platz in der Arena, in der sonst Basketballspiele, Messen und Konzerte stattfinden. Wer einen Sitzplatz ergattern will, muss also früh kommen. So wie Anil und Sandra, ein junges Ehepaar aus San Francisco, das sich um halb fünf in die Schlange eingereiht hat. „Buffett ist mein Idol. Ich will ihn unbedingt sehen“, schwärmt Anil. Die ganz eingefleischten Fans studieren sogar den Lageplan, um herauszufinden, wie sie am schnellsten auf die besten Plätze kommen. „Extreme Buffetteering“ nennt man das hier.

Manche der Aktionäre tummeln sich auch in der Ausstellungshalle im Untergeschoss der Arena. Dort sieht es aus wie im Kaufhaus. Die Fans können Klamotten von Fruit of the Loom einkaufen, teuren Schmuck vom Juwelier Borshems erwerben – natürlich mit Vorteilsrabatt für Aktionäre –, sich über Autoversicherungen von Geico informieren oder ein „Blizzard“ genießen, das berühmteste Eis des mittleren Westens der USA.

Längst nicht alle der rund 40.000 angereisten Aktionäre haben Platz in der Arena. Quelle: Frank Wiebe
Berkshire-Hauptversammlung

Längst nicht alle der rund 40.000 angereisten Aktionäre haben Platz in der Arena.

Denn all diese Firmen stammen aus dem Hause Berkshire, genauer gesagt, von einer der unzähligen Tochtergesellschaften, die auch im Energiegeschäft tätig sind oder Bauteile für Hubschrauber liefern. Buffetts Konterfei ist allgegenwärtig auf den Plakaten, immer mit einem Schuss Selbstironie, eingeräumt von hübschen Models, mit Schürze vor einem Süßigkeitenstand oder grinsend auf einer Cherry-Coke-Dose mit chinesischen Schriftzeichen.

Der Star betritt die Bühne

Wer am schnellsten zum Milliardär wurde
Alan Sugar
1 von 11

Der britische Business-Tycoon Alan Sugar hatte recht früh seine erste Million auf dem Konto, brauchte aber am längsten, um sein Vermögen in eine Milliarde zu verwandeln.

Millionär: 24 Jahre
Milliardär: 68 Jahre
Aktuelles Vermögen: zwei Milliarden Dollar

(Foto: Reuters)
Martha Stewart
2 von 11

Wie kaum eine andere Frau steht Martha Stewart für die Fähigkeit von Gründern, sich zu wandeln. Sie startete ganz klein mit ihrem eigenen Gastronomie-Geschäft. Da war sie Mitte 30. 15 Jahre dauerte es bis zur ersten Million. Bis sie die erste Milliarde in der Tasche hatte, sollten weitere 14 Jahre vergehen. Diese verdiente sie durch den Börsengang ihrer Firma „Martha Steward Living Omnimedia”, welche die Markenrechte an ihren inzwischen erfolgreichen Büchern und Kochshows hielt. Damit war sie die erste amerikanische Milliardärin überhaupt. Als die Dotcom-Blase platzte musste sich Stewart allerdings von ihrem Status als Milliardärin verabschieden.

Millionärin: 45 Jahre
Milliardärin: 58 Jahre
Aktuelles Vermögen: rund 220 Millionen Dollar

(Foto: ap)
Warren Buffett
3 von 11

Buffett ist einer der berühmteste Großinvestoren und Mäzen der Welt: Mit 30 Jahren machte er seine erste Million, Milliardär wurde Buffett aber „erst“ 26 Jahre später.

Millionär: 30 Jahre
Milliardär: 56 Jahre
Aktuelles Vermögen: 60,7 Milliarden Dollar

(Foto: Reuters)
George Lucas
4 von 11

Möge die Macht mit seinen Milliarden sein. Auch der 71-Jährige „Star Wars“-Erfinder George Lucas ist im Ranking aufgeführt. Auch er hat etwas Zeit gebraucht, um so richtig reich zu werden.

Millionär: 34 Jahre
Milliardär: 52 Jahre
Aktuelles Vermögen: 4,9 Milliarden Dollar

(Foto: ap)
Oprah Winfrey
5 von 11

Die berühmte US-Talkshowmoderatorin Oprah Winfrey gehört ebenfalls zu den reichsten Menschen der Welt.

Millionärin: 32 Jahre
Milliardärin: 49 Jahre
Aktuelles Vermögen: 3,1 Milliarden Dollar

(Foto: ap)
Richard Branson
6 von 11

Besser gesagt: Sir Richard Branson, der Oligarch des Virgin-Unternehmens, zu dem unter anderem eine Fluglinie gehört. 17 Jahre hat er für seine erste Milliarde gebraucht.

Millionär: 24 Jahre
Milliardär: 41 Jahre
Aktuelles Vermögen: 4,7 Milliarden Dollar

(Foto: dpa)
Bill Gates
7 von 11

Dieser Mann war lange Zeit der berühmteste Reiche der Welt: Microsoft-Gründer Bill Gates. Verglichen mit den Jungmilliardären von heute hat er sich aber beim Vermögensaufbau Zeit gelassen.

Millionär: 26 Jahre
Milliardär: 31 Jahre
Aktuelles Vermögen: 77,6 Milliarden Dollar

(Foto: Reuters)

Auch Berkshires Manager aus Deutschland sind angereist. Der Konzern übernahm 2015 den Hamburger Motorradfachhändler Louis. Seitdem gehören die Geschäftsführer Joachim Grube-Nagel und Nico Frey zur Berkshire-Familie und nehmen wie die Vertreter der anderen Mittelständler übers Wochenende an Meetings teil.

Auch Warren Buffett haben sie schon getroffen, sagten sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ebenfalls angereist ist die Kölner Transaktionsberaterin Zypora Kupferberg, die für Berkshire in Deutschland nach weiteren Übernahmekandidaten sucht und den Deal mit Louis eingefädelt hat.

Warren Buffett ist kein gewöhnlicher Vorstandschef und Berkshire Hathaway ist kein gewöhnliches Unternehmen. Seit 52 Jahren wird der Konzern aus Omaha, Nebraska, von dem 86-jährigen Star-Investor geführt. Buffett hat ihn über die Jahre zu einem Konglomerat ausgebaut, mit 410 Milliarden Dollar Börsenwert. Er selbst ist der drittreichste Mann der Welt und hat viele Aktionäre ebenfalls reich gemacht. Wer 1965 Berkshire-Aktien für 1000 Dollar gekauft und bis heute gehalten hätte, könnte sie heute für 13 Millionen Dollar verkaufen.

Dass der Gewinn im ersten Quartal um 27 Prozent eingebrochen ist, vor allem wegen Schwächen im Versicherungsgeschäft, ist da eher eine Randnotiz.

Die eigentliche Show beginnt um halb neun – mit einer Menge Werbung für Coke, Geico und Heinz, unterbrochen von Videos in denen Warren Buffett und sein Partner Charles Munger kleine Slapsticks aufführen. Der Höhepunkt diese Aufwärm-Show ist eine Aufnahme, in der Buffett zusammen mit Paul Anka im Stil von Sinatras „I do it my way“ ein Duett singt.

Mit seiner rauen Stimme kann Buffett sich durchaus hören lassen. Der Text ist im Stil von Nikolaus-Gedichten auf Berkshire gemünzt. Der Börsenguru verrät dabei, dass er jeden Tag für Munger betet, sich (mit 86) aber doch erheblich jünger fühlt als er, der schon 93 ist.

Dann, um 9.13 Uhr, ist es soweit: Der Star erscheint auf der Bühne, setzt sich unter dem Jubel der Fans mit seinem Partner an den Tisch, und sagt: „Das ist Charlie, ich bin Warren.“

Er begrüßt ein paar Bekannte im Publikum, darunter Bill Gates, und geht dann kurz durch die jüngsten Zahlen. Ein leichter Verlust bei der Geico-Versicherung, sagt Bufett, sei damit zu erklären, dass das Unternehmen viele neue Kunden gewonnen habe. „Das führt in der Anfangsphase erst einmal zu Kosten.“ Der Gewinn kommt erst später – und Buffett denkt ja immer ganz langfristig.

Das ist schnell abgehakt. Danach spricht der Investment-Guru über das was, seine Fans hören wollen. Obwohl er und seine Leute aktive Manager sind, kommt er dabei auf einen alten Freund zu sprechen, dem er im Voraus seine Grüße für den 88. Geburtstag ausrichtet: John Bogle. Der hat Vanguard gegründet, den Pionier bei der Entwicklung von kostensparenden, passiven Fonds. Buffett stellt klar: „John hat mehr für die amerikanischen Investoren getan als irgendjemand sonst. “

Und so beginnt ein langer Tag, in dem es um ein Thema geht: Das große Geld. Und um einen Mann: Warren Buffett.

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