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Beteiligungskapital Kapitalgeber fordern die Private-Equity-Branche heraus

„Kapital von Familien für Familien“ lautet das Konzept der Finanzierungsgesellschaft Cranemere. Sie will damit auch deutsche Kunden gewinnen.
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Den deutschen Markt verstärkt im Blick. Quelle: Cranemere
Marion Oswald, Frank Jehle

Den deutschen Markt verstärkt im Blick.

(Foto: Cranemere)

FrankfurtDie Private-Equity-Industrie gehört zu den großen Wachstumsbranchen seit der Finanzkrise 2008. Die Renditenot angesichts der in vielen Regionen weiterhin extrem geringen Kapitalmarktzinsen treibt die Profianleger aus den Pensionskassen, Stiftungen, Versicherungen und Versorgungswerken nun schon rund ein Jahrzehnt lang in die Beteiligungsfonds. Weil mit klassischen Anlagen in Staatsanleihen und anderen Zinspapieren kein Geld mehr zu verdienen ist, fließt seitens der institutionellen Investoren Milliarde um Milliarde in die Fonds von KKR & Co. Heute verwalten die Beteiligungsfonds weltweit mehr als drei Billionen Dollar. Doch mit dem Erfolg wächst auch die Kritik an der Branche, vor allem mit Blick auf die Strategien mit mittelständischen Unternehmen.

Ein Kritikpunkt sind die kürzeren Halteperioden. Mittelständische Firmen im Besitz von Finanzinvestoren werden häufig schon nach drei oder vier Jahren weitergereicht. Und es gibt zu viele sogenannte Secondaries und Tertiaries, bei denen die Unternehmen zum zweiten oder dritten Mal von einem an den nächsten Finanzinvestor verkauft werden. Vielen inhabergeführten, wertegetriebenen Mittelständlern ist das zu kurzatmig.

Ein Ausweg ist Kapital von Familien für Familien, wie es beispielsweise die Finanzierungsgesellschaft Cranemere bereitstellt. Sie will jetzt auch im deutschen Markt Kunden gewinnen. In den USA ist die Gesellschaft auch deshalb bekannter, weil mit Vorstandschef Jeffrey Zients der Wirtschaftsberater vom ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama das Topmanagement leitet. Cranemere müsse man sich als Multi-Familien-Holding vorstellen, sagt Deutschlandgeschäftsführerin Marion Oswald. Das Kapital stehe unbefristet zur Verfügung, erklärt sie. Von rund einer Milliarde Euro Kapital seien bis heute etwa 500 Millionen investiert. Cranemere gehe Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen ein. „In der Regel liegen die Transaktionswerte zwischen 100 Millionen und 500 Millionen Euro“, erläutert Frank Jehle, Europachef von Cranemere.

Steigende Nachfrage

Der US-Anbieter trifft auf zunehmenden Bedarf. „Immer mehr Familienunternehmer und -unternehmerinnen wollen in andere Familienunternehmen investieren“, bestätigt Peter Bartels, Geschäftsführer für die Bereiche Familienunternehmen, Industrien und Digitalisierung beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus PwC. Die Vorteile für die Kapitalempfänger seien die in der Regel lange Finanzierungslaufzeit sowie ein gemeinsames Grundverständnis zur Unternehmensführung, sagt er.

Für Private Equity spricht für den Berater dagegen die professionelle Begleitung bei einer Umstrukturierung und Industrieexpertise. Jürgen von Wendorff, Vorstand beim Bundesverband Deutscher Kapitalgesellschaften, rät Firmeninhabern, die eine Zusammenarbeit mit einer Private-Equity-Gesellschaft prüfen, den potenziellen Partner unter die Lupe zu nehmen: Er empfiehlt eine Investoren-Due-Diligence. „Genau wie die Beteiligungsgesellschaft vor Vertragsabschluss möglichst viele Informationen über den Mittelständler einholt, sollte sich der Mittelständler genau über den Private-Equity-Anbieter und die Branche informieren.“

Grafik

Im vergangenen Jahr erzielte die Private-Equity-Branche in Deutschland ein Rekordergebnis. Insgesamt wurden 11,3 Milliarden Euro in 1.100 Unternehmen investiert. Damit liegt der Bestand an Firmen, die schon einmal mit Beteiligungskapital finanziert worden sind, bei 5.000 Unternehmen. Neun von zehn dieser Firmen haben weniger als 500 Mitarbeiter. Und „Familienunternehmen verlieren ihre Scheu vor Private-Equity-Investoren“, erklärt Bartels von PwC. Das zeige eine Umfrage seines Hauses, nach der sich von mehr als 300 befragten deutschen Familienfirmen 83 Prozent eine Beteiligung von Finanzinvestoren vorstellen können. Vor sieben Jahren seien es gerade mal 18 Prozent gewesen.

Allerdings beklagen Mittelständler auch die relativ kurzen Haltefristen, weil die Eigentümerwechsel immer wieder für Unruhe im Unternehmen sorgen. Wer von einer Umstrukturierung in die nächste komme, verliere den Blick auf die Notwendigkeiten im operativen Geschäft, sagt ein Investmentbanker. Zudem werden immer höhere Preise für mittelständische Firmen bezahlt. Im Konjunkturabschwung könnte dies harte Sanierungen nach sich ziehen, weil sonst die zweistelligen Renditen auf eingesetztes Eigenkapital nicht erzielt werden können. Deshalb könnten Partner, die sehr langfristig Beteiligungskapital geben und etwas niedrigere Renditevorstellungen haben, eine Alternative sein. Die großen Private-Equity-Konzerne verbreitern schon ihr Angebot in diese Richtung.

Cranemere etwa sucht Familienunternehmen mit überproportionalem Wachstum, bei denen eine Nachfolgeregelung ansteht. „Das Nachfolgethema über eine Partnerschaft mit Investoren anzugehen ist heute Realität, vor zehn, 15 Jahren war das noch nicht so“, sagt Jehle, der vor seinem Wechsel zu Cranemere in führender Position beim Filterspezialisten Mann + Hummel tätig war. Die Geld gebenden Familien sind bei Cranemere Aktionäre, nicht ‚Limited Partners‘, wie es bei Private Equity der Fall ist. In Aufsichtsratssitzungen legen sie die strategische Weichenstellung für die Familienholding fest. Sie können ihre Anteile in einem bestimmten Zeitfenster an andere Aktionäre veräußern, damit entfällt die sonst übliche Illiquidität der Anlage in Private Equity.

 In Deutschland hat Cranemere bisher noch nicht investiert, in Europa soll ein Deal pro Jahr realisiert werden. Zu den bisherigen Anlagen zählt die schwedische Marmite, ein Hersteller von Badezimmerprodukten aus Kunststein.

Künftig könnte auch die Digitalisierung den Kapitalgebern in die Hände spielen. Die meisten Familienunternehmen hätten zwar eine solide Kapitalstruktur und großen finanziellen Spielraum, sagt Matthias Holzamer, Partner bei Roland Berger. Doch mit den jetzt geplanten Investitionen stoßen auch sie an ihre Grenzen.

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