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Binäre Optionen, Aktien, Bitcoin Bis zu 200.000 Deutsche könnten Opfer betrügerischer Trading-Seiten geworden sein

Die Betreiber von fünf Online-Trading-Seiten sollen Anleger um Millionen gebracht haben. Ihr mutmaßlicher Anführer sitzt in Wien in Untersuchungshaft.
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Betrüger lockten mit rein virtuellen Gewinnen. Quelle: Imago/Westend61
Aktiengeschäfte im Internet

Betrüger lockten mit rein virtuellen Gewinnen.

(Foto: Imago/Westend61)

Frankfurt Sie hießen „Option888“, „TradeInvest90“, „ZoomTrader“, „XMarkets.com“ und „TradoVest“: Fünf Onlineplattformen betrieben nach Erkenntnissen von Ermittlern die Gruppe um einen deutschen Staatsbürger, der heute in Wien in Untersuchungshaft sitzt.
In den Dateien der Anbieter fanden sich die Namen von mehr als 200.000 Deutschen, bestätigte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Donnerstag dem Handelsblatt.

Ob alle Aufgeführten tatsächlich Geld verloren haben, ist noch unklar. Zuerst hatten NDR und SR über die Ermittlungsfortschritte berichtet. Derzeit seien im eigenen Sammelverfahren 233 Fallakten zusammengefasst, erklärte der Saarbrücker Staatsanwalt Mario Krah. „Täglich gehen aus dem Bundesgebiet weitere Anzeigen ein.“ Im Schnitt hat jedes Opfer mehr als 40.000 Euro verloren. Hochgerechnet könnte die Bande Hunderte Millionen Euro mit den fünf Plattformen erbeutet haben.

Das österreichische Innenministerium war Ende Februar, als das Handelsblatt als erstes Medium über den Komplex berichtet hatte, von einem Gesamtschaden in Höhe von 100 Millionen Euro jährlich ausgegangen – für alle betrügerischen Trading-Seiten. Deren Gesamtzahl beläuft sich laut den Saarbrücker Ermittlern auf mehr als 400 Plattformen. Bei einem Großteil von ihnen könnte dieselbe technische Infrastruktur wie bei den genannten fünf Portalen zum Einsatz gekommen sein.

Die Ermittlungen werden von verschiedenen Stellen geführt und reichen von Deutschland über Österreich bis nach Tschechien, Bulgarien und in die Republik Kosovo. Laut der Staatsanwaltschaft Saarbrücken gab es insgesamt 35 Durchsuchungen bei Firmen, in Privatwohnungen und Callcentern. Von dort aus wurden die Betrugsopfer per Telefonakquisition in immer höhere Investments gedrängt. Dem Handelsblatt liegen entsprechende Chatprotokolle und Tonaufnahmen vor.

Die Rolle der Banken

Vermeintlich investierten die Opfer in binäre Optionen, Aktien, Bitcoin und andere Finanzprodukte. Real war das Geld laut Ermittlern jedoch schon bei der Einzahlung verloren – die Handelssysteme, die auf den Plattformen zunächst große Gewinne anzeigten, waren rein virtuell, vergleichbar mit einem Computerspiel. Am Ende stand regelmäßig der Totalverlust des eingezahlten Vermögens.

Zu den involvierten Banken gehörten laut NDR und SR auch Postbank, Fidor-Bank, ING, HSBC sowie die Sparkasse Koblenz. Alle sollen Zahlungen für das Betrugsnetzwerk abgewickelt haben. Die Sparkasse Koblenz erklärte auf Anfrage: „Eine Geschäftsbeziehung zu einer mutmaßlich in diesem Zusammenhang stehenden Gesellschaft wurde beendet, weil unsere Kontrollsysteme verdächtige Transaktionsmuster erkannt haben.

Wir bedauern, dass ein Kunde sein Konto in unserem Haus mutmaßlich für betrügerische Handlungen missbraucht hat.“ Man arbeite umfänglich mit Aufsicht und Ermittlern zusammen. Die HSBC erklärte: „HSBC ist entschlossen, Kriminellen den Zugang zum Finanzsystem zu versperren. Wir verfügen über solide Richtlinien und Verfahren zur Bekämpfung von Betrug und Geldwäsche. Auch in diesem Fall haben wir die entsprechenden Maßnahmen ergriffen.“

Die Fidor-Bank teilte mit, man kündige Geschäftsbeziehungen bei Hinweisen auf kriminelle Aktivitäten sofort und verfolge dort „eine strenge Null-Toleranz-Politik“. Dennoch könne es auch Fidor nicht verhindern, „dass Kunden nach erfolgreicher Kontoeröffnung und entsprechender Prüfung kriminelle Handlungen vollziehen“.

ING und Postbank wollten unter Verweis auf das Bankgeheimnis zu den aktuellen Vorwürfen nicht Stellung nehmen. Die internen Prozesse würden kontinuierlich verbessert, beim Verdacht auf rechtswidrige Aktivitäten reagiere man mit kurzfristiger Kontolöschung, erklärten beide Institute.

Die Rolle von Wirecard

Aus informierten Kreisen war zu erfahren, dass die Postbank sechs Konten für Firmen des Betrugsnetzwerks geführt hatte. Nach internen wie externen Hinweisen wurden diese aber binnen drei bis neun Monaten, eines innerhalb eines Tages, geschlossen. Sichergestellt werden konnten Guthaben von unter einer Million Euro.

Vor gut einem Monat hatte die Wirecard-Bank nach einem Handelsblatt-Bericht über Zahlungsabwicklungen für betrügerische Trading-Seiten ebenfalls von beendeten Geschäftsbeziehungen berichtet. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Ermittlungen im Betrugskomplex auch aufgrund der föderal aufgebauten deutschen Justiz nur langsam vorankommen. „Die Verbrecher agieren international und über Ländergrenzen hinweg.

Aber in Deutschland gibt es keine zentrale Erfassungsstelle für die Betrugsverfahren. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, kritisierte Elfriede Sixt von der „European Funds Recovery Initiative“ (EFRI) aus Wien. Thomas Beutler, Finanzexperte der saarländischen Verbraucherzentrale, empfiehlt Betroffenen, sich direkt an die Staatsanwaltschaft Saarbrücken zu wenden, wo die Verfahren gesammelt bearbeitet werden könnten.

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