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Börse Unterbewertete Aktienstars

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Malus zu Bonus
Die Fluglinie Air France KLM verlor durch hohe Spritpreise und „Arabische Revolutionen“ massiv an Wert. Quelle: ap

Die Fluglinie Air France KLM verlor durch hohe Spritpreise und „Arabische Revolutionen“ massiv an Wert.

(Foto: ap)

Die französisch-niederländische Air France KLM etwa musste von April bis Juni 16 Prozent mehr für Flugbenzin ausgeben als im Vorjahreszeitraum. Erschwerend kommt hinzu, dass Europas größte Fluglinie stark in Nordafrika und dem arabischen Raum engagiert ist. Die politischen Unruhen in der Region haben die Aktie zuletzt weiter nach unten getrieben: Seit dem Höchststand im Juni 2007 hat sie etwa 84 Prozent eingebüßt.

Der Afrika-Malus kann sich allerdings sehr schnell in einen Bonus verwandeln. Mehr Freizügigkeit und wirtschaftlicher Aufschwung in der Region dürften der Air France KLM gute Geschäfte bescheren. Auch der Wiederaufbau in den vom Tsunami und dem Reaktorunfall betroffenen Regionen Japans sollte der Airline helfen. Wegen der Japan-Krise waren die in Asien eingesetzten Frachtmaschinen von Mai bis Juni im Schnitt nur zu zwei Drittel ausgelastet. Das dürfte sich bessern. Risiko: Air France KLM ist eine Wette auf eine eher stabile Konjunktur. In einer harten Rezession müssten die Franzosen Marktanteile an Billigflieger, vor allem Ryanair und Easyjet, abgeben.

Ähnlich unpopulär wie Fluglinien sind derzeit Versicherungen. Hauptgrund ist das Misstrauen gegenüber dem Finanzsektor insgesamt. Anleger fürchten, dass auch Allianz, Axa oder Generali noch weitere Leichen im Keller haben, beispielsweise angeschlagene Staats- und Bankanleihen.

Anders als viele Banken hat die Allianz aber bereits etwa die Hälfte ihres Griechenland-Engagements von 1,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Italienische, irische, griechische und portugiesische Anleihen machen nur 1,8 Prozent des gesamten Rentenportfolios aus. Auch teure Katastrophen, darunter der Tsunami in Japan und Wirbelstürme in den USA, konnten der Allianz bisher wenig anhaben, weil die Prämien stärker stiegen als die Kosten für versicherte Schäden. Ende August legte die Allianz deutlich zu, als Experten die voraussichtlichen Schäden von Hurrikan Irene von 14 Milliarden Dollar auf nur noch 2,6 Milliarden herunterschraubten. Anleger sollten in diesem Herbst deshalb an schwächeren Börsentagen einsteigen.

Übertreibungen korrigieren

Technologiewerte brauchen keine Schuldenkrise um psychologisch anfällig zu sein – sowohl im Boom als im Niedergang. „Krisen treffen neue Technologien besonders hart, weil sie im Aufschwung tendenziell überschätzt werden – umso tiefer ist der Fall danach“, sagt Hans-Peter Schupp, Vorstand des Vermögensverwalters Fidecum in Bad Homburg.

Als 2001 die Technologieblase platzte, rauschten selbst Unternehmen mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell nach unten. Schupp ergriff die Chance und kaufte den Chipproduzenten Dialog Semiconductor, der 2003 zeitweise bis auf 80 Cent abrutschte. Ähnlich stürzte Infineon nach der Lehman-Pleite 2008 auf wenige Cent ab, war schon totgesagt und startete dann ein Comeback.

So wie Tech-Werte im vergangenen Jahrzehnt unter die Räder kamen, stehen derzeit Windkraft- und Solaraktien unter Druck. Der Reaktorunfall in Fukushima und die Energiewende verhalfen der Ökobranche nur zu einem kurzen Strohfeuer an der Börse. „Derzeit leidet die Wind- und Solarbranche an weltweiten Überkapazitäten, Preise und Margen sinken“, sagt Thiemo Lang, Fondsmanager beim Schweizer Vermögensverwalter SAM Group.

Leerverkäufer, also Spekulanten, die sich Aktien leihen, um auf fallende Kurse zu wetten, nutzen die Gunst der Stunde und setzen den Windmühlen- und Solarzellenherstellern weiter zu. Zeitweise waren bis zu 50 Prozent der frei gehandelten Aktien deutscher Solarunternehmen an Leerverkäufer verliehen. Jetzt, da die Solarwerte am Boden sind, fahren die Hedgefonds die Ernte ein, kaufen Papiere und geben sie an die Verleiher zurück. Das sollte etwas Druck von der Branche nehmen.

Auch bei den Windmühlenbauern zeigt sich Licht am Ende des Tunnels. Weltmarktführer Vestas verdiente im zweiten Quartal vor Steuern und Zinsen 77 Millionen Euro, nach 180 Millionen minus im Vorquartal. Auch die deutsche Nordex ist wieder auf dem aufsteigenden Ast. Ein neuer Auftrag aus der Türkei beflügelt die Aktie ebenso wie der Zukauf von Aktien durch die Klatten-Familie.

Ob Nordex und Vestas die Wende schaffen, hängt davon ab, wie erfolgreich sie in Schwellenländern werden und wie wirtschaftlich die neuen Offshore-Windparks vor Europas Küsten tatsächlich arbeiten. Da sich beide Fragen noch nicht abschließend beantworten lassen, bleiben Windkraftaktien etwas für Anleger mit starken Nerven.

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