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Börsenprognosen Darum schließen Banken-Strategen eine Talfahrt des Dax aus

Der Bundesverband Öffentlicher Banken erwartet, dass der Dax in einem Jahr höher notiert als jetzt. Doch sein Allzeithoch werde er nicht zurückerobern.
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Die Geldhäuser des VÖB rechnen nicht mit einer fortgesetzten Talfahrt der deutschen Aktienmärkte in den kommenden Monaten. Quelle: dpa
Der Stier überragt den Bären

Die Geldhäuser des VÖB rechnen nicht mit einer fortgesetzten Talfahrt der deutschen Aktienmärkte in den kommenden Monaten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Diese Frage treibt Anleger um wie derzeit keine andere. Bahnt sich in Deutschland das Ende der Börsenhausse an? Während die weltweit richtungsweisenden Wall Street-Indizes unweit ihrer Rekordstände notieren, entwickeln sich die hiesigen Aktienbarometer enttäuschend.

Der deutsche Leitindex Dax ist in den vergangenen Wochen zeitweise bis unter seine psychologisch wichtige Marke von 12.000 Zählern zurückgefallen und notiert trotz der jüngsten Erholung nur noch auf dem Kursniveau wie vor dreieinhalb Jahren. Anleger suchen deshalb nach Orientierung.

Immerhin: Sechs Geldhäuser geben Entwarnung. Die Mitgliedsinstitute des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB) zeigten sich am Mittwoch verhalten optimistisch bei der Präsentation ihrer mittelfristigen Aktienprognosen in Frankfurt. Die Geldhäuser erwarten zwar, dass das verbleibende Aufwärtspotenzial am deutschen und auch am europäischen Aktienmarkt insgesamt eng begrenzt ist. Mit einer fortgesetzten Talfahrt rechnet in den kommenden Monaten aber niemand der zuständigen Anlagestrategen.

Dem Dax trauen die Experten auf Jahressicht im Schnitt ein knapp achtprozentiges Plus auf 13.117 Punkte zu. Die Spanne der Kursprognosen reicht von 12.500 Zählern, die von der HSH Nordbank ausgerufen werden, bis zu 13.500 Stellen, die die Experten bei der DekaBank und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für wahrscheinlich halten.

Demnach würde der Bluechip-Index, der umsatzstarken Aktien großer Unternehmen bündelt, zwar auch im nächsten Herbst weiterhin unterhalb seines Anfang Januar erreichten Allzeithochs von 13.559 Zählern notieren. Doch die VÖB-Banken trauen dem Dax immerhin deutlich mehr Luft nach oben zu, als etwa dem entscheidenden Index für die Länder der Euro-Zone: Der Euro Stoxx 50 werde bis September 2019 mit vier Prozent nur etwa halb so stark zulegen wie sein deutsches Pendant.

Im Dax sei der jüngste Kursrückgang laut HSH Nordbank-Analyst Marius Schad vor allem auf die Gewinnrevisionen vieler Unternehmen im Jahresverlauf zurückzuführen. „Die Gewinnaussichten der Dax-Unternehmen bleiben jedoch positiv“, sagt der Fachmann. Für 2019 werde „eine Steigerung der Unternehmensgewinne von etwa zehn Prozent erwartet“. Deshalb gehe die Landesbank davon aus, dass der Dax seinen europäischen Vergleichsindex abhängen werde.

Ohne den am kommenden Montag anstehenden Abstieg der Commerzbank aus dem Dax hätte das Börsenbarometer laut dem LBBW-Analysten Uwe Streich sogar noch rund vier Prozentpunkte mehr Outperformance-Potenzial: „Die Indexaufnahme von Wirecard kostet den Dax etwa 600 Punkte“, hat der Profi berechnet.

Hintergrund: Weil die Aktien des Zahlungsdienstleisters gemessen am Unternehmensertrag je Aktie – dem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) – wesentlich höher bewertet sind als die Anteilsscheine der zweitgrößten deutschen Bank, sinke das Renditepotenzial des Dax, erklärt Streich.

Sowohl dem Dax als auch dem Euro Stoxx 50 unterlegen sein dürfte in den kommenden zwölf Monaten laut der VÖB-Prognose der Dow Jones. Der Wall Street-Index wird unter dem Strich nur noch auf der Stelle treten, falls die sechs öffentlichen Banken recht behalten.

Der maßgebliche Grund für die größere Zuversicht der Fachleute für die hiesigen Aktienmärkte: Deutsche und europäische Aktien seien gegenüber den US-Pendants inzwischen deutlich günstiger bewertet. „In Europa sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in den letzten Monaten merklich zurückgegangen. Beim Dax fiel das KGV auf Basis erwarteter Gewinne von 13,3 zu Jahresbeginn auf aktuell 11,7 und beim Euro Stoxx 50 von 14,0 auf 12,4“, sagt Bayern LB-Analyst Manfred Bucher.

Zudem bleibe nach Einschätzung der VÖB-Analysten die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB grundsätzlich expansiv ausgerichtet, trotz rückläufiger Anleihekäufe. Die Experten rechnen bis weit ins Jahr 2019 hinein mit keinen Leitzinserhöhungen in der Euro-Zone – anders als in den USA.

Dort wirkt nach Einschätzung der Experten der öffentlichen Banken zwar die dortige Steuerreform positiv auf die Unternehmensgewinne. Auch seien die Konjunkturdaten weiterhin robust. Allerdings seien die US-Unternehmen bereits deutlich höher bewertet als die europäischen, wodurch weitere Kurssprünge laut den Analysten nur durch erneut steigende Gewinnerwartungen zu rechtfertigen wären. Doch das Potenzial für stärker wachsende Firmengewinne sehen die VÖB-Strategen als begrenzt an.

Die Gewinne pro Aktie in den USA sind zwar im zweiten Quartal 2018 so stark gestiegen wie seit 2010 nicht mehr, so HSH Nordbank-Mann Schad. „Allerdings sehen wir Entwicklungen, die auf ein baldiges Ende der Aktienhausse im S&P 500 hindeuten“, ergänzt der Fachmann.

So gingen etwa die Bargeld-Bestände der Nichtfinanz-Unternehmen zurück, besonders, wenn man die Liquidität der US-Technologie-Unternehmen herausrechne. „Zudem nehmen wir am Kreditmarkt Signale einer Straffung der Finanzierungsbedingungen wahr, wie zurückgehende Durationen der Unternehmensanleihen und eine erhebliche Verflachung der Zinskurve“, ergänzt Schad.

All das seien Anzeichen dafür, dass die neuneinhalb Jahre andauernde US-Expansionsphase ihre Reifeperiode demnächst überschreiten werde. Dafür spricht nach Einschätzung der sechs öffentlichen Banken auch, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen weiterhin anheben wird und damit Renditen abseits des Aktienmarktes attraktiver werden lässt.

Schließlich drohen weitere Strafzölle der US-Regierung und entsprechender Gegenmaßnahmen der betroffenen – besonders der chinesischen – Handelspartner die Konjunktur in den USA zu belasten. „Insgesamt sollte der US-Aktienmarkt zur Mitte des Jahres 2019 an seinem Höhepunkt angekommen sein und im Anschluss eine Korrektur erfahren“, resümiert Schad.

Sein Kollege Uwe Streich von der LBBW zeigt sich noch skeptischer und erwartet nicht nur eine Korrektur, sondern mittelfristig eine Kehrtwende am US-Aktienmarkt: „Im Laufe des nächsten Jahres wird der Trend an der Wall Street in Richtung Bärenmarkt gelegt“, so der Experte.

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