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Bonds und Devisen Experten rechnen mit deutlichem Renditesprung bei Bundesanleihen

Die EZB beendet den Ankauf von Wertpapieren. Diese Trendwende spiegelt sich auch in den Bundesanleihen wider – starke Renditen werden erwartet.
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30 in- und ausländische Banken prognostizierten die Entwicklung der Bundesanleihen im neuen Jahr. Das bringt Anlegern auch den ein oder anderen Euro mehr. Quelle: dpa
Bundesadler

30 in- und ausländische Banken prognostizierten die Entwicklung der Bundesanleihen im neuen Jahr. Das bringt Anlegern auch den ein oder anderen Euro mehr.

(Foto: dpa)

FrankfurtMario Draghi steuert langsam zurück in die geldpolitische Normalität. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) will nur noch wenige Tage Geld für frische Anleihekäufe ausgeben. Ab Anfang 2019 ist damit Schluss. Seit dem Start der Käufe im März 2015 hat die EZB Wertpapiere im Umfang von 2,6 Billionen Euro aufgekauft.

Allerdings wird die Notenbank weiterhin Gelder aus auslaufenden Staats- und Unternehmenspapieren neu investieren und den Leitzins vorerst auf dem Rekordtief von null Prozent halten. Frühestens für den Herbst nächsten Jahres hat Draghi eine erste Zinserhöhung in Aussicht gestellt.

Diese vorsichtige Trendwende in der Geldpolitik spiegelt sich weitaus stärker in den Prognosen der Kapitalmarktprofis wider. In der traditionellen Umfrage des Handelsblatts gehen die 30 befragten in- und ausländischen Banken im Durchschnitt von gut einer Verdreifachung der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 0,72 Prozent aus. Aktuell beträgt die Verzinsung dagegen lediglich 0,23 Prozent.

Den Anlegern selbst hilft das wenig, da sie mit einem realen Wertverlust rechnen müssen, was oftmals unterschätzt wird. Denn die Inflationsrate liegt in Deutschland inzwischen bei rund zwei Prozent und damit viel höher als die erwartete Rendite.

Trifft die Vorhersage der französischen BNP Paribas zu, dann schmerzt der Wertverlust die Investoren nicht ganz so stark. Die Experten erwarten nicht nur „eine Normalisierung der Rendite durch das bevorstehende Ende der Anleihekäufe der EZB und eine weitere positive Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Gehälter“.

Eine Entspannung auf politischer Ebene sollte nach Ansicht der Profis auch eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bezüglich des Haushaltsstreits der Europäischen Union (EU) mit Italien, des Ausstiegs der Briten aus der EU und der Handelsbeziehungen mit den USA. Im Ergebnis geht BNP Paribas davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 1,25 Prozent ansteigen wird. Damit erwartet das Institut den größten Renditesprung unter den befragten Banken.

Von immerhin einem Prozent gehen sechs weitere Teilnehmer an der Kapitalmarktprognose aus (siehe Tabelle). Uwe Burkert von der Landesbank LBBW hält „sowohl die am Markt gehandelten Konjunktursorgen als auch die Spekulationen auf eine Verschiebung der Leitzinswende für überzogen“. Da die Marktteilnehmer zudem mit Blick auf die USA das Potenzial für steigende Leitzinsen unterschätzten, bestünden mittelfristig gute Chancen für eine merkliche Anpassung der Renditen nach oben.

Mit bis auf maximal 3,20 Prozent steigenden Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen rechnet Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Die US-Notenbank Fed werde wohl noch bis 2020 mit einer ersten Zinssenkung warten – trotz einer näher rückenden Rezession. Damit werde sich auch der Zinsabstand zwischen den USA und Europa einengen, sofern die EZB den Leitzins erstmals seit 2011 wieder erhöht.

Dem kann das Bankhaus Metzler nicht folgen. Die Frankfurter rechnen für das kommende Jahr „mit einem merklichen Rückgang des Wachstums in der Euro-Zone auf 1,3 Prozent“. Von der Inflation dürfte 2019 keine große Gefahr für Bundesanleihen ausgehen. Vor diesem Hintergrund rechnen die Kapitalmarktprofis höchstens im vierten Quartal mit einem „Mini-Zinsschritt“.

Bei der Entwicklung des Euros zum Dollar sagen die Analysten und Volkswirte im nächsten Jahr keinen großen Sprung vorher. Im Durchschnitt gehen sie von einem Kurs von 1,19 Dollar zum Euro aus. Deutlich optimistischer sind die Landesbank Helaba und die Société Générale mit erwarteten 1,25 Dollar.

Christian Apelt von der Helaba macht einen „schwächeren zyklischen Rückenwind für die US-Währung aus“. Gleichzeitig verringere sich der Renditevorteil der amerikanischen Bonds gegenüber Bundesanleihen durch die Zinswende der EZB. Ohnehin steht für ihn fest: „US-Präsident Donald Trumps Haushalts- und Handelspolitik erweisen sich per saldo als Belastung für den Greenback.“ Für Société Générale ist der US-Dollar mit Abstand am stärksten überbewertet. Die Bank erwartet, dass der Dollar an Attraktivität verliert.

Diese Einschätzung teilt die Fürstlich Castell’sche Bank nicht. Sebastian Klein, Chef des Instituts, rechnet 2019 nicht mit einer Zinserhöhung der EZB. Gleichzeitig sollen die USA auch im nächsten Jahr stärker wachsen als Europa. Das würde den Euro belasten.

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