Cost-Average-Effekt Die Tücken der Sparpläne – und wie man sie umgeht

Wird es ungemütlich an den Börsen, rückt der Durchschnittskosteneffekt in den Fokus. Was Anleger beachten sollten, damit ihr Sparplan aufgeht.
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Mit Sparplänen zu niedrigen Raten ab 25 Euro pro Monat werben Banken und Vermögensverwalter um neue Kunden. Doch was steckt hinter dem umworbenen Durchschnittskosteneffekt? Quelle: mauritius images
Mythos oder Renditebringer?

Mit Sparplänen zu niedrigen Raten ab 25 Euro pro Monat werben Banken und Vermögensverwalter um neue Kunden. Doch was steckt hinter dem umworbenen Durchschnittskosteneffekt?

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FrankfurtDen 30. Geburtstag des Börsenbarometers Dax am 1. Juli feierte das Deutsche Aktieninstitut mit einer Rechenübung. „Wer 30 Jahre 50 Euro im Monat – also insgesamt 18 000 Euro – in den Aktienmarkt sparte, kann sich jetzt über ein Vermögen von knapp 70.000 Euro freuen“, frohlockte das Institut, das von den großen Unternehmen im Dax finanziert wird.

Schon kleine Beträge regelmäßig in Aktien zu investieren, resümierte Vorständin Christine Bortenlänger, „zahlt sich langfristig aus – und zwar ohne dabei übermäßige Risiken eingehen zu müssen“.

Das Argument haben sich Banken und Vermögensverwalter längst zu eigen gemacht. Mit Sparplänen zu niedrigen Raten ab 25 Euro pro Monat werben sie um neue Kunden. Auch Gutverdiener locken sie mit der Aussicht auf attraktive Renditen bei geringem Risiko, gerade wenn die Zeiten an den Aktienmärkten auf Sturm stehen.

Gerne werben Fondsanbieter für diese Behauptung mit einer verbreiteten Annahme: Wer regelmäßig die gleiche Summe spart, kauft bei niedrigen Kursen mehr Anteile, hat so im Schnitt geringere Kosten – und somit eine höhere Rendite als bei einer Einmalanlage.

Aber stimmt das auch? Oder ist der „Cost-Average-Effekt“, wie er im Fachjargon heißt, nicht mehr als eine geschickt getarnte Marketinglüge?

Sparpläne, so weit der Konsens, sind essenziell für den Vermögensaufbau. Börsenexperte Robert Halver hält sie gar für „so attraktiv, dass Vater Staat sie zur Alterssicherung unbedingt fördern muss. Denn in sinkenden Kursphasen“, erläutert der Chefökonom der Baader Bank, „erhält man für den gleichen Sparanteil mehr Aktienanteile, die bei Börsenerholung das gesamte Aktienvermögen anheben wie ein Lastenaufzug.“

Auch Bestsellerautor Gerd Kommer („Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“) hält den Nutzen von Sparplänen für „unbestritten“. Doch den Cost-Average-Effekt hält er für eine „Legende“. „Wer kann, sollte Fondssparen betreiben“, meint der Bestsellerautor. „Aber nicht auf der Basis einer Chimäre.“ Dass langfristiges Fondssparen lukrativ sei, habe „nichts mit einem systematisch renditeerhöhenden Cost-Average-Effekt zu tun“, meint Kommer. „Der existiert nicht.“

Auch Verbraucherschützer brandmarken den vermeintlichen Effekt als Mythos. Andere Kritiker stellen Gegenrechnungen an, um die Anhänger eines Irrtums zu überführen. Fondsmanager Jens Kummer hat die Renditen von Einmalanlagen gegenüber Sparplänen auf den Dax verglichen.

Das Ergebnis: „Bei gleicher Investitionsquote hatten Einmalanlagen in zwei Drittel der Zeiträume eine bessere Wertentwicklung als Sparpläne.“ Der Cost-Average-Effekt, sagt Kummer, verpuffe an der Realität.

Vier Regeln sind entscheidender

So geht ein Streit weiter, den der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson vor 24 Jahren anzettelte. Damals schrieb der 2009 verstorbene Ökonom: Das „dollar-averaging“ zur Anlagemaxime zu machen sei „ein schwerer Fehler, wenn nicht ein Verbrechen“. Mannheimer Wissenschaftler erklärten die „Popularität des Cost-Averaging“ später „vor allem durch seine gut vermittelbare Intuition“. Ihr eindeutiges Urteil: Der behauptete Effekt habe „keine praktische Relevanz“.

Fakt ist: Je nach Zeitpunkt des Einstiegs entwickeln sich mal Anlagen per Sparplan, mal per Einmalinvestition besser. Das zeigen Daten, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) zum Dax-Jahrestag veröffentlicht hat. So ergibt das eingangs erwähnte Szenario – seit 1987 monatlich 50 Euro in einen Sparplan auf den Leitindex Dax – beispielsweise eine Rendite von 7,9 Prozent pro Jahr. Wer auf einen Schlag investierte, freute sich 30 Jahre später sogar über eine jährliche Rendite von 8,9 Prozent.

Noch deutlicher ist die Differenz, wenn die Analyse unmittelbar vor der jüngsten Finanzkrise einsetzt – in diesem Szenario schneidet allerdings der Sparplan besser ab. Anleger, die Ende 2007 einmalig in den Dax investierten, hatten laut DAI noch fünf Jahre später Verluste im Depot und bis Ende 2017 eine durchschnittliche Rendite von 4,8 Prozent.

Anders Sparer, die seitdem – vom zwischenzeitlichen Börsencrash unbeirrt – regelmäßig ihre monatliche Rate anhäuften: Ihre Anlage erholte sich frühzeitig und warf nach zehn Jahren mit einem Jahresdurchschnitt von 10,4 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Rendite ab.

Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut sieht darin „eine Bestätigung des Cost-Average-Effekts“. Als der Dax zwischenzeitlich die Hälfte an Wert verlor, bekamen Sparer bei gleichbleibenden Raten doppelt so viele Anteile – quasi im Sonderangebot. „Wenn sich die Kurse nach einer Krise wie 2008 erholen, kann sich der Effekt drastisch auswirken“, sagt Leven. Aber eben auch nur dann. Statt Durchschnittskosteneffekt sollten Anleger deshalb anderes im Blick haben.

Vier Regeln, damit ihr Sparplan aufgeht

1. Stoisch einzahlen: In der Einzahlphase nicht die Nerven zu verlieren ist oberstes Gebot. Setzen Sparer Raten aus, sobald die Kurse sinken, kann der „Lastenaufzug-Effekt“ nicht greifen. Statistiken des Deutschen Aktieninstituts zufolge besaßen Ende 2017 wie vor der Finanzkrise mehr als zehn Millionen Deutsche Aktien. 7,2 Millionen waren in Aktien- oder Mischfonds investiert – so viele wie zuletzt 2008, aber 2,6 Millionen weniger als 2001.

Die Vergangenheit zeigt jedoch: Fallen die Kurse, trennen sich viele von ihren Anlagen. „Dieses Muster ist zwar seit der Finanzkrise schwächer geworden“, erklärt DAI-Chefin Bortenlänger. „Der Lackmustest einer längeren Phase fallender Kurse oder steigender Zinsen auf Alternativanlagen steht aber noch aus.“

2. Schrittweise umschichten: Wichtiger als der Zeitpunkt des Einstiegs ist für ihren Kollegen Leven das Timing beim Verkauf. Zum Ende der Sparphase ist ein größeres Vermögen Kursschwankungen ausgesetzt als zu Beginn. Daher sollten Sparer keinesfalls in einer Baisse Anteile verkaufen. „Sonst tritt der umgekehrte Cost-Average-Effekt ein“, warnt Leven. Er rät, nach und nach Anteile in festverzinsliche Wertpapiere umzuschichten: Festgeld, Anleihen- oder Rentenfonds.

Und auch im Boom nur in Sonderfällen größere Aktienpakete zu verkaufen – etwa, wenn das Ablösen einer teuren Hypothek den Verzicht auf künftige Renditen aufwiegt. Auch Robert Halver von der Baader Bank rät: „Bei nahendem Auszahlungsbeginn das Aktienrisiko herunterfahren und Kursgewinne durch Verkäufe immer mehr realisieren.“

3. Breit streuen: Durchschnittskosten hin, Lastenaufzug her: Wenn Anleger auf Einzelwerte oder einen stark spezialisierten Branchenfonds setzen, steigt auch mit einem Sparplan das Risiko deutlich. Statt ihr Erspartes in wenige Einzelwerte zu stecken, haben Anleger die Wahl zwischen sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), also börsengehandelten Indexfonds, oder Fonds, die Manager der Institute aktiv verwalten.

Das Angebot ist riesig: 18.000 Fonds führt die Stiftung Warentest in ihrer Datenbank. Neben reinen Aktienfonds sind darunter auch etliche Mischfonds, mit denen ein Teil des Geldes in andere Anlageklassen wie zum Beispiel Staatsanleihen fließt. Levens Faustregel: „Was Anleger in den nächsten fünf Jahren an Reserven brauchen, sollten sie in festverzinsliche, schnell liquidierbare Produkte stecken.“

4. Kosten einkalkulieren: 1,6 Prozent gegen 0,37 Prozent: Wenn es um die jährlichen Gebühren von Aktienfonds geht, können die aktiv gemanagten, aber eben auch teureren Produkte der Fondsmanager nicht mit den passiven ETFs mithalten. Die Durchschnittspreise von Anleihefonds sind mit 0,84 beziehungsweise 0,22 Prozent laut Morningstar günstiger, versprechen in Zeiten von Niedrigzinsen aber auch eine geringe Rendite.

Hinzu kommen in der Regel Ausgabeaufschläge von bis zu fünf Prozent – und auch bei jeder Sparrate zwackt das Fondshaus möglicherweise einen Anteil ab. Das drückt die Rendite. Anleger sollten die Kosten deshalb im Blick behalten und Angebote vergleichen. „Wenn Sie ein Auto kaufen, gehen Sie ja auch zu verschiedenen Händlern“, sagt Leven.

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3 Kommentare zu "Cost-Average-Effekt: Die Tücken der Sparpläne – und wie man sie umgeht"

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  • Für mich hinkt der Vergleich ebenso - gerade aus einem Grund: Bei den kontinuierlichen Einzahlungen mittels monatlicher Ansparung möchte der Anleger für die Altersvorsorge bzw. Kindern erst einen Betrag für einen späteren Zeitpunkt "ansparen" - das Geld für eine Einmalanlage ist eben nicht vorhanden!

  • Hier werden sogenannte Experten zitiert die den Cost-Average-Effekt ablehnen. Jeder von denen weiß scheinbar wann die richtige Zeit für eine Investition ist. Ja dann frage ich mich warum müssen sie sich heute noch wie der Bestsellerautor Gerd Kommer mit Bücherschreiben abmühen. Wenn er so ein Crack ist dann könnte er doch zum richtigen Zeitpunkt (Tiefpunkt der Baisse) mal locker 1 Mio. anlegen und dann später in der Hausse verkaufen. Warum tut er es nicht? Weil er nur hinterher schlau ist wie so viele!
    Richtig wird im Artikel aufgezeigt eine Komplettanlage 2007 in Aktienfonds und die Rendite ist dahin, dagegen im Sparplan immer noch 10% Rendite drin.
    Für den normalen Anleger, Kleinanleger ist der Sparplan mit monatlichen Investitionen langfristig die richtige Wahl und hier greift auch der Cost-Average-Effekt.
    Was Richtig ist, dass man mindestens 5 Jahre bevor man das Geld benötigt umschichten sollte auf Anlageformen die nicht solchen Schwankungen wie Aktienfonds unterworfen sind.

  • "Daher sollten Sparer keinesfalls in einer Baisse Anteile verkaufen."

    Und woher weiß man wann eine Baisse anfägt und aufhört? Also wenn ich wissen würde wann eine Baisse beginnt würde ich 100% meiner Aktien verkaufen und am Ende der Baisse wieder zu 100% einsteigen.

    Worin sollte denn der Sinn liegen Aktien in einer Baisse zu halten und keinesfalls zu verkaufen?

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