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Crowdinvesting Schwarmfinanzierung soll einfacher werden

Der Crowdinvesting-Markt wächst stetig. Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebener Bericht empfiehlt weitere Erleichterungen für die Branche.
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Die Bundesregierung kommt der Crowdinvestment-Branche ein Stück entgegen. Quelle: imago/Gustavo Alabiso
Reichstagskuppel in Berlin

Die Bundesregierung kommt der Crowdinvestment-Branche ein Stück entgegen.

(Foto: imago/Gustavo Alabiso)

Berlin Die Idee, dass eine Vielzahl von Geldgebern ein konkretes Projekt unterstützt, findet in Deutschland immer mehr Anhänger. Dazu haben auch die vor vier Jahren im Kleinanlegerschutzgesetz eingeführten Befreiungsvorschriften für die Schwarmfinanzierung beigetragen.

Durch Ausnahmen von der teuren Prospektpflicht soll die Crowdinvesting-Branche in Deutschland gefördert werden. Zwar deutet sich in dem gerade publizierten Evaluierungsbericht, den die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat und der dem Handelsblatt vorliegt, ein weiteres Entgegenkommen der Politik an. Doch nicht alle Wünsche der Branche werden erfüllt.

„Der deutsche Crowdinvesting-Markt ist in den Jahren von 2011 bis 2018 stark gewachsen“, konstatiert der Bericht. Als wichtigster Wachstumstreiber erwies sich dabei die Immobilienfinanzierung. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt um 50 Prozent auf rund 300 Millionen Euro. Besonders gern investierte der Schwarm 2018 in Immobilienprojekte (212 Millionen Euro). Es folgen Unternehmen (80 Millionen Euro) und Energieprojekte (sechs Millionen Euro).

Vereinzelte Stimmen aus der Politik haben darauf hingewiesen, dass bei der neuen Form der Finanzierung insbesondere die Versorgung von Unternehmen mit Risikokapital im Fokus stehen sollte – und nicht die Immobilienfinanzierung. Doch die Studie legt eine andere Sichtweise dar: Der Finanzbedarf für Immobilien könne zwar auf verschiedene Weise gedeckt werden.

Immobilienfinanzierung ist möglich

Aber es „bestehen keine zwingenden Gründe, warum eine Immobilienfinanzierung über Crowdfunding-Plattformen nicht möglich sein soll“, heißt es. Die Forscher zeigen Verständnis für die Forderung der Crowdinvesting-Branche, die bisherige Begrenzung für prospektfreie Vermögensanlagen aufzugeben. Bislang darf bei einem Volumen bis zu 2,5 Millionen Euro der Prospekt fehlen. Eine Erhöhung des Schwellenwerts auf bis zu sechs Millionen Euro „könnte erwogen werden“, heißt es.

Aus der Crowdinvesting-Branche kommt zudem immer wieder die Forderung, die aktuellen Limits für einzelne Engagements zu erhöhen. Derzeit liegt die Obergrenze für die Investition eines privaten Anlegers über ein Crowdinvesting-Portal pro Emittent bei 10.000 Euro.

Laut Studie investieren 86 Prozent der Anleger weniger als 1. 000 Euro. Allerdings stellen die restlichen 14 Prozent der Anleger, die mehr als 1.000 Euro investieren, zwei Drittel der investierten Mittel bereit. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Limit die Investitionsbereitschaft einschränke, aber es habe nur eine geringe Bedeutung, heißt es in der Studie. „Insofern bedarf es keiner Erhöhung der Schwellenwerte, bis zu deren Höhe private Anleger investieren können“, folgern die Forscher.

Wenn sich private Anleger bei der Unternehmensfinanzierung engagieren, dann überwiegend in Form von partiarischen Darlehen: Sie verleihen also Geld, sind aber zugleich am Gewinn beteiligt. Bei der Immobilienfinanzierung dominieren zudem eindeutig Nachrangdarlehen, die bei einer Insolvenz gegenüber anderen Krediten zurückstehen. Bei einer Pleite sind in beiden Fällen die Anleger schlecht gestellt.

Schon lange fordern Crowdinvesting-Plattformen, auch die Vermittlung von Eigenkapital – wie zum Beispiel GmbH-Anteile – einzuführen. „GmbH-Anteile bieten den Anlegern starke, nicht vertraglich abdingbare Rechte wie zum Beispiel ein Stimmrecht bei Gesellschafterbeschlüssen und Informationsrechte“, sagt Tamo Zwinge, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Crowdfunding und Co-Chef der Plattform Companisto.

Die Autoren des Evaluierungsberichts bleiben aber skeptisch. „Der Erwerb von GmbH-Anteilen sollte nicht zugelassen werden“, empfehlen die Forscher und verweisen auf fehlenden „adäquaten Anlegerschutz“. Die GmbH sei aufgrund ihres gesetzgeberischen Leitbilds grundsätzlich nicht für eine große Anzahl von Gesellschaftern geeignet, wie sie bei der Schwarmfinanzierung auftreten würden.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Politisch ist hier allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen. So setzt sich der CDU-Politiker Johannes Steiniger für eine Einbeziehung von GmbH-Anteilen in das Crowdinvesting ein. „Partiarische Darlehen und Nachrangdarlehen halten den Anleger doch künstlich in einer schwachen Rechtsposition“, bemängelt das Mitglied im Finanzausschuss des Bundestags.

Auch wenn Eigenkapitalgeber im Fall einer Insolvenz immer schlechtergestellt sind als Fremdkapitalgeber, überwiegen aus seiner Sicht die positiven Effekte. Steiniger will sich weiterhin dafür einsetzen, dass GmbH-Anteile in die Ausnahmeregelung für die Schwarmfinanzierung aufgenommen werden. Beim Koalitionspartner SPD gibt es zu diesem Thema noch keine abschließende Meinung, doch eine gewisse Skepsis ist zu bemerken.

Risikoreich bleibt das Engagement in jedem Fall. Auf ihren Internetplattformen müssen die Crowdfinanzierer warnen, dass der Totalverlust des eingesetzten Kapitals droht. Nach Erkenntnissen der Studie fielen rund zehn Prozent Finanzierungen aus, die über diese Portale eingeworben wurden. Gemessen am Finanzvolumen machen diese Fehlschläge allerdings nur vier Prozent der investierten Mittel aus, heißt es in dem Bericht.

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