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Dax-Konzerne Anlegern droht das Ende des Dividenden-Booms

Im kommenden Frühjahr müssen Anteilseigner wohl mit einer Stagnation der Dividenden rechnen. Dabei waren die 30 Dax-Konzerne lange ein Ausschüttungsgarant.
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14 der 30 Dax-Konzerne könnten ihre Dividende senken. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

14 der 30 Dax-Konzerne könnten ihre Dividende senken.

(Foto: dpa)

Frankfurt In den vergangenen Jahren haben Aktionäre deutscher Unternehmen von immer weiter steigenden Dividenden profitiert. Noch in diesem Frühjahr schütteten alle börsennotierten Gesellschaften in Deutschland gemeinsam mehr als 57 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus – eine Rekordsumme, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) konstatierte. Allein die 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex erhöhten ihre Dividendenzahlungen um fast sechs Prozent.

Doch dieser Boom könnte nun zu Ende gehen. Kommendes Frühjahr, wenn die Firmen die Dividende für das laufende Jahr 2019 ausschütten, müssen sich Dax-Anleger wohl mit einer Stagnation zufriedengeben. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Commerzbank hervor. Demnach dürften die 30 Dax-Konzerne im deutschen Leitindex insgesamt 38,3 Milliarden Euro als Dividenden an ihre Aktionäre verteilen. Für das vergangene Jahr haben die Anteilseigner rund 38,2 Milliarden Euro überwiesen bekommen.

„Nach der enttäuschenden Berichtssaison für das erste Halbjahr erwarten wir für 2019 keinen Anstieg der Dividendensumme mehr“, sagt Commerzbank-Aktienstratege Andreas Hürkamp. Zuvor war er noch von einem Dividendenwachstum von sieben Prozent im Dax ausgegangen. Doch inzwischen habe er die Dividendenprognosen für 14 der 30 Dax-Konzerne für das Jahr 2019 gesenkt.

In Europa habe sich die Konjunktur deutlich stärker eingetrübt, insbesondere in der Industrie, erklärt DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger: „Geschadet haben der anhaltende Handelskonflikt, die strukturellen Herausforderungen innerhalb der Autobranche sowie die politischen Unsicherheiten.“ Unternehmen aus den Niederlanden, Irland und Deutschland hätten zuletzt sehr schwache Zahlen vorgelegt.

„Zudem herrscht bei den Unternehmen ein hoher Grad an Verunsicherung über die weitere wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Bissinger weiter. Die zyklischen und exportabhängigen Unternehmen aus dem deutschen Leitindex trifft das zum Teil besonders hart.

Ausblick im Herbst

Ob die gesenkten Dividendenprognosen der Commerzbank tatsächlich Realität werden könnten, dürfte sich im Herbst abzeichnen, wenn die Unternehmen ihre Zahlen für das dritte Quartal vorlegen.

Sechs der 30 Dax-Konzerne werden ihre Dividenden laut der derzeitigen Commerzbank-Schätzung kürzen. Darunter sind die beiden Autokonzerne BMW und Daimler sowie der Zulieferer Continental. Angesichts der strukturellen Herausforderungen der Automobilbranche und der notwendigen Investitionen in die Elektromobilität ist es nicht verwunderlich, dass die Aktionäre kürzertreten müssen.

Die Beratungsfirma EY hatte nach einer Auswertung der Umsatz- und Gewinnwarnungen der im Prime Standard gelisteten Unternehmen mitgeteilt, dass die meisten solcher Warnungen im ersten Halbjahr 2019 aus der Automobilbranche gekommen seien.

„Die weltweite Autokonjunktur entwickelt sich schlechter als erwartet, die technologischen und strukturellen Herausforderungen sind enorm“, sagte EY-Partner Marc Förstemann. BMW und Daimler hatten bereits ihre Dividendenausschüttung für das Jahr 2018 reduziert. Continental hatte die Dividende dagegen trotz schwachem Geschäftsjahr erhöht.

Gleichwohl dürften die vier Dax-Aktien aus dem Autosektor, wozu auch Volkswagen zählt, für das Jahr 2019 laut Commerzbank insgesamt 9,2 Milliarden Euro an die Aktionäre verteilen. Somit wird der Anteil der Autodividenden an der gesamten Dividendensumme im Dax mit 24 Prozent wohl trotz der Kürzungen sehr hoch bleiben. Bei VW soll die Dividende für die Vorzugsaktie sogar kräftig steigen, von 4,86 Euro je Aktie auf 6,56 Euro.

Doch auch bei Infineon und der Deutschen Telekom soll die Ausschüttung sinken. Bei der Telekom kosten der 5G-Ausbau und der Zusammenschluss von T-Mobile US mit Sprint zunächst einmal Geld. Bei der Hauptversammlung im Frühjahr hatte Finanzchef Christian Illek betont, man wolle trotzdem weiterhin eine Dividende zahlen, mindestens 50 Cent je Aktie. Zuletzt haben die Aktionäre noch 70 Cent je Aktie bekommen.

Die Deutsche Bank will für die Jahre 2019 und 2020 keine Dividende zahlen. Deutschlands größtes Geldhaus hatte dies im Zuge ihres groß angelegten Konzernumbaus angekündigt.

Bei immerhin 18 Unternehmen können die Aktionäre aber laut der Prognose der Commerzbank noch mit einer Erhöhung der Dividende rechnen. Dazu zählen beispielsweise die Versicherungskonzerne Allianz und Munich Re, der Gesundheitskonzern Fresenius und seine Tochter FMC sowie Heidelberg Cement und Henkel.

Top-Investment Dividenden

Wie wichtig die Dividenden für Anleger sind, zeigen auch diese Zahlen: Seit März 2009 hat der Dax 235 Prozent zugelegt. Der Dax-Kursindex, der lediglich die Kursentwicklung abbildet, stieg nur um 137 Prozent. Reinvestierte Dividenden haben demnach 97 Prozentpunkte zur Dax-Performance in dem Zeitraum beigetragen.

Dass Dax-Aktionäre nicht erwarten können, dass es immer neue Rekorde bei den Ausschüttungssummen gibt, hatte auch Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), im April bereits angedeutet. Es stehe zu befürchten, dass das aktuelle Jahr „vorerst das letzte Dividendenrekordjahr war“, sagte er bei der Vorstellung der DSW-Dividendenstudie.

Wegen der politischen Unsicherheiten, unter anderem rund um den Brexit und den drohenden Handelsstreit mit den USA, gebe es „erste Wolken am derzeit noch blauen Dividendenhimmel“.

Viele Firmen würden bereits auf die Euphoriebremse treten und stärker auf die Kosten schauen. Hinzu komme, dass sich die durchschnittliche Ausschüttungsquote der in den Auswahlindizes notierten Firmen seit dem Vorjahr reduziert habe: „Offenbar bauen die Unternehmen mit Sicht auf schlechtere Zeiten jetzt lieber ein Finanzpolster auf, als ihre Aktionäre angemessen am Gewinn zu beteiligen.“

Für Aktionäre wäre ein Jahr der Stagnation bei den Dividenden unterdessen verkraftbar. Die Commerzbank verweist dabei auch darauf, dass der Dax eine „relativ sehr attraktive Dividendenrendite“ biete. Mit 3,3 Prozent liege diese deutlich über der Rendite von BBB-Euro-Unternehmensanleihen von 0,5 Prozent.

Mehr: Der Aufwärtstrend an den Börsen schafft keinen neuen Optimismus bei den Firmenchefs. Topmanager stoßen die Aktien ihrer eigenen Unternehmen ab.

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