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Sortierte Spielsteine

Eine neue Ordnung gilt ab sofort in den wichtigsten Börsenindizes.

(Foto: Imago)

Dax, MDax, SDax, TecDax So wirken sich die neu sortierten Börsenindizes auf die Renditeaussichten der Anleger aus

Nie zuvor gab es mehr Auf- und Absteiger in Dax, MDax, SDax und TecDax als am heutigen Montag. Das hat weitreichende Folgen für Anleger.
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Frankfurt Seit heute ist der Zahlungsabwickler Wirecard im wichtigsten Aktienindex Dax notiert und hat die Commerzbank abgelöst. Damit ist in Kraft getreten, was die Deutsche Börse Anfang September beschlossen hatte.

An der Börse ist Wirecard inzwischen mit über 22 Milliarden Euro fast doppelt so viel wert wie die Commerzbank, die nun in den Nebenwerte-Index MDax abgestiegen ist. Am Montag setzte sich die Wirecard-Aktie direkt an die Spitze des Index mit einem Kursplus von 2,5 Prozent auf 182,75 Euro.

Die Indexänderung hat gravierende Folgen für Dax-Anleger: Die Renditeaussichten des richtungsweisenden deutschen Marktbarometers trüben sich nach Einschätzung von Experten nicht unerheblich ein. Denn der Aufsteiger Wirecard ist gemessen an seinem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von über 72 fast sechsmal so teuer wie die Commerzbank.

Chancen auf neues Allzeithoch sinken

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) würden das faire Indexniveau ohne den Wirecard-Aufstieg rund vier Prozentpunkte höher taxieren. Stattdessen sagen sie dem Index binnen Jahresfrist einen Anstieg auf „nur“ 13.500 Punkte vorher. „Die Indexaufnahme von Wirecard kostet den Dax etwa 600 Punkte“, sagt Uwe Streich, Analyst bei der LBBW. Dadurch sinken die Chancen, dass der Dax bald ein neues Allzeithoch erreichen könnte. Der Rekord liegt bei 13.559 Zählern, am Montag steht der Index bei etwa 12.380 Punkten.

Doch damit nicht genug: Die Indexreform der Deutschen Börse hat zufolge, dass ab heute Mitglieder des Technologieindex TecDax gleichzeitig in Dax, MDax oder SDax geführt werden. Um das zu ermöglichen, ist die Zahl der Werte im Index der mittelgroßen Titel (MDax) von 50 auf 60 und im Kleinwerte-Index (SDax) von 50 auf 70 geklettert.

„Bei manchen Anlegern wird der Anteil an Tech-Firmen im Depot deutlich steigen“, hatten die Fachleute der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nach dem Beschluss zu bedenken gegeben. Experten zufolge kann dies weitreichende Auswirkungen haben: Die Einbeziehung der in der Regel teureren und volatileren Tech-Aktien in einen Index kann zu einer höheren Schwankungsbreite der Indizes aus der zweiten und dritten Börsenliga und damit der entsprechenden Indexfonds (ETFs) führen.

MDax und SDax wachsen

Die wichtigsten Indexänderungen im Detail: 14 der 30 Unternehmen aus dem TecDax sind seit Montag auch im MDax gelistet. Weil dieser aber nur um zehn Mitgliederplätze erweitert wurde, sind im Gegenzug vier der bisherigen MDax-Werte in den SDax abgestiegen: Der Autozulieferer Leoni, der Elektronikeinzelhändler Ceconomy, der Gabelstaplerbauer Jungheinrich und das Werbe- und Medienunternehmen Ströer.

Zudem hat mit der Büro- und Gewerbeimmobilienfirma Alstria Office auch ein bisher im SDax geführtes Unternehmen die Kriterien für den Aufstieg in den MDax erfüllt. Daher musste mit dem Versicherer Talanx ein fünftes Unternehmen in den SDax absteigen. Zusätzlich neu aufgenommen wurden in den Kleinwerte-Index 15 der bisher nur im TecDax enthaltenen Firmen.

Nicht nur die Kursschwankungen im MDax und SDax dürften spürbar zunehmen. Vorübergehend ist auch bei den von den Indexänderungen betroffenen einzelnen Aktien mit stärkeren Ausschlägen zu rechnen. Denn viele Großinvestoren orientieren sich eng an der Zusammensetzung der Börsenmesslatten – in erster Linie die boomenden Indexfonds (ETFs).

Deren Portfolios bilden strikt Börsenbarometer nach statt ausgeklügelte eigene Investmentstrategien zu verfolgen. Wer also in die Indizes aufgenommen wird, wird auch von diesen Fonds gekauft. Und wer rausfliegt, wird verkauft.

Dass die Wirecard-Aktie bei ihrer Dax-Premiere die Gewinnerliste der 30 bedeutendsten deutschen Aktien anführt, dürfte maßgeblich auch an diesem Eindeckungsbedarf institutioneller Investoren liegen. Schließlich folgen derzeit alleine 17 ETFs mit einem Anlagevolumen von insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro dem Index.

Im TecDax gibt es Zuwachs durch die Technologiefirmen aus dem Dax. Die Deutsche Telekom, Infineon und SAP sind zusätzlich in den Index aufgenommen. Ausscheiden mussten dafür die bisher kleinsten Mitglieder SLM Solutions, Medigene und SMS Solar, die in den SDax rutschen. „Selbst wenn die Gewichtung pro Gesellschaft begrenzt wird, dürfte klar sein, welche Kursbewegungen dort in Zukunft entscheidend sein werden“, so DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Allein der Softwarekonzern SAP ist mit einem Börsenwert von 127 Milliarden Euro knapp ein Zehntel größer als alle bisherigen TecDax-Unternehmen zusammen. Sicher ist: Das wird den Technologieindex künftig maßgeblich beeinflussen.

Die Deutsche Börse hat am Montag nicht nur Änderungen in ihrer Dax-Indexfamilie umgesetzt, sondern auch die Zusammensetzung des Euro Stoxx 50 aktualisiert: Im Leitindex der Euro-Zone haben die beiden hiesigen Branchenschwergewichte Deutsche Bank und Eon ihre Plätze geräumt – ebenso wie der französische Industriekonzern Saint Gobain. Dafür rücken der deutsche Industriegase-Spezialist Linde, das spanische IT-Unternehmen Amadeus sowie der französische Luxusgüteranbieter Kering in das meistbeachtete gesamteuropäische Aktienbarometer auf. Hier wird den Aufsteigern künftig sogar das Interesse von 33 Indexfonds zuteil - fast doppelt so vielen wie bei den Dax-Mitgliedern.

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